15.08.2017, 12:19 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Seoul (AFP) Nordkorea lenkt im Streit um Raketentests nahe US-Außengebiet Guam offenbar ein

Kim will vorerst abwarten. Quelle: AFP/Archiv/JUNG Yeon-JeKim will vorerst abwarten. Quelle: AFP/Archiv/JUNG Yeon-Je

China spricht von "Wendepunkt" in dem Konflikt

Im Atomkonflikt mit den USA rückt Nordkorea offenbar vorerst von seinen Angriffsplänen auf die Umgebung des US-Außengebiets Guam ab. Er wolle das Verhalten Washingtons "noch etwas länger beobachten", sagte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un am Dienstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. China sprach von einem "Wendepunkt" in dem Konflikt und forderte eine Rückkehr zum Dialog.

Laut KCNA ließ sich Kim am Montag vom Militär ausführlich über die Pläne informieren, Raketen in Richtung der Pazifikinsel Guam abzuschießen, auf der die USA mehrere Stützpunkte unterhalten. Anschließend kündigte er demnach an, die Pläne für derartige Tests zunächst zurückzuhalten. Gleichzeitig rief er die USA auf, alle Provokationen gegen sein Land "sofort" zu stoppen, andernfalls werde Nordkorea seinen Angriffsplan umsetzen.

Um die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu entschärfen und einen "gefährlichen militärischen Konflikt" zu vermeiden, müssten die USA als erste "eine geeignete Option" unterbreiten und darauf Taten folgen lassen, wurde Kim zitiert.

Damit spielte er möglicherweise auf großangelegte Militärmanöver der USA und Südkoreas an, die noch in diesem Monat beginnen sollen. Pjöngjang hat derartige Übungen in der Vergangenheit immer wieder verurteilt und im Gegenzug für ein Ende der Militärmanöver ein Moratorium für weitere Atom- und Raketentests angeboten. Washington und Seoul halten aber an den Übungen fest.

Nordkorea und die USA hatten die gegenseitigen Drohungen im Atomstreit zuletzt immer weiter verschärft. US-Präsident Donald Trump hatte gewarnt, die USA würden "mit Feuer und Wut" auf neuerliche Raketentests reagieren. Nordkorea drohte daraufhin mit einem Angriff nahe Guam.

Beobachter werteten Kims jüngste Äußerungen vom Dienstag als Zeichen der Deeskalation. Auch China sprach von einem "Wendepunkt" in dem Konflikt. Jetzt sei die Zeit gekommen, um "zu Friedensgesprächen zurückzukehren", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Es komme nun darauf an, dass alle Beteiligten "dazu beitragen, das Feuer zu löschen, anstatt Öl ins Feuer zu gießen".

Die Sprecherin lobte zugleich einen Beitrag von US-Verteidigungsminister James Mattis und US-Außenminister Rex Tillerson im "Wall Street Journal". Darin schrieben sie, die USA hätten "kein Interesse an einem Regimewechsel" in Pjöngjang. Beide Seiten müssten den Worten nun Taten folgen lassen, forderte die Sprecherin.

Südkoreas Präsident Moon Jae In sagte am Dienstag, Seoul wolle einen Krieg auf der Koreanischen Halbinsel um jeden Preis vermeiden. Ohne das Einverständnis Südkoreas könne es keine Entscheidung für einen Militäreinsatz geben.

Auf Guam lösten die jüngsten Äußerungen Kims Erleichterung aus. Beamte sprachen von "beinahe ekstatischen" Reaktionen, nachdem der nordkoreanische Machthaber von seinen Drohungen abgerückt sei.

Der eskalierende Streit zwischen Trump und Kim hatte zuletzt weltweit große Sorge vor einem möglichen Atomkrieg ausgelöst. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte am Montagabend kurz vor Veröffentlichung der Erklärung Kims alle Seiten zu einer "friedlichen Lösung" des Konflikts aufgerufen und die Unterstützung der EU zugunsten eines neuen Dialogs mit Pjöngjang angeboten.

Dazu wolle die EU verstärkt in die Diskussion mit den früheren Teilnehmern der Sechsparteien-Gespräche Nord- und Südkorea, China, Russland, die USA und Japan treten, erklärte Mogherini. Nordkorea hatte diese Gespräche 2009 verlassen. Auch Peking spricht sich für eine Rückkehr zu den Sechsergesprächen aus.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) übte erneut Kritik an der Rhetorik Trumps und appellierte zugleich an die Vernunft der USA: "Die ganze Welt ist schockiert darüber, wie unberechenbar die US-Politik geworden ist", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Dienstag. Allerdings sei es "ja nicht so, als ob ganz Amerika den Verstand verloren hätte".


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