14.08.2017, 18:12 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Washington (AFP) Trump verurteilt rassistische Gruppen nach Charlottesville als "abstoßend"


Nach zunehmendem Druck aus dem In- und Ausland

Nach immer lauter werdender Kritik aus dem In- und Ausland hat US-Präsident Donald Trump die Gewalt rechtsextremer Gruppen in Virginia als "abstoßend" verurteilt. "Rassismus ist böse", sagte Trump am Montag im Weißen Haus in Washington. "Und alle, die in seinem Namen Gewalt ausüben, sind Kriminelle und Verbrecher." Dies gelte für den Ku Klux Klan, Neonazis sowie Verfechter einer weißen Vorherrschaft. Zuvor war der Druck auf Trump, sich klar von der rechtsextremen Gewalt zu distanzieren, stetig gestiegen.

Wer "im Namen von Fanatismus" Gewalt anwende, treffe "das Innerste Amerikas", sagte Trump. Wer immer am Wochenende "verbrecherisch gehandelt" habe, müsse "die volle Verantwortung tragen" und werde von den Justizbehörden verfolgt werden. Am Wochenende hatte Trump von seinem Golf-Resort in New Jersey aus die "Gewalt auf vielen Seiten" verurteilt und damit die Rechtsextremen auf eine Stufe mit den antirassistischen Gegendemonstranten gestellt.

Noch vor Trump verurteilten hochrangige US-Regierungsvertreter den Angriff eines mutmaßlichen Rechtsextremisten mit einem Auto auf eine Gruppe Gegendemonstranten scharf: Justizminister Jeff Sessions sprach von "einheimischem Terrorismus", US-Vizepräsident Mike Pence von "gefährlichen Randgruppen".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die "rassistische, rechtsextreme Gewalt". Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kritisierte den US-Präsidenten vor dessen Äußerungen vom Montagabend (MESZ): "Trumps halbherziges Herumlavieren zu rechtsextremen Gewaltausbrüchen ist fatal". SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nannte die Vorgänge um die Gewalt in Charlottesville "schockierend". Das, was in den USA passiere, sei "Nazi-Terror", fügte Schulz hinzu.

Zu dem Aufmarsch in Charlottesville hatten mehrere Gruppierungen vom extrem rechten Rand aufgerufen - unter ihnen der rassistische Ku Klux Klan und die Alt-Right-Bewegung, die Trump im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hatte. Manche Teilnehmer des Aufmarsches gaben sich auf Mützen und T-Shirts als Trump-Anhänger zu erkennen. Bei der Gewalt in der Universitätsstadt wurde eine Frau getötet, mindestens 19 Menschen wurden verletzt.

Aus Protest gegen die lange ausbleibende klare Distanzierung Trumps von den Rechtsextremisten legte der Chef des Pharmakonzerns Merck, Kenneth Frazier, seine Beratertätigkeit für Trump nieder. Wer an der Spitze der USA stehe, müsse die "fundamentalen Werte" des Landes hochhalten, erklärte Frazier. Es gehöre zum "amerikanischen Ideal, dass alle Menschen gleich geboren sind".

Hass, Fanatismus und die Lehre von der Überlegenheit einer Rasse liefen dem "amerikanischen Ideal" zuwider, erklärte der 62-jährige Merck-Chef. Als Unternehmenschef und aufgrund seines persönlichen Gewissens fühle er die "Verantwortung, gegen Intoleranz und Extremismus aufzustehen".

Trump rief seinem bisherigen Wirtschaftsberater via Twitter nach, dieser werde nun "mehr Zeit haben, die überteuerten Medikamentenpreise abzusenken". Frazier war von Trump in den Export-Rat des Präsidenten berufen worden, ein Expertengremium, das die US-Präsidenten seit 1973 in Handelsfragen berät.

Zahlreiche Politiker der US-Demokraten und von Trumps eigener Partei, den Republikanern, hatten dem Präsidenten vorgeworfen, die Rechtsextremen nicht klar als Schuldige zu benennen.


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