14.08.2017, 08:30 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Osnabrück (AFP) Im erstem Halbjahr schon zehn Fälle von Kindstötungen

Experten registrieren zahlreiche Kindstötungen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Stefan ThomasExperten registrieren zahlreiche Kindstötungen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Stefan Thomas

Kinderhilfswerk hält Babyklappen für wirkungslos

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in Deutschland bereits zehn Fälle von Kindstötungen bei Neugeborenen gemeldet. Im gesamten Jahr 2016 wurden mindestens neun Säuglinge nach der Geburt getötet, wie das Kinderhilfswerk Terre des hommes am Montag in Osnabrück mitteilte. 2015 wurde sogar über 22 tot aufgefundene Babys berichtet.

Die Organisation veröffentlicht regelmäßig anhand von Medienberichten Zahlen zu Kindstötungen sowie nach der Geburt ausgesetzten und lebend gefundenen Neugeborenen. Eine offizielle Statistik gibt es in Deutschland nicht. In den vergangenen zehn Jahren wiesen die Zahlen demnach erhebliche Schwankungen auf. Eine Tendenz, die auf eine allmähliche Abnahme von Kindstötungen hindeutet, ist nach Angaben der Organisation nicht erkennbar.

Der Vorstandsvorsitzende von Terre des hommes, Jörg Angerstein, forderte vom Staat mehr Unterstützung für in Not geratene Frauen. "Um die Tötung und Aussetzung von Kindern zu bekämpfen, müssen bestehende Beratungs- und Hilfsangebote weiter verbessert werden", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Babyklappen seien wirkungslos. "Die wachsende Zahl an Babyklappen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, haben nicht zu einem Rückgang von Kindstötungen in Deutschland geführt."

Nach Auffassung von Terre des hommes werden Frauen, die ihr Kind in einer Paniksituation töten, von diesen Angeboten gar nicht erreicht. Zudem fehle es bis heute an einer gesetzlichen Grundlage für Angebote wie Babyklappen und anonyme Geburt. Sie würden von den Behörden geduldet.

Vor drei Jahren wurde mit dem Gesetz über die sogenannte vertrauliche Geburt eine legale Form der Kindsabgabe geschaffen. Die Mutter bekommt Hilfsangebote und bleibt anonym, ihre Identität wird aber in einem sicher aufbewahrten Herkunftsnachweis festgehalten.

So kann das Kind seine Abstammung erfahren, wenn es 16 Jahre alt ist. Seit 2014 nutzten nach Angaben des Familienministeriums etwa 335 Frauen die Möglichkeit der vertraulichen Geburt.


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