05.03.2014, 10:24 Uhr

Deggendorf betroffen? Wie geht’s weiter mit A.T.U.?

Foto: Rainer AuerFoto: Rainer Auer

Werkstattkette stellt 900 Mitarbeiter aus und baut Filialen ab.

DEGGENDORF Die Nachricht schlug in der letzten Woche ein wie eine Bombe: die Werkstattkette A.T.U. will in den kommenden Monaten 900 Stellen Streichen. Einzelne Filialen sind von der Schließung bedroht, wie der Sprecher des Unternehmens, Markus Meißner, dem Wochenblatt bestätigte. Der Marktführer in Deutschland ist seit einiger Zeit in Schieflage. An den A.T.U.-Standorten sind die Beschäftigten verunsichert. Welche Standorte dichtgemacht werden, ist momentan noch unklar. Schwierigkeiten bereitet A.T.U. die Tatsache, dass der Gründer des Unternehmens, der Weidener Peter Unger, sein von ihm aufgebautes Unternehmen zweimal verkauft hat.

„Wir haben in ganz Deutschland rund 600 Filialen und insgesamt 12 000 Mitarbeiter“, so Meißner. Der jetzt geplante Einschnitt betrifft also nur einen kleinen Teil der Beschäftigten. 125 Stellen sollen allein in der Weidener Zentrale abgebaut werden. Derzeit, so Meißner, „befinden wir uns in Gesprächen mit der IG Metall“. Die Gespräche würden konstruktiv verlaufen, der Stellenabbau solle so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden.

Fest steht auch, dass A.T.U. einzelne Standorte schließen wird. Dabei handelt es sich um Niederlassungen, die Verluste schreiben. Es handle sich aber um einen „sehr kleinen Teil“ der Filialen, so Meißner. Er beruft sich dabei auf eine Aussage des Unternehmens-Leiters, Norbert Scheuch.

„In der Vergangenheit wurden Fehler gemacht, das rächt sich jetzt“, so Meißner weiter. Ein schwerer Mühlstein, der dem Unternehmen um den Hals hängt, sind unter anderem die Mieten, die es für seine Werkstätten zu bezahlen hat. Zu verdanken hat A.T.U. das zum größten Teil dem Firmengründer. Als Peter Unger sein Unternehmen im Jahr 2002 an die britische Investmentfirma Doughty Hanson & Co verkaufte, behielt er die Immobilien, in denen sich die Filialen befanden, zunächst für sich. Erst später trennte sich Unger von den Liegenschaften. Vereinfacht gesagt: Das Unternehmen wurde zweimal verkauft.

Unternehmen quasi zeimal verkauft

Die Gebäude, in denen sich jetzt die Unger-Filialen befinden, gehören laut Auskunft des Unternehmens zum Teil einzelnen Geschäftsleuten, aber auch Immobiliengesellschaften. Die wollen natürlich eine Rendite für ihre Investition sehen – und langen kräftig hin. Nach Wochenblatt-Informationen muss A.T.U. zum Teil weit mehr als die jeweiligen marktüblichen Mieten auf den Tisch legen. Der Umsatz bei manchen Geschäftsstellen gibt das aber nicht her. Die Folge sind rote Zahlen. Allerdings hat die Werkstattkette ihre expansive Politik auch nach dem Ausstieg Ungers erst einmal fortgesetzt. Zwischen den Jahren 2002 und 2007 wurden viele neue Filialen und Niederlassungen gegründet.

Mittlerweile wechselten die Eigentümerverhältnisse bei A.T.U. mehrmals. Das Unternehmen ging an die US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts für 1,45 Milliarden Euro, im Dezember letzten Jahres wurde bekannt, dass US-Investor Centerbridge, der zugleich der größte Gläubiger der Werkstattkette ist, das Unternehmen mehrheitlich übernehmen wird.

Das einstmals gesunde und solide aufgebaute Unternehmen ist in Schwierigkeiten, seit Beteiligungs-Gesellschaften (Private Equity) das Ruder übernommen haben. Dabei handelt es sich um Risiko-Investoren, die natürlich in erster Linie wollen, dass sich ihre Investition auszahlt.

Das Nachsehen haben dadurch unter Umständen nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch der Steuerzahler. So musste die Stadt Weiden der Werkstattkette kürzlich 80 Millionen Euro Gewerbesteuer erlassen, um Arbeitsplätze zu retten und eine Insolvenz zu verhindern. Der Betrag war fällig geworden, als sich nach einem aufgelegten Sanierungsplan die Schulden von A.T.U. auf einen Schlag um 600 Millionen Euro verringerten, was sich auch auf die Berechnung der Gewerbesteuer niederschlägt.

Allerdings gab es wohl keine Alternative in der strukturschwachen nördlichen Oberpfalz. Es geht schließlich nicht nur um Geld. Es geht auch um Schicksale. Und das nicht nur in Weiden, sondern an allen Standorten.


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