20.09.2016, 16:57 Uhr

Wolltiere Sanfte Alpakas – Die Delfine des Landes

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Die sanftmutigen Tiere erobern Niederbayern.

DEGGENDORF Langsam öffnet Hannah das Tor zur Weide. Die darin grasenden Alpakas heben die Köpfe. Schauen sich kurz um und zögern, als das kleine Mädchen die ersten Schritte auf sie zumacht. Doch dann macht Hannah eine hektische Bewegung und weg sind sie. „Das ist ganz normal“ erklärt Anita Bauer, die in Schönerting bei Vilshofen mit ihrem Mann einen Alpakahof betreibt. „Alpakas sind Fluchttiere und reagieren erst mal so, wenn sie erschreckt werden. Aber das ist schnell vorbei.“ Kaum hat Anita Bauer das gesagt, kommen die Alpakas auch schon wieder angelaufen und schauen neugierig aus ihren sanften Augen.

„In diesen Blick verliebt sich fast jeder“, weiß die 45-Jährige. Auch für sie und ihren Mann Max war es Liebe auf den ersten Blick. „Wir hatten früher eine Landwirtschaft mit Rinderhaltung. Diese wurde aber 1989 aufgegeben“, erzählt Max Bauer, der eigentlich als Versuchsingenieur arbeitet und die Landwirtschaft nur nebenbei betreibt. „Dennoch wollte ich immer wieder Leben auf den Hof bringen und so sind haben wir uns 2011 die Alpakas zugelegt.“

Aus den anfänglich drei Stuten und einem Hengst ist mittlerweile eine stattliche Herde von 14 Tieren geworden. „Am 17. Juli kam unser jüngstes Familienmitglied zur Welt“, sagt Anita Bauer und streichelt dem kleinsten Alpakanachwuchs Simona über das Fell. Alpakas sind eigentlich in den Anden beheimatet, doch seit einigen Jahren erobern sie die Welt und kommen auch bis zu uns nach Niederbayern. „Das liegt sicherlich daran, dass sich die Alpakas sehr gut an unsere klimatischen Bedingungen anpassen können. Außerdem ist es ein Nutztier, das nicht sehr pflegeintensiv ist“, weiß der 45-jährige Nebenerwerbslandwirt. „Zum Fressen brauchen sie nur Gras, Heu, Wasser, Mineralien und Salz“, fährt er fort. 

Unterricht auf dem Bauernhof

Einmal im Jahr müssen die Tiere allerdings geschoren werden. „Das liegt daran, das die Alpakas rein gezüchtet wurden um Wolle zu liefern. Daher gibt es keinen natürlichen Fellwechsel wie bei anderen Tieren“, so Max Bauer. Die Wolle, die Max und Anita so gewinnen, wird von ihnen selbst verarbeitet. „Wir fertigen daraus Wolle oder filzen kleine Dekoartikel.“ Ihr breites Wissen, das sich die Bauers über die Alpakas angeeignet haben, geben sie auch an andere weiter. So sind die beiden seit 2013 als zugelassener Erlebnisbauernhof beim Landwirtschaftsministerium zertifiziert. „Im Rahmen dieses Programms bieten wir Unterricht am Bauernhof an“, berichtet die Schönertingerin. In drei bis vier Stunden wird den Kindern in einem theoretischen Teil Wissenswertes über die Alpakas vermittelt. Anschließend dürfen die Kinder die Tiere auch füttern und streicheln. Auch die Rohwolle dürfen die Kinder unter der Anleitung von Anita und Max Bauer selber verarbeiten. Das heißt, die Rohwolle wird gerupft, kardiert und so zum fertigen Fleece verarbeitet. Aus diesem Fleece wiederum können die Kinder beim Nassfilzen kleine Schlüsselanhänger oder Bälle formen und mit nach Hause bringen. „Darauf sind die Kinder dann natürlich besonders stolz“, erzählen Max und Anita Bauer mit einem Lächeln auf den Lippen.

Aber nicht nur für dieses Schulprojekt eignen sich die Alpakas sehr gut. Auf dem Bauernhof der Familie wird auch „Tiergestützte Pädagogik“ angeboten. „Diesen Part übernimmt unsere Nichte Katharina Benz. Zur Zeit befindet sie sich aber in der Elternzeit, da sie Nachwuchs bekommen hat“, sagt Anita Bauer. Die Pädogogin, die im Deggendorfer Jugendzentrum arbeitet, ist eine staatlich anerkannte und geprüfte Erzieherin mit Weiterbildung im Tiertraining für tiergestütze Intervention kurz TGI.

„Gerade in diesem Bereich eignet sich das Alpaka hervorragend, denn es ist ein sehr ruhiges Tier. Man bezeichnet es auch gerne als den Delfin des Landes“, weiß Anita Bauer.

Die Tiere wirken oft als Türöffner. Patienten, die sich sonst kaum mitteilen, fangen in Gegenwart von Tieren plötzlich an zu sprechen. Woran das liegt? „Gerade Kinder begegnen den Alpakas wegen ihrer Größe auf Augenhöhe. Sie haben eine elegante Art und wecken Neugier. dennoch sind sie keine Kuscheltiere. Wer sie streicheln will, der muss sich ihr Vertrauen erarbeiten“, erklärt Anita Bauer. Und gerade darin liegt der Schlüssel für den Therapieerfolg. „Wenn die Kinder es geschafft haben, eine Vertrauensbasis herzustellen, steigert das ihr Selbstbewusstsein enorm“, weiß die 45-Jährige.

Auch für Jugendliche, die sonst eher aufbegehren und sich nicht gerne unterordnen wollen, sind Alpakas ideale Therapietiere. „Das liegt daran, dass die Tiere sehr ruhig sind und das auch übertragen können. Und zum anderen kommt, beziehungsweise bleibt das Tier nicht hier, wenn gewisse Regeln nicht eingehalten werden“, so Anita Bauer.

Oftmals sind die Bauers selbst überrascht, wie schnell manche Kinder einen Draht zu den saften Schönheiten finden. „Das, was Hannah mit unserer Flocke macht, dürfte nicht jeder“, sagt Max Bauer, als er sieht wie sich das kleine Mädchen fest an den Hals der Stute schmiegt sie festhält und ihr etwas ins Ohr flüstert. Wer mehr über den Alpakahof von Anita und Max Bauer in Schönerting und ihre 14 Tiere wissen möchte, klickt einfach im Internet unter www.lunapark-alpakas.de.


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