28.10.2014, 16:06 Uhr

Fotostudio in luftiger Höhe: Luftbilder von „Adleraugen“ im Motorgleitschirm

Foto: myluftbild.deFoto: myluftbild.de

Reinhard Vollmert und Bruno Kapeller schießen hochauflösende Fotos aus ihren wackeligen Fluggeräten

LANDKREIS Dass von unbemannten „Drohnen“ oder Multicoptern aus Fotos in der Luft geschossen werden, das ist ja hinlänglich bekannt. Die beiden Flugvirus-infizierten Reinhard Vollmert (47, Fluglehrer aus Bernau) und Bruno Kapeller (44, Berg- und Naturfreund aus Siegsdorf) machen Luftbilder aber aus einer ganz anderen Perspektive: aus ihren motorisierten Gleitschirmen.

Mit einer Art Rucksackmotor kann der Schirm so fast überall starten und auch ohne passende Thermik länger in der Luft bleiben. Wie man zu diesem ungewöhnlichen Hobby mit außergewöhnlicher Perspektive kommt, erzählen die beiden im Interview:

Wie sind Sie beide zum motorisierten Gleitschirm gekommen?

Wir kommen beide vom klassischen Thermikfliegen, so wie man es aus den Bergen kennt. Erst später kam der Rucksackmotor (Antrieb) hinzu, der es uns ermöglicht hat, dort hin zu fliegen, wohin wir es möchten. Wir sprechen dann vom motorisierten Luftwandern entlang von Flussläufen, Seen, Städten etc. Wir haben uns auf einer Expedition 1989 in Ostafrika, um erste Weltrekorde im Rift Valley zu fliegen, kennen und schätzen gelernt.

Wie kam die Idee, Fotografie und Gleitschirmfliegen zu verbinden?

Wir wurden immer wieder angesprochen: oder oder Dann haben wir uns die erste Kamera gekauft, dann die Zweite, dann die Dritte und jetzt nehmen wir die Perspektiven von oben in sehr hoher Qualität in allen gewünschten Formaten auf. Das Fliegen ist unser Hobby. Für das Fotografieren von oben in hoher Qualität mussten wir ordentlich Lehrgeld zahlen. Ein gutes Luftbild soll dem Betrachter die Möglichkeit geben, Dinge aus einem andern Blickwinkel zu sehen, damit er sich seine eigene Meinung bilden kann, um ihn, wenn auch nur kurz, vom Alltagsstress zu entreißen. Wir wollen niemanden belästigen oder private Angelegenheiten fotografieren, sondern die Einzigartigkeit von Mensch und Natur festhalten.Macht doch mal ein Bild von meinem Haus?Könnt ihr das neue Rathaus von oben fotografieren?uns ist eine Kuh ausgebrochen könnt ihr beim Suchen helfen?

Was sind die Vorteile Ihrer Fotos, z.B. gegenüber Multicoptern?

Drohnen oder besser gesagt Multicopter haben ihre Berechtigung und sind in speziellen Bereichen auch von Vorteil, z.B. beim Absuchen einer Fassade nach Schäden oder einem Bild über dem Weihnachtsmarkt. Wir sind Pilot und Fotograf gleichzeitig,müssen den besten Blickwinkel und die ruhigste Position finden, um dann ohne zu verwackeln das Motiv abzulichten. So sind wir in der Lage, eine ganze Region zu dokumentieren. So haben wir z.B. für eine Wasserbehörde einen Flussverlauf dokumentiert, wo sonst nur noch ein Hubschrauber eine sehr aufwändige Alternative gewesen wäre.

Welche Ausrüstung haben Sie beim Fliegen dabei, ist das nicht aufwändig und gefährlich?

Die Sparte Motorschirmfliegen gehört in die Kategorie „Ultraleichtflieger“. Dies ist eine Klasse, die von der obersten Luftfahrtbehörde geregelt wird. Also alles ist geprüft und gestempelt. Viel Erfahrung, Übung und Wissen machen einen guten Piloten aus. Das funktioniert natürlich nicht in einem zweiwöchigen Kompaktkurs. Das wirklich Schöne beim motorisierten Gleitschirmfliegen ist, dass wir immer noch wunderbar und sicher landen können, wenn der Motor einmal ausgehen sollte. Letztendlich fliegen wir ja nur mit einer sehr geringen Geschwindigkeit, welche das Luftwandern so besonders macht. Zur Ausrüstung gehört die Tragfläche, in unserem Fall ein spezieller Gleitschirm, die Motoreinheit mit Gurtzeug und Rettungssystem, Helm mit Flugfunk und natürlich die Kamera.

Gibt es Lieblingsmotive?

Nein, keine Speziellen, die Welt beim Luftwandern von oben betrachten zu dürfen ist schon einzigartig. Immer wieder entdecken wir etwas Neues.

Welche Grenzen hat dieses Hobby?

Das Wetter — Regen, Sturm und extreme Kälte — und gesperrte Lufträume, zum Beispiel in der Nähe von großen Flugplätzen mit ihren Kontrollzonen. Gibt es besondere Erinnerungen? Hin und wieder unternehmen wir Flugsafaris, so sind wir zum Beispiel im Herbst über ausgetrocknete Flussläufe von den Südalpen bis nach Venedig ans Meer geflogen. Oder ein Flug in Südungarn von der kroatischen Grenze bis zum Plattensee über ewige unbewohnte Landschaft. Immer ein besonderer Moment ist der letzte Schritt vor dem Abheben. Die Welt wird kleiner und das Schaffen der Menschheit wird sichtbarer.

Mehr Infos und Bilder gibt es unter www.myluftbild.de


0 Kommentare