08.04.2014, 10:54 Uhr

Steinbeis-Hochschule Berlin stellt Akkreditierungsverfahren ein Überraschendes Aus für Homöo-Akademie in Traunstein

Foto: Axel EffnerFoto: Axel Effner

Einen Studiengang Homöopathie mit einem Abschluss Bachelor of Science Homöopathie EUH wird es in Traunstein nicht geben. Nach zweijähriger Vorplanung sollte das Studium im März beginnen. Jetzt teilte der Präsident der Steinbeis-Hochschule Berlin (SHB) mit, dass die Planungen für das Akkreditierungsverfahren eingestellt worden sind.

TRAUNSTEIN Der Studiengang in Traunstein sollte in Zusammenarbeit mit einem neu gegründeten Steinbeis-Transfer-Institut erfolgen, das das Studium unter Aufsicht der SHB durchführt. Offensichtlich hat die Häufung kritischer Berichte bzw. die Diskussion über die fehlende Wissenschaftlichkeit der Homöopathie zu einer Distanzierung der SHB geführt.

"Diskussion hat die sachliche Ebene verlassen"

In einer Stellungnahme vom 28.März zur Einstellung des Akkreditierungsverfahrens schreibt SHB-Präsident Prof. Dr. Dr. Johann Löhn: "Inzwischen hat die öffentliche Diskussion über diesen Bachelor of Science die sachliche Ebene verlassen. Für diese Ebene steht die SHB nicht zur Verfügung. Wir wollen auch nicht, dass die Berliner Senatsverwaltung und die Akkrediterungsagentur stellvertretend dafür herhalten müssen. Daher habe ich am 28.03.2014 der Senatsverwaltung mitgeteilt, dass wir die Planungen des Studiengangs einstellen und die Genehmigung von 2012 zurückgeben."

Zu den Hintergründen schreibt Löhn weiter: "Es muss innerhalb der akademischen ,Community' geklärt werden, ob ein Studiengang Homöopathie in dem Katalog der inzwischen inflationären Anzahl von Studiengängen, die durchaus nicht immer den Eindruck von wissenschaftlichem Hintergrund vermitteln, ein Platz für Homöopathie ist. Dann wird man weiter sehen. Die SHB wird sich an dieser Diskussion nicht beteiligen." Möglicherweise hat sich die SHB mit ihren zahlreichen Transfer-Instituten auch deshalb zurückgezogen, um nicht selbst zu tief ins Fahrwasser der Kritiker-Kampagne zu geraten.

Ist das Aus politisch begründet?

Anja Wilhelm, die designierte Leiterin der in Traunstein geplanten Homöo-Akademie, erklärte gegenüber dem : "Das Ende des Studiengangs kam für uns sehr überraschend... Der Hintergrund für das Aus ist rein politisch. Wie uns versichert wurde, liegt es nicht an eventuellen Mängeln im Konzept oder im Akkreditierungsprocedere. Wir möchten keine öffentliche Debatte über die Hintergründe führen und ich bitte Sie hierfür um Verständnis." Wilhelm äußerte auch ihr Mitgefühl für die Studenten, die im März mit dem Vormodul gestartet sind und erklärte, diese bekämen bereits geleistete Zahlungen zurückerstattet. Wochenblatt

Nicht gerade auf Begeisterung gestoßen ist der Rückzug der SHB in Traunstein. Bei der Vorstellung des Projekts im November 2013 schwärmte Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke noch von der Aufwertung von Traunstein als Bildungs- und Hochschulstandort. Die im Bildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe vorgesehenen Räume für die Homöo-Akademie sind derzeit nach wie vor an eine Stiftung für Homöopathie in Freiburg vermietet. 

GWUP thematisierte in Blogs hartnäckig "Etikettenschwindel"

Für großen Wirbel hatte am 26. Februar die Ausstrahlung des Berichts "Der Globuli-Bachelor" in der ARD-Sendereihe "Kontroverse" gesorgt. Darin hatte vor allem Dr. Norbert Aust von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) die Wissenschaftlichkeit und die Anwendung wissenschaftlicher Standards  im Bereich der Homöopathie in Zweifel gezogen. Bereits davor hatte die GWUP bezüglich des Homöopathiestudiengangs in Traunstein in Blogs hartnäckig und wiederholt vor "Etikettenschwindel", "Pseudowissenschaft" und einer "Blamage für den Wissenschaftsstandort Deutschland" gewarnt.

Aust hatte sich Ende 2013 auch in einem Brief an Landrat Hermann Steinmaßl und Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke gewandt und behauptet, für die Verleihung akademischer Grade fehle der geplanten Homöo-Akademie die staatliche Anerkennung. In einer Entgegnung stellte Urs Rentsch,  Leiter des Steinbeis-Transfer-Instituts EUH, mit Schreiben vom 8. Dezember richtig, dass der Studiengang nicht nach den Bestimmungen des Bayerischen Hochschulgesetzes (Artikel 76) geregelt ist. Demnach käme nach Artikel 86 BayHSchG auch eine Gestattung in Frage, wenn - wie im Fall Traunstein - eine außerbayerische Hochschule den akademischen Grad verleiht und Studiengänge in Bayern durchführt.

Möglicherweise hat der auffällig missionarische Eifer, mit dem der kampagnenerprobte Ingenieur Aust öffentlichkeitswirksam als Skeptiker gegen die Homöopathie zu Felde zieht, ganz lapidare Gründe: Mit der angeblichen Aufklärungskampagne lässt sich zum einen der Verkauf seines aktuellen  Buchs "In Sachen Homöopathie - Eine Beweisaufnahme" beflügeln, zum anderen sein Status als Homöopathie-Kritiker festigen.


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