20.01.2011, 13:51 Uhr

Neue Erkenntnisse nach dem Tod von Oliver O. (21) in Afghanistan Soldat getötet - Staatsanwalt ermittelt

Wohl durch einen irrtümlichen Schuss aus dem Gewehr eines Kameraden kam der erst 21-jährige Gebirgsjäger Oliver O. aus Waldhausen bei Schnaitsee in Afghanistan ums Leben. Nach dem Begräbnis mit militärischen Ehren ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Gera gegen einen Soldaten mit Sitz in Ostthüringen.

SCHNAITSEE Der Fall von Oliver O., Soldat des Gebirgsjägerbataillons 232 aus der Kaserne in Bischofswiesen/Strub, der mit einer Schusswunde in einem Außenposten nördlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Pol-i Khomri aufgefunden worden und wenig später bei einer Notoperation gestorben war, ist nun ein Fall für die Staatsanwaltschaft Gera. Diese hat jetzt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es gebe Anhaltspunkte, dass der 21-jährige Mann aus Waldhausen in der Gemeinde Schnaitsee am 18. Dezember gegen 21.30 Uhr Ortszeit von einem Kameraden mit Hauptwohnsitz in Ostthüringen irrtümlich erschossen wurde.

Zunächst war ein selbstverschuldeter Tod des Soldaten nicht ausgeschlossen worden. Auch Presseoffizier Hauptmann Sven-Darius Schulz von der Gebirgsjägerbrigade 23 bestätigte gegenüber dem Wochenblatt die neuen Erkenntnisse: „Die Meldung ging schon damals durch die Medien, vor Ort haben wir aber den gleichen Kenntnisstand wie noch vor einigen Wochen“. Am Donnerstag dieser Woche teilte die Staatsanwaltschaft Gera mit, sie prüfe den Fall. Der Schütze sei auch in Bischofswiesen stationiert und im „Soldatenalter“. Ihm werde die fahrlässige Tötung vorgeworfen. Es könnte sich ein Schuss beim Hantieren mit Gewehren in einem Zelt gelöst haben, so Medienberichte. Ausgeschlossen werden könne zwischenzeitlich ein Selbstmord. Das Einsatzführungskommando in Potsdam wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen bis Redaktionsschluss zu dem Fall nicht äußern. Presseoffizier Schulze: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegt uns kein Zwischenbericht vor. Wir müssen abwarten, was die Staatsanwaltschaft sagt. Die Ermittlungen laufen“.

Oliver O. war nach der Rückführung aus dem Land am Hindukusch am 28. Dezember mit militärischen Ehren auf dem Friedhof von Waldhausen beigesetzt worden. Neben hochrangigen Militärs nahmen auch Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer als Wahlkreisabgeordneter, MdL Klaus Steiner, Landrat Hermann Steinmaßl und Bürgermeister Vitus Pichler an der Beisetzung teil. Nach dem Unglück in Afghanistan war die Familie am Weihnachtstag von dem Tod ihres Angehörigen informiert worden. Mutter, Stiefvater, die ältere Schwester und der zehnjährige Halbbruder wurden von Bundeswehrangehörigen betreut.

Der gelernte Estrichleger Oliver O. lebte seit 15 Jahren mit seiner Mutter in Waldhausen. Beide sind aus den neuen Bundesländern gekommen. Im Jahr 2009 hatte sich O. für zwei Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet. Im Oktober war er mit dem Gebirgsjägerbataillon 232 nach Afghanistan verlegt worden. Wie die Deutsche Presseagentur nach dem Unglücksfall meldete, soll der Hauptgefreite O. von einem Einsatz zurückgekommen sein und sich beim anschließenden Reinigen der Waffen aus dem Gewehr eines Kameraden aus Versehen ein Schuss gelöst haben, der O. lebensgefährlich verletzt hat.

Bei der Gedenkfeier für den Getöteten anlässlich eines Aufenthaltes in Afghanistan sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor 800 Soldaten der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf: „Ein besonders tragisches Unglück hat ihm das Leben genommen nach einem Einsatz mit vielen Gefahren. Er hatte ihn heil überstanden." Die Kanzlerin weiter: "Es ist grausam, eine Woche vor Weihnachten die Nachricht vom Tod des geliebten Sohnes, des geliebten Bruders zu bekommen."

Die Bundeswehr ist derzeit mit rund 4600 Soldaten am Hindukusch. Seit Beginn des deutschen Einsatzes in Afghanistan starben mehr als 40 deutsche Soldaten. Fast 30 davon fielen in Gefechten oder kamen bei Anschlägen ums Leben.


0 Kommentare