25.03.2014, 14:02 Uhr

Großes Fest zum 80sten im Königlichen Kurhaus Max Aicher: „Hauptsach, i bleib gsund!”

Foto: Uwe Kurenbach@t-online.deFoto: Uwe Kurenbach@t-online.de

Regierungspräsident Christoph Hillenbrand überbringt Stifungsurkunde.

FREILASSING/BAD REICHENHALL Eine der bedeutendsten Unternehmerpersönlichkeiten im Berchtesgadener Land feierte am Freitag, 22. März, seinen 80. Geburtstag: der Freilassinger Stahlunternehmer Max Aicher. Im Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall bereitete ihm seine Familie ein fulminantes Fest mit Mitarbeitern, Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Regierungspräsident Christoph Hillenbrand überbrachte außerdem eine Urkunde mit der offiziellen Anerkennung der neu gegründeten Max-Aicher-Stiftung. Teile des Unternehmens sind künftig unter dem Dach einer Stiftung.

Wer nicht teilnehmen konnte, überbrachte die Glückwünsche schriftlich: Von der Bundeskanzlerin über den bayerischen Ministerpräsidenten bis zum Salzburger Landeshauptmann, zahlreiche Minister, Abgeordnete und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Max Aicher ist zweifellos eine Unternehmerpersönlichkeit, die zu den angesehensten Deutschlands gezählt werden darf. In seiner Heimat bringen ihm Politik und Bevölkerung gleichermaßen Hochachtung und Misstrauen entgegen. Der Visionär und auch im hohen Alter unermüdlich tätige Unternehmer Max Aicher ist nämlich auch bekannt für seinen Eigensinn und seine ungewöhnlichen Ideen, was ihn manchmal zu einem unberechenbaren Verhandlungspartner macht.

Er ist aber auch ein Mensch, der in seinem Leben viel geleistet hat und nach wie vor leistet. An dem Festabend im Königlichen Kurhaus überreichte Ainrings Bürgermeister Hans Eschlberger Max Aicher ein Straßenschild, das mit der Benennung „Max-Aicher-Allee“ eine seltene Ehrung zu Lebzeiten symbolisierte.

Die Namensgebung würdigt in besonders sichtbarer Weise die Verdienste des Unternehmers um den Erhalt und die Entwicklung des ältesten Stahlwerkes der Welt und damit um die Sicherung und Schaffung hunderter Arbeitsplätze in der Region.

Derart bestens eingestimmt empfingen Max Aicher und seine Frau Evelyne die rund 220 Festgäste im Kurhaus, begleitet vom extra angereisten Bischofswerdaer Spielmannszug. Ein vor dem Haupteingang platziertes originalgetreues Modell der Predigststuhlbahn verdeutlichte nicht nur Max Aichers besonders Engagement für Bad Reichenhall, sondern zeigte auch seine ungebrochene Verbindung zu seinem Geburtsort.

Im festlich geschmückten Saal löste ein Höhepunkt den nächsten ab: Begleitet von erlesenen festen wie flüssigen Genüssen empfing die Gäste ein buntes musikalisches Programm, in das sich Reden und Ereignisse, perfekt organisiert von Aichers ältester Tochter Angela, nahtlos ineinander fügten.

Grandios eingestimmt von der Bad Reichenhaller Philharmonie unter Christoph Adt stand mit Professor Hans Werner Sinn, dem Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, passend die Würdigung Max Aichers als Unternehmer von bayerischem, deutschem und europäischem Rang im Vordergrund.

Seine Überschrift: „Warum Menschen wie Max Aicher so wichtig für uns alle sind“. Die Antwort ins Bayerische übersetzt: „Weil sonst nix weitergeht.“ Auf den Wirtschaftsprofessor folgte direkt der Honorarprofessor Max Aicher, der auf die Frage nach dem Geheimnis seiner ewig-währenden Jugend antwortete: „Die Arbeit macht einfach Spaß.“ So wünsche er sich „nur“ weiterhin eine robuste Gesundheit, die es ihm ermögliche, Begonnenes fortzusetzen und den Bestand seiner Unternehmensgruppe zu sichern. Damit kam Aicher auf den zentralen Aspekt des Festabends zu sprechen: Zur Zukunftssicherung gründete er eine Familienstiftung, die nach Worten des Regierungspräsidenten von Oberbayern, Dr. Christoph Hillenbrand, eine der größen privaten Stiftungen in Bayern ist.

Hillenbrand überreichte unter starkem Applaus die Anerkennungsurkunde der „Max-Aicher-Stiftung“, die neben dem Erhalt des Lebenswerkes von Max Aicher vor allem die Aus- und Weiterbildung der über 3000 Mitarbeiter zum Ziel hat. „Wer eine Stiftung gründet, wirft einen Anker in die Zeit“, so Hillenbrand, der Aicher seinen Respekt aussprach, auf diese Weise „lange Zeit die Zukunft zu gestalten“.

Wie sich Aicher die Zukunft vorstellt, erläuterte er am Beispiel des von ihm erdachten Transrapid-Netzwerkes, das mit „CO2-freien Flügen auf Höhe Null“ alle deutschen Flughäfen im sechs Minutentakt verbinden soll. Die Technik des Transrapids sei die logische Fortsetzung des Modells Schiene und ein Konjunkturprogramm ersten Ranges.

„Heute bekämen wir bei all den Bürgerinitiativen keine Eisenbahn mehr“, ist sich Aicher sicher. Mit dem Transrapidring aber könne man ohne Abrieb, Abgase und Feinstaubbelastung innerdeutsche Flüge überflüssig machen und zudem die Trasse für dringend benötigte Leitungen nutzen. Die benötigte elektrische Energie sei auch über Solar- und Speicherlösungen ermöglichbar. Die prognostizierten Kosten in Höhe von rund 140 Milliarden Euro schrecken Aicher nicht: „Die Bankenrettung ist um ein Vielfaches teurer.“

„Ich bin in Oberbayern auch für Lob zuständig“, fasste Hillenbrand seine Rolle zusammen und verwies auf die am gleichen Tag geborene Sophia Loren: „Ihr Vorzug sind sanfte Kurven, bei Max Aicher klare Linien.“ Er danke Max Aicher von Herzen für seine Leistungen und wünsche ihm Gesundheit und Gottes reichen Segen.

Für persönliche Einblicke in das Leben mit und für einen Vater und Chef sorgten Angela Aicher und Katharina Eisl von der Annahütte: Mit 80 Jahren Max Aicher feiere man auch 90 Jahre Baufirma und 50 Jahre Max Aicher an der Unternehmensspitze.

Unterhaltsame Anekdoten zeigten Aicher als Vater, der die Familie zu Testzwecken einspannt, und mit Blick auf die zahlreichen Brückenbauwerke in ganz Deutschland als „Pontifex“ - wörtlich: Als Brückenbauer. Die ganze Bandbreite der Persönlichkeit zeigt ein dem Jubilar - „davon hab ich ja gar nichts mitbekommen“ - übergebenes Buch, passend geziert von einem Stahlrelief-Porträt.

Bevor die Grußworte der Lokalpolitik Max Aicher in allen Facetten ausleuchteten und würdigten, sorgte der Magier Manuel Horeth und zwei von Aichers Enkelinnen für Spannung, die von Aichers „Salzburger Stier“-Kollegen Karel Gott in ausgelassene Stimmung umgewandelt wurde: Zusammen hatten sie 1992 den renommierten Preis erhalten und sind sich seitdem freundschaftlich verbunden.

Die ehrenden Worte der Landräte Grabner und Steinmaßl und der Bürgermeister von Bad Reichenhall, Freilassing und Ainring brachte der scheidende Traunsteiner Landrat auf den Punkt: „Da Max Aicher is a Hund!“

Den Marathon an Lobreden und Unterhaltung steckte Max Aicher bestens weg, bereits am frühen Samstagmorgen feierte er in seiner Baufirma mit den Mitarbeitern und der Freilassinger Stadtkapelle weiter. Seinen anschließenden Besuch beim Eisspeedway in Inzell nutzten Sport und Gemeinde, um den Namensgeber ihrer Arena ebenfalls hochleben zu lassen.

Ohne jedes Anzeichen von Stress oder Ermüdung genoß Aicher das dichtgedrängte Programm über die Tage: „Hauptsach, i bleib gsund!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.


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