03.01.2014, 09:36 Uhr

Das Unterbewusstsein kennt die Lösung Mentaltraining im Alltag

Foto: twFoto: tw

Programme im Unterbewusstsein sind die Basis unseres Verhaltens.

BAD REICHENHALL Das Unterbewusstsein ist wie eine Festplatte“, sagt Michael Gründel aus Bad Reichenhall. Der ausgebildete Hypnotiseur erklärt im Gespräch mit dem Wochenblatt, dass mit Mentaltraining beziehungsweise Hypnose festgefahrene Programme im Unterbewusstsein und damit Verhaltensweisen geändert werden können.

Der Leistungssport macht es vor. Wir alle kennen die Fernsehbilder von Skifahrern, die vor dem Starthaus mit geschlossenen Augen und beiden Armen auf ihre Skistöcke gestützt Hände und Körper bewegen, als würden sie die Abfahrt mimen. Tun sie auch – und sind dabei in Gedanken auf der Piste. Indem sie sich in die konkrete Situation hineinversetzen und diese gedanklich erleben, trainieren und automatisieren sie die optimalen und idealen Bewegungsabläufe – was nachweislich zu besseren Ergebnissen führt. Und das, ohne das der Sportler tatsächlich selber den Berg hinunter fährt.

Automatisierte Abläufe im Unterbewusstsein

Was jetzt im Umkehrschluss natürlich nicht heißt, das der Sportler ohne dieses echte, körperliche Training auskommt. Er muss natürlich die Strecke kennen und hat dabei schon seine eigenen Erfahrungen gemacht. Aber mit Mentaltraining fügt er sozusagen eine weitere Trainingseinheit hinzu.

Warum funktioniert das? „Das hat mit dem Unterbewusstsein zu tun“, erklärt Michael Gründel. Dieses steuert automatisierte Abläufe, etwa Schreibmaschinenschreiben, Autofahren und so weiter. Was wir uns auf diese Weise antrainiert haben, müssen wir nicht mehr bewusst ausführen und über jeden einzelnen Schritt nachdenken, so wie es beim Erlernen der Fall ist.

Im konkreten Fall versetzen sich die Sportler in eine Art Trancezustand und speichern ihre gedanklichen Erfahrungen im Unterbewusstsein ab, verfestigen sie sozusagen weiter. Das geschieht in der Regel nicht erst vor dem Starthaus, sondern ist in vielen Fällen vorab schon Bestandteil des Trainings.

Muster ändern mit Mentaltraining

Was der Leistungssport für sich nutzt, funktioniert auch im Alltag. Gründel spricht von Hypnose, was nichts mit Showhypnose zu tun habe, bei der die Menschen auf Fingerschnippen den Kopf nach vorne fallen lassen und quasi „weg“ sind. „Das wäre für diesen Zweck auch nicht zielführend“, so Gründel.

Menschen versetzen sich oder lassen sich in diesen Zustand zwischen Wach und Schlaf versetzen, der je nach Mensch unterschiedlich ausgeprägt ausfällt. „Man bekommt trotzdem alles mit“, so Gründel.

Er zieht folgenden Vergleich heran: „Man sitzt im Kino, ist mittendrin im Film und bekommt ringsum nichts mehr mit. Sobald aber der Feueralarm ausbricht ist man sofort wieder da und kann das Kino verlassen.“

Ähnlich funktioniert die Hypnose. Durch die Hypnose oder das Mentaltraining können wir laut Gründel zum Beispiel eingefahrene Verhaltensmuster ändern, indem wir die alten Programme mit neuen Erfahrungen in Trance „überschreiben“. Das heißt, mit dieser Technik versetzen sich Menschen gedanklich in bestimmte Situationen, in der sie eingefahrenes Verhalten ändern wollen, zum Beispiel bei einer Prüfung, in Konfliktsituationen, beim Vorstellungsgespräch oder beim Griff zu Zigarette oder Süßem.

Im Gedanken cool, statt Angst haben

Nun gilt es sich gedanklich so zu verhalten, wie man es später tatsächlich tun möchte, etwa statt Angst und Schweißausbrüche zu haben, ganz cool zu reagieren. Auch Tiefenentspannung ist gezielt zu erreichen.

„Wenn ich mich auf einen Vortrag vorbereite, stelle ich mir vorher genau vor, wie ich vor den Leuten stehe und was ich sage beziehunsweise wie ich den Ablauf gerne haben möchte. Dann stehe ich später tatsächlich sicherer auf der Bühne“, sagt Gründel.

Er selbst ist seit seinem 16. Lebensjahr sportlich aktiv und interessierte sich von jeher für Meditation und Hypnose. Vor vier Jahren absolvierte er die Ausbildung zum Hypnotiseur, betreut Sportler, bietet Raucherentwöhnung an und hilft bei individuellen Problemen. „Faszinierend an der Hypnose ist, dass du Menschen helfen kannst, ihr persönliches Ziel zu erreichen, es gibt so viele Facetten“, erklärt er.

In der Regel wisse das Unterbewusstsein bei Problemen oder anderen Situationen, was die Lösung für Ihr Problem sein könnte. „Doch kommen die meisten Menschen heutzutage kaum noch so zur Ruhe, dass dies vom Unterbewussten ins Bewusstsein dringen kann.“

Dabei sollten Phasen der Tätigkeit auch immer ausreichend Phasen der Ruhe folgen. Doch jeder weiß, das selbst Familie und Freizeit einen oft nicht zur Ruhe kommen lassen. Umso hilfreicher kann es sein, sich eine Technik anzutrainieren, die sich regelmäßig abrufen lässt. Die einem hilft, abzuschalten und zu sich zu kommen oder eigene Reaktionen verbessern lässt.

Gründel dazu: „Das Unterbewusstsein nimmt sehr viele Reize auf, setzt sie mehr oder weniger um, sonst wäre ja jede Werbung überflüssig. Warum also diese Eigenschaft nicht nutzen und in eine Richtung lenken, die einem gut tut und hilft, sein eigens Ziel zu erreichen oder eine Lösung für sein Problem zu finden.“


0 Kommentare