23.10.2013, 08:55 Uhr

Besuch beim emeritierten Papst Ratschen mit dem Ex-Papst in Rom

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Davon werden sie wohl noch ihren Enkeln erzählen, die Musikanten der Blaskapelle St. Leonhard: Auf ihrer Reise nach Rom haben sie sich mit dem emeritierten Papst Benedikt getroffen und geratscht

TRAUNSTEIN / ROM Bei ihrem Aufenthalt in Rom aus Anlass des 20. Priesterjubiläums von Monsignore Thomas Frauenlob, der über viele Jahre hinweg in St. Leonhard regelmäßig zu Gast war und Gottesdienste abhielt, kam ein Treffen mit dem emeritierten Papst Benedikt zustande. Über eine Stunde lang hatten die St. Leonharder die Gelegenheit, mit ihm zu ratschen, ihm die Hand zu schütteln, sich einzeln bei ihm vorzustellen.

Hans Wembacher aus Waging hatte diese Begegnung eingefädelt. Nach einem Gang durch die Vatikanischen Gärten kamen die St. Leonharder zum neuen Domizil des ehemaligen Papstes Benedikt, wo sie vom Privatsekretär Georg Gänswein empfangen wurden. Die Musikanten der Blaskapelle spielten zum Gruß den Marsch „Mein Heimatland“. Da trat Benedikt aus der Tür und kam die Eingangsstufen herunter.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch einen sichtlich erholten und gut gelaunten emeritierten Papst Benedikt überreichte Sepp Eder den mitgebrachten Geschenkkorb. Mit großem Interesse wurde der Inhalt begutachtet. Besondere Freude bereitete dem emeritierten Papst die hausgemachte Quittenmarmelade von Hanni Greisberger. Kommentar: „Ich mag die besonders gerne, aber man bekommt die nirgendwo.“ Auch der Laib selbstgebackenes Bauernbrot, der heimische Käse und der „Leonharder Obstler“ aus der Brennerei Reinmiedl fanden große Aufmerksamkeit. Natürlich hatten die Musikanten neben dem Orgelwein – Nachfrage vom heiligen Vater: „Seit wann wird in St. Leonhard Wein angebaut?“ –einer Kerze vom Mühlberg und einem Kirchenführer auch das Heimatbuch der Gemeinde Wonneberg mitgebracht.

In ganz entspannter Atmosphäre erzählte der emeritierte Papst einige Geschichten, die ihn mit St. Leonhard verbinden. Nicht unerwähnt ließ er dabei, dass seine Primizschuhe in der Schusterei Tradler in St. Leonhard gefertigt wurden: Dem von dort stammenden „Kramer Martl“, der zudem ein Kriegskamerad von ihm war, solle man einen schönen Gruß ausrichten, gab der emeritierte Papst den Leonhardern mit auf den Weg. Völlig unerwartet wurden diese dann noch aufgefordert, sich einzeln vorzustellen. So kam es für alle Mitreisenden zu einem persönlichen Händedruck und Gespräch.

Besondere Courage zeigte Franz Tradler jun., der mit den Worten: „Dad‘n Sie mei Fahne unterschreib‘n“ den emeritierten Papst bat, die mitgebrachte Bayernfahne zu signieren. Mit einem freundlichen Lächeln wurde dieser Wunsch erfüllt. Nach einem weiteren Marsch der Blaskapelle wurde noch zusammen die Bayernhymne gesungen, ehe sich der emeritierte Papst nach einer Stunde mit einem Segen verabschiedete. Dieses außergewöhnliche Erlebnis fand in einem Gebet an der Nachbildung der Lourdes-Grotte in den Vatikanischen Gärten seinen Abschluss.

Eigentlicher Anlass der Reise nach Rom aber war das Priesterjubiläum von Thomas Frauenlob, der inzwischen Pfarrer in Berchtesgaden ist. Die Musikanten der Blaskapelle St. Leonhard gestalteten auf seinen Wunsch hin einen Dankgottesdienst mit einer Auswahl an Gotteslob-Liedern, ergänzt mit einigen Chorälen, darunter der wunderschöne „Choral Alpin“ und das Flügelhornstück „Fieberbrunner Weis“, hervorragend vorgetragen von Musikmeister Hans Greisberger und Franz Tradler jun.

Am 10. Oktober 1993 war Thomas Frauenlob in der Kirche Sant‘Ignazio in Rom zum Priester geweiht worden. Die Kirche ist traditionell der Weiheort der Studenten des Päpstlichen „Collegium Germanicum et Hungaricum“. Seine Primiz zelebrierte Thomas Frauenlob in Santo Stefano Rotondo, einer der ältesten Kirchen Roms, die auch Titelkirche von Kardinal Friedrich Wetter ist.

Und schließlich haben die St. Leonharder Musikanten auch an der Generalaudienz von Papst Franziskus teilgenommen, die sie an vorderster Stelle, in unmittelbarer Nähe zum Papst, erleben konnten. Die gut zweistündige Wartezeit bis zum Beginn der Audienz nutzten die Musikanten, um die Pilger aus aller Herren Länder mit flotter Blasmusik zu unterhalten. Es hatten sich weit mehr als hunderttausend Menschen auf dem Peterplatz eingefunden – „ein unglaublicher Anblick auf diesem herrlichen Platz vor der größten Kirche der Welt“, wie Sepp Eder schwärmt. Besonders beeindruckend war für die Besucher aus St. Leonhard auch die Präsenz und das Charisma von Papst Franziskus sowie seine ansteckende Freundlichkeit und Herzlichkeit.

Natürlich enthielt das Programm auch Besuche bei den bekanntesten Stationen von Rom und Umgebung: eine Stadtführung mit Thomas Frauenlob über die Engelsburg zur Piazza Navona und dem Pantheon, eine Besichtigung des Petersdoms mit Besteigung der Kuppel, eine Fahrt zur Basilika St. Paul vor den Mauern, zum Albaner See und nach Castel Gandolfo, dem Sommersitz des Papstes, sowie eine Einkehr im Weinort Frascati. Die Fahrt zurück in die Heimat wurde noch für eine Stärkung bei einem Weinbauern in Südtirol unterbrochen.


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