08.06.2012, 15:06 Uhr

Am 8. Juni ist Weltozeantag Ein Plädoyer zum Schutz der Ozeane

Ozeane sind unsere Lebensgrundlage, doch Überfischung, Verschmutzung und Klimawandel schädigen sie zunehmend. National Geographic Deutschland startet nun eine Initiative zur Gesundung der Meere.

ROSENHEIM / WELT Der Schutz der Weltmeere ist am Weltozeantag am 8. Juni auch am bayerischen Alpenrad ein zentrales Thema. Auf einer Pressekonferenz in Rosenheim erinnerten die Veranstalter der Ausstellung TIEFSEE im Lokschuppen und Wissenschaftler deutscher Meeresforschungsinstitute an die elementare Bedeutung gesunder Ozeane.

Die Zeitschrift NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND stellte ihre internationale Initiative für die Gesundung der Weltmeere vor.

Über 40 Wissenschaftler werden im Juli die Ursachen und Ausbreitung der sommerlichen Blaualgenblüte in der Ostsee untersuchen. Die Forschungsschiffe FS Meteor und FS Elisabeth Mann Borgese werden gemeinsam in der Ostsee unterwegs sein. Koordiniert wird dieser Einsatz vom Leibniz Institut für Ostseeforschung (IOW). Sie werden vor allem die sommerliche Ausbreitung stickstoffbindender Cyanobakterien untersuchen.

„Erstmals wird für den Zeitraum von vier Wochen der Verlauf dieser für die Ostsee typischen und ökologisch bedeutsamen sommerlichen Blaualgenblüte untersucht werden“, erläuterte Prof. Dr. Gregor Rehder vom Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. „Die Sommerblüte trägt wesentlich zum Sauerstoffmangel in der zentralen Ostsee bei. Algen sinken in großen Mengen in die Tiefe ab und werden unter Sauerstoffverbrauch mikrobiell abgebaut.“ Dichte „Teppiche“ der Algen werden zudem regelmäßig an die Küsten Schwedens getrieben und beeinflussen dort den Tourismus.

Mit einer internationalen Initiative will die Zeitschrift NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND die Menschen zum Handeln bewegen. „Die Ozeane sind unsere Lebensgrundlage, doch Überfischung, Verschmutzung und Klimawandel schädigen sie zunehmend“, erklärte Dr. Erwin Brunner, Moderator des Weltozeantages und Chefredakteur von NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND.

„Unser Ziel ist es, die Gesundheit und Produktivität der Meere wiederherzustellen, indem wir dafür sorgen, dass neue Schutzgebiete ausgewiesen werden und die Fischerei eingeschränkt wird. Deshalb hat die National Geographic Society eine weltweite Initiative gestartet – die ’OCEAN INITIATIVE’.“

Als NATIONAL GEOGRAPHIC „Explorer-in-Residence“ setzen sich unter anderem auch der Unterwasserforscher und Filmregisseur James Cameron sowie der renommierte Meeresbiologe Enric Sala für den Schutz der Meere ein. Mit Vorträgen und Familienworkshops machte das Ausstellungszentrum Lokschuppen einen Tag lang auf das Thema „TIEFSEE“ aufmerksam.

„Wir möchten unsere Besucher für den Lebensraum Tiefsee sensibilisieren und zeigen, dass der Schutz der Weltmeere nicht nur in Küstenstaaten ein Thema ist. Ozeane spielen eine wichtige Rolle für das Klima und sind deshalb auch hier am Alpenrand interessant“, sagte der Geschäftsführer der Veranstaltungs + Kongress GmbH Rosenheim, Peter Lutz.

In Vorträgen und Führungen lernten die Besucher die Vielfalt der Themen aus der Welt der Tiefsee kennen. So berichtete die Journalistin Brigitte Saar von ihrem Tauchgang zum Wrack der „Titanic“ in 3.800 Metern Tiefe. Der homöopathische Arzt Dr. Hans Eberle zeigte auf, dass es aus dem Meer sehr gute Arzneien für die erfolgreiche Behandlung von Krankheiten gibt. „Futter für die Fische!“ hieß es im Lokschuppen bei der Spezialführung „Artenvielfalt der Tiefsee“. Bei der Fütterung der Tiere in den drei Aquarien und erfuhren die Besucher, was zum Beispiel Krake „Rosi“ und die Seesterne essen.

Tintenfisch-Experte Dr. Daniel Oesterwind klärte in seiner „Familien-Uni“ über die Unterschiede zwischen Kalmaren und Kraken auf. Was viele nicht wissen: Kalmare, Kraken und andere Tintenfische gehören zu der Klasse der Cephalopoden, die gemeinsam mit Schnecken und Muscheln dem Tierstamm der Weichtiere (Mollusca) zugeordnet werden. „Der Name Tintenfisch ist somit irreführend und müsste eigentlich durch „Tintenschnecke“ ersetzt werden“, so der Experte vom Johann Heinrich von Thünen-Institut. Kraken wie „Krake Rosi“ in der TIEFSEE werden allgemein als intelligent bezeichnet.

Vieles gehört dazu in den Bereich der Legenden, doch bei einigen Krakenarten konnte intelligentes Verhalten nachgewiesen werden. „Biologen konnten vor der Küste Sulawesi beobachten, dass eine dort lebende Krakenart Kokosnusshälften sammelt, um sich danach zwischen den beiden Hälften zu verstecken“, so Oesterwind. „Dieses Verhalten kann als Gebrauch von Werkzeug, also in Zusammenhang mit einer gewissen Denkleistung, gedeutet werden. Es ist vielleicht auch ein Beleg für planendes, vorausschauendes Verhalten.“

Insgesamt konnte VKR-Geschäftsführer Peter Lutz schon vor Abschluss des Weltozeantages ein positives Fazit ziehen: „Das Thema TIEFSEE kommt auch hier in Bayern an. Unsere Ausstellung verzeichnet bisher fast 80.000 Besucher. Insgesamt erwarten wir 200.000 Gäste in der TIEFSEE.“


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