26.03.2012, 16:48 Uhr

Neuer Studiengang soll 2013 in Traunstein beginnen Große Chance für Homöopathie

Erstmals in ganz Europa soll ab 2013 in Traunstein ein eigenständiger Hochschul-Studiengang für Homöopathie angeboten werden. Der Träger, die Europäische Homöopathie Union, will der über 200 Jahre alten Heilweise damit mehr Anerkennung verschaffen.

TRAUNSTEIN Homöopathie hilft - nicht selten auch bei schwierigen oder scheinbar aussichtlosen Fällen. Davon ist Josef Graspeuntner überzeugt. Seit 22 Jahren betreibt er in Traunstein eine Praxis für klassische Homöpathie. Zusammen mit anderen Mitgliedern des regional organisierten Arbeitskreises für Homöopathie hat er die Erkenntnisse und den praktischen Nutzen dieses Therapiesystems in Vorträgen bereits breiten Bevölkerungsschichten nahegebracht. Das große Spektrum der Einsatzgebiete und Wirkweisen des von Samuel Hahnemann (1755-1843) vor mehr als 200 Jahren entwickelten Heilsystems veranschaulichten zudem die 2004, 2007 und 2010 in Traunstein veranstalteten, sehr gut besuchten Homöopathie-Tage. Graspeunter, der auch einen Qualitätszirkel für klassische Homöopathie leitet und ein privates Forschungsinstitut betreibt,  ist überzeugt: „Unsere Region ist ein Kompetenzzentrum für Homöopathie”.

Start im Sommersemester 2013

Durch Kontakte zu der in Freiburg im Breisgau ansässigen Europäischen Union für Homöopathie (E.U.H.) als Träger ist jetzt sogar ein ganz neuer Schritt im Chiemgau möglich: Die Einrichtung des ersten Hochschul-Studiengangs für Homöopathie. Er soll ab Sommersemester 2013 im neu sanierten Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales - dem früheren Annette-Kolb-Gymnasium - in Traunstein angeboten werden. Dort finden ab Sommer dieses Jahres unter anderem das Gesundheitsamt, die Krankenpflegeschulen der Kliniken Südostbayern AG, die Fachakademie für Sozialpädagogik des Diakonischen Werks und weitere Gesundheitseinrichtungen eine neue Heimat. Anlässlich der Unterzeichnung der Mietverträge stellten Vertreter der E.U.H. das Konzept des neuen Studiengangs Homöopathie vor kurzem im Kreisausschuss vor.

Urs Rentsch, Homöopath, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Kuratoriumsmitglied der E.U.H., machte deutlich, dass die E.U.H. als internationale Vereinigung von Ärzten, Heilpraktikern, Patienten und Förderern getragen wird. Ein wesentliches Ziel sei, der Homöopathie zur Anerkennung und zu einem eigenständigen Stellenwert im europäischen Gesundheitswesen zu verhelfen. Dies erfordere umgekehrt einen neuen Heilberuf mit standardisierten Ausbildungskriterien, der allein der Homöopathie verpflichtet ist.

Der Studiengang in Traunstein sei auf fünf Jahre angelegt. Nach drei Jahren kann ein Bachelor-Abschluss („Bachelor of Science”) erreicht werden kann, der solides medizinisches Basiswissen und eine homöopathische Grundausbildung umfasst.  In der Fortführung bis zum geplanten Masterabschluss mit Kolloquium sind klinische Praxis und eine Ambulanztätigkeit in einer homöpathischen Praxis samt Supervision angedacht. Der Studiengang soll auch die Befähigung zur Heilpraktikerprüfung umfassen, die in Deutschland neben der ärztlichen Approbation Voraussetzung für die Praxistätigkeit ist.

Zulassung in Zusammenarbeit mit der Steinbeis-Hochschule Berlin

Ein wesentliches Ziel der Ausbildung sei, so Rentsch, die homöopathisch-medizinische Grundversorgung der Bevölkerung anbieten zu können. Rentsch drückte seine Freude darüber aus, dass die Homöopathie in Traunstein auf so große Offenheit stoße. Derzeit laufe die Zulassung als Studiengang in Zusammenarbeit mit der Steinbeis-Hochschule in Berlin. Dr. Lothar Seissiger sagte im Kreisausschuss, dass es bereits jetzt ein „angenehmes Arbeiten mit den Homöopathen vor Ort” gebe. Es sei wünschenswert, wenn die Homöopathie „auf wissenschaftliche Füße” gestellt werde. Karl Kaditzky begrüßte „ein weiteres Standbein für das Konzept unserer medizinischen Versorgung”. Landrat Hermann Steinmaßl verwies darauf, dass es in Essen und Hamburg bereits Kliniken gebe, „in denen Homöopathie parallel mit Kassenfinanzierung” angeboten werde.

Im Gespräch mit dem sagte Rupert Übelherr, Leiter des Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Kliniken Südostbayern AG, dass im Rahmen der Zusammenarbeit aktuell über ein Basispraktikum im Pflegebereich für die Studenten des neuen Homoöpathie-Studiengangs diskutiert werde. Für klinische Studien sei derzeit keine Kooperation vorgesehen. „Da Patienten etwa im Bereich Onkologie oder im Brustzentrum gute Vorerfahrungen mit alternativmedizinischen Angeboten wie der Homöopathie gemacht haben, ist es denkbar, dass es in einzelnen Bereichen unserer Kliniken auch von ärztlicher Seite her Raum für eine Zusammenarbeit geben könnte.”Wochenblatt

Wie das weiter erfuhr, wäre für die E.U.H. auch der Aufbau einer homöopathischen Ambulanz wünschenswert. Dort könnten Studenten unter Supervision erfahrener Homöopathen Patienten behandeln. Denkbar wäre dies etwa in Zusammenarbeit mit dem Kompetenz-Zentrum Homöopathie bzw. dem Homöopathie-Haus in Traunstein sowie in der Region niedergelassenen Homöopathen. Nach Abschluss der Vorarbeiten sollen im Sommer konkretere Details des neuen Hochschulstudiengangs Homöopathie vorgestellt werden. Das Interesse ist bereits jetzt groß, wie Rückmeldungen, etwa bei Josef Graspeuntner, zeigen.Wochenblatt


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