22.04.2017, 10:33 Uhr

Wegen Wintereinbruchs: Todessturz in den Königssee

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Eine 53-jährige Münchnerin stürzte auf einer Abkürzung und rutsche schwerverletzt in den eiskalten Königsee ab. Sie konnte nur noch tot geborgen werden ...

SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE Der erneute, späte Wintereinbruch mit unerwartet viel Schneefall hat nun am Königssee ein Todesopfer gefordert: Eine 53-jährige Wanderin aus München wollte am Freitagmittag von der Halbinsel Sankt Bartholomä aus zum Funtensee wandern, rutschte im unteren Teil des Steigs bei einem Abkürzer aus, stürzte durch eine steile Rinne über den Weg hinweg ab und fiel in den Königssee. Das Rettungsteam der Bergwacht, der Wasserwacht und des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ konnte nichts mehr für die Verunfallte tun und sie nur noch tot aus dem Wasser bergen.

Die 53-Jährige war in Schönau am Königssee zum Urlaub und fuhr mit einem Boot der Seenschifffahrt nach Sankt Bartholomä. Von dort aus wanderte sie auf dem gekennzeichneten Weg oberhalb des Königssee-Westufers zum Funtensee. Bei den ersten Serpentinen im unteren Bereich des Steigs noch vor dem Schrainbach benutze sie einen Abkürzer, um sich weitere Kehren zu ersparen.

Trotz gutem Schuhwerk verlor sie in dem steilen, zum Teil noch schneebedeckten und mit nassem Laub bedeckten Steilgelände den Halt und stürzte daraufhin 70 bis 80 Höhenmeter durch eine steile Rinne bis in den Königssee ab. Ein Urlauberpaar beobachtete den Unfall aus rund 50 Metern Entfernung und sah die Frau mit hoher Geschwindigkeit über den Weg hinweg hinabfallen.

Die beiden setzten dann um 13.25 Uhr einen Notruf bei der Leitstelle Traunstein ab, die sofort die Bergwacht Berchtesgaden und den Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ losschickte. Da anfangs die Unglücksstelle nicht ganz klar war, forderte der Bergwacht-Einsatzleiter zur Suche vom See aus auch die BRK-Wasserwacht mit ihrem Rettungsboot nach, mit dem dann der Hubschrauber-Notarzt, ein Polizeibergführer und weitere Bergretter in Richtung Eisbach-Einmündung befördert wurden.

„Christoph 14“ entdeckte die Frau dann beim Suchflug leblos rund zehn Meter vom Ufer entfernt im Wasser treibend. Wasserretter zogen sie ins Boot, wo der Arzt aber nur noch den Tod feststellen konnte. Die Urlauberin war nicht ertrunken, aber hatte sich bei dem Absturz durch die Steilrinne schwere Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen und einen Genickbruch zugezogen.

Die BRK-Wasserwacht fuhr die Verstorbene per Boot zur Seelände und übergab sie an ein Bestattungsunternehmen. Währenddessen versuchte die Bergwacht im Steig mögliche Begleiter der Verunfallten zu finden, wobei sich rasch herausstellte, dass sie allein unterwegs gewesen war.

Zur Betreuung der Unfallzeugen wurde der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht nachgefordert. Ein Bergführer der Berchtesgadener Polizei und der neue Dienststellenleiter nahmen die Ermittlungen zum Unfallhergang auf.

„Ende April sind bereits viele Urlauber im Landkreis, die in den Bergen wandern gehen wollten, von der kalten Witterung überrascht wurden, dann aber trotzdem losstarten. Der erneute, späte Wintereinbruch mit unerwartet viel Schnee freut zwar viele Skitourengeher und ermöglicht nochmals Abfahrten bis ins Tal, konfrontiert aber bereits auf den Sommer eingestellte Bergsteiger mit Schwierigkeiten und Gefahren, denen sie sonst nicht ausgesetzt sind und mit denen sie wenig oder gar keine Erfahrung haben; es ist rutschig, es drohen Lawinen und Steinschlag und der teilweise tiefe Schnee fordert wesentlich mehr Kondition und zusätzliche Kleidung“, warnt BRK-Pressesprecher Markus Leitner.

Erst am Donnerstag musste die Bergwacht einen völlig erschöpften 22-jährigen Urlauber vom Zwiesel bei Bad Reichenhall retten, der bei rund einem dreiviertel Meter Neuschnee und erheblicher Lawinengefahr bis ans Ende seiner Kräfte zu Fuß zur Alm gespurt hatte und dort dann zusammengebrochen war.


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