18.04.2017, 13:39 Uhr

Infos zu "Legal Highs": Der Tod kommt mit legalen Drogen

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Legale Drogen aus dem Internet: Sie werden zum Beispiel als Badesalz oder Kräutermischung verkauft, wirken aber bis zu acht Mal stärker als Morphium ...

BAYERN Vier Menschen aus unserer Region sind im Jahr 2016 nach dem Gebrauch von sogenannten „Legal Highs“, also „legalen Drogen“ gestorben. Deutschlandweit sind sogar 39 Konsumenten den Wirkstoffen der frei verkäuflichen Substanzen erlegen.

Was es genau mit den „Räuchermischungen“ auf sich hat und wie gefährlich sie wirklich sind, das erklärt Kriminalhauptkommissar Helmut Mörtl, stellv. Leiter K 4 der Kriminalpolizei Traunstein:

Was sind Legal Highs?

Bei Legal Highs handelt es sich zum Teil um Kräutermischungen, die mit chemischen, psychoaktiven Substanzen versetzt sind und missbräuchlich zu berauschenden bzw. stimulierenden Zwecken konsumiert werden. Aus polizeilicher Sicht gehören zu „Legal Highs“ Kräutermischungen, so genannte „Badesalze“ (alternativ: Pflanzendünger und andere und Research Chemicals, also Forschungschemikalien). Die Kräutermischungen werden in fragwürdigen „Laboren“, oft in China, hergestellt. Dabei werden größere Mengen trockener Kräuter beispielsweise in Betonmischmaschinen gerührt und zerkleinert und anschließend mit unterschiedlichen chemischen Substanzen, meist synthetischen Cannabinoiden, feucht besprüht.

Abgepackt werden diese Mischungen in der Regel in Kleinstpackungen von 1 bis 3 Gramm. Hierbei gelangt in manche Packungen keine, in andere dagegen sehr viel von der chemischen Substanz. So ergab eine chemische Untersuchung von drei identischen und im selben Paket versandten Packungen Kräutermischungen, dass in zweien keinerlei Wirkstoff (synthetische Cannabinoiden) vorhanden war, in der dritten dagegen waren Wirkstoffe vorhanden. Zum anderen Teil gibt es noch eine Vielzahl von rein chemischen Substanzen, die in Pulverform oder flüssig in den Handel kommen. Diese Substanzen sind oft schon seit längerem bekannt, werden aber erst seit kurzem als Rauschmittelersatz benutzt. Alle diese Substanzen werden von den Anbietern verharmlost und als Lufterfrischer oder Badesalze verkauft. In der Regel „warnt“ der Anbieter auch vor dem Genuss der Substanzen durch den Erwerber.

Da die Preise bei den Kräutermischungen bei etwa 15 Euro pro Gramm liegen und noch hohe Versandkosten dazukommen, muss aber jedem bewusst sein, dass die Substanzen eben nicht wie bezeichnet Verwendung finden, sondern mittels Rauchen, Schnupfen, oder oraler Einnahme konsumiert werden. Die Legal Highs sind für viele Konsumenten Ersatz für verbotene Drogen, erzielen aber sogar eine höhere Wirkung als zum Beispiel Marihuana.

Wie gefährlich sind diese Stimulanzien? Welche gesundheitlichen Probleme können auftauchen?

Die Substanzen werden stark verharmlost. Da auch die Inhaltsmenge der chemischen Bestandteile einer Kräutermischung stark unterschiedlich sein können, sind diese vom Verbraucher vor dem Konsum nicht einzuschätzen. Vielen Anwendern fehlt auch die Erfahrung zur Verwendung dieser Substanzen und somit werden diese falsch dosiert. Es kann eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen auftreten. Dies reicht von einfacher Übelkeit mit Erbrechen, Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Wahnvorstellungen, Angstzuständen, Verfolgungswahn, Schlafstörungen, Ohnmacht oder eben sogar Todesfällen.

Warum sind diese Stoffe trotz ihrer offensichtlichen Gefährlichkeit nicht verboten?

Verbote kann nur der Gesetzgeber mittels Gesetz oder Verordnung anordnen. Drogen und sonstige Substanzen sind erst illegal, wenn sie genau definiert sind und in den jeweiligen Gesetzen oder Anlagen dazu aufgenommen wurden. Die verbotenen chemischen Substanzen werden von den Herstellern in ihrer chemischen Struktur abgewandelt und stellen somit eine neue Substanz dar, die eben wieder nicht verboten ist. Eine Gesetzesänderung oder die Aufnahme in einer der Anlagen zum Gesetz dauert einige Zeit. Hier würde eindeutig nur ein gesamtes Stoffgruppenverbot greifen.

Wer kauft diese Art von Drogen und warum?

Die Legal Highs werden oft von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen gekauft, die damit mehr oder weniger herumexperimentieren. Durch die Behauptungen der Anbieter, dass ihre Stoffe legal seien, wollen sich die Käufer eben nicht strafbar machen. Auch einige ehemalige Betäubungsmittel-Konsumenten steigen aus Angst vor einer erneuten Strafe auf solche legale Substanzen um. Eine andere Käuferschicht weiß wohl um die zum Teil qualitativ hochwertigen chemischen Substanzen, die im Vergleich zu bekannten herkömmlichen Drogen in ihrer Wirksamkeit oft höher sind. Eine gute und schier nicht enden wollende Menge von diesen Stoffen ist zu allen Zeiten per Internet bequem zu bestellen. Man muss sich hier auch nicht in eine Abhängigkeit wie bei einem Dealer begeben.

Was fällt in der Praxis zu diesem Thema auf?

Es fällt auf, dass sich die Arten und Mengen der Substanzen in den letzten zehn Jahren von fast null auf eine erhebliche Menge ausgeweitet haben. Legale „Drogen“ werden aber nicht statistisch erfasst, sodass keine verlässlichen Zahlen dazu vorhanden sind. Im Jahr 2016 gab es im Bereich der Kriminalinspektion Traunstein (Landkreise TS und BGL) allein drei Todesfälle junger Menschen, die eindeutig der Substanz U47700 zugerechnet werden können. U47700 ist ein Stoff aus der Gruppe der Opioide mit einer siebeneinhalbfach höheren Potenz als Morphin.


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