07.04.2017, 12:33 Uhr

Jedes Tier hat seine Würde: Jahreshauptversammlung des Tierschutzverein Traunstein

Foto: Günter ButhkeFoto: Günter Buthke

Rechenschaft über die Tätigkeit des Vereins und über das Geschehen in seinem Tierheim in Trenkmoos legte der Tierschutzverein Traunstein und Umgebung bei seiner Jahreshauptversammlung im Sailer-Keller ab.

TRAUNSTEIN Oberbürgermeister Christian Kegel unterstützte die segensreiche Arbeit des Tierschutzvereins mit der Feststellung: „Das Tier ist ein Lebewesen, das seine eigene Würde hat.“

Mit Blick auf das Tierheim sagte Kegel, für ihn sei es völlig unverständlich, dass man solche Einrichtungen brauche, nur weil es Menschen gebe, die ihre Tiere einfach aussetzten. Andererseits sei das Tierheim ein absoluter Segen, wenn Tiere ausgesetzt würden oder Menschen aufgrund ihres Alter nicht mehr in der Lage seien, ihr Tier weiterhin zu versorgen. „Der Tierschutzverein ist das Gewissen der Tiere in unserer Stadt“, betonte das Stadtoberhaupt. Traunstein sei deshalb stolz auf den Tierschutzverein und sein Tierheim. Dem Verein wünschte er, dass er weiterhin die finanzielle Unterstützung von der Bevölkerung bekomme.

Die Vorsitzende Elisabeth Tikal bezeichnete der Mitgliederstand mit 916 als zufriedenstellend. Im vergangenen Jahr seien 34 Abgängen (Austritte und Sterbefälle) 18 Zugänge gegenüber gestanden. Der Verein wolle diesem Abwärtstrend entgegen treten und fleißig Werbung machen, so Tikal. Sie lobte die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Tierheim und mit Ingrid Dietl von der Katzenobhut Baumburg als Außenstelle im nördlichen Landkreis.

Im vergangenen Jahr sei das neue Hundehaus mit Freilauf und Sichtschutz fertig gestellt und eingeweiht worden, nachdem das alte Hundehaus in die Jahre gekommen sei. Nun brauche man noch einen Schallschutz im Innenraum. Für Bäume, Sträucher und Hundehütten im Freilauf habe der Verein beim Tag der offenen Tür Spenden gesammelt. Nun stehe die Erweiterung des Katzenfreilaufs an. Sorgenkind sei die Quarantäne, die nicht mehr auf dem neuesten Stand sei. Sie sei das nächste Projekt, wenn wieder Geld da sei.

Der Tag der offenen Tür sei wieder ein großer Erfolg gewesen. Geboten habe man Essen und Trinken, Flohmarkt, Bücherflohmarkt, Informationsstand, Kindermalen und Kinderschminken. Einnahmen seien wiederum beim Stand auf dem Traunsteiner Christkindlmarkt erzielt worden. Für Spender und Gönner habe der Verein einen Adventsnachmittag mit einer Führung durch das Hundehaus organisiert.

„Wir suchen immer Helfer und Mitarbeiter im Beirat“, meinte Tikal. Gesucht werden Personen, die für den Stand auf dem Christkindlmarkt backen und basteln oder dort verkaufen. Helfer für die Flohmarkt und Bücherflohmarkt und Kuchenspender beim Tag der offenen Tür sind stets willkommen.

Zudem werden Gartenarbeiter und Spendensammler gebraucht.

Zusammen mit der 2. Vorsitzenden Helga Steiner ehrte Tikal die Mitglieder Doris Baumgartner aus Ruhpolding, Maria Dörfler aus Siegsdorf, Klara Franz aus Traunstein, Lieselotte Heller aus Kirchanschöring, Franz Kriz aus Traunreut und Sabine Schicker aus Traunreut für 25 Jahre Treue zum Verein. Seit 50 Jahren ist Sigrid Rupprecht-Tischler aus Treuchtlingen (früher Bergen) dabei. Sie konnte leider nicht kommen.

Tierheimleiterin Anna Obermeier wies auf die Verantwortungslosigkeit derjenigen hin, die ihre Tiere einfach aussetzen. Trotzdem könne man sich glücklich schätzen, dass in unserem Gebiet nur sehr wenige Tiere ausgesetzt würden. Sie sprach sich deshalb für eine bundesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für bestimmte Haustierarten aus, die in solchen Fällen zu einer schnellen Aufklärung erheblich beitragen könnte. Dies könne durch einen Chip oder eine Tätowierung geschehen. „Eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht würde uns auch beim Thema Fundtiere entgegen kommen“, so Obermeier. Zahlreiche Tiere blieben im Tierheim Trenkmoos, ohne dass sich ihr Besitzer je melde und das Tierheim ihn ausfindig machen könne. 2015 und 2016 seien von insgesamt 515 Fundtieren lediglich 86, also nicht einmal ein Fünftel, abgeholt worden. Um dieser Entwicklung entgegen zu arbeiten, poste das Tierheim jetzt über seine Facebook-Seite Bilder der abgegebenen Fundtiere, in der Hoffnung, dass sich diese über die sozialen Medien schneller verbreiteten und die Tiere so rascher wieder in ihr altes Zuhause zurück kämen.

Im Spätherbst steige die Zahl der abgegebenen Katzen an. „Eine generelle Kastrationspflicht gibt es leider noch nicht“, bedauerte Obermeier, die zugleich die Hoffnung aussprach, dass man diesbezüglich einen guten Schritt voran komme.

Im Tierheim wurden 2016 191 Katzen, 29 Hunde, 62 Kleinsäuger, zehn Vögel und vier Reptilien als Fundtiere abgegeben. Von den 296 Fundtieren wurden lediglich 40 von ihren Besitzern wieder abgeholt. Von den 255 dem Tierheim übereigneten Tieren konnten 209 wieder an Tierfreunde abgegeben werden. Ferner wurden 149 Tiere vermittelt, die gar nicht erst ins Tierheim kamen. Die Anzahl der vermittelten und abgegebenen Tiere betrug 2016 damit insgesamt 358. Am Jahresende 2016 setzte sich der Tierbestand im Tierheim von 91 Tieren aus 37 Katzen, sechs Hunden, sieben Kleinsäugern, 37 Vögel und vier Reptilien zusammen.

Neben den Spendern galt der Dank von Schatzmeister Herbert Steiner den 27 von 35 Kommunen des Landkreises, die sich für weitere fünf Jahre für die jährliche Pauschale von 50 Cent je Einwohner bei der Fundtierabrechnung entschieden haben. Mit sechs Gemeinden hat der Tierschutzverein Einzelabrechnung vereinbart. Eine Gemeinde hat eine Vereinbarung mit einer anderen Tierschutzorganisation geschlossen. Die Stadt Tittmoning bezuschusst sowohl das Traunsteiner Tierheim als auch das Tierheim Burghausen. Die Zuschüsse der Städte und Gemeinden belaufen sich auf knapp 68.000 Euro.

Aus Spenden und Sammlungen erhielt der Verein 2016, ähnlich wie im Jahr zuvor, rund 119.000 Euro. Das Beitragaufkommen betrug ca. 27.000 Euro. Kleinere Erbschaften brachten 34.000 Euro in die Kasse. Wegen der Bautätigkeit war die Mehrwertsteuerrückerstattung mit 53.000 Euro außerordentlich hoch. Die festen Einnahmen, mit denen der Vereins rechnen könne, seien allerdings nur die Mitgliedsbeiträge und die Zuschüsse der Kommunen, betonte Steiner. Allen anderen Einnahmen würden sich von Jahr zu Jahr ändern. Den Ausgaben von rund 405.000 Euro standen im abgelaufenen Jahr 375.000 Euro an Einnahmen gegenüber.

Nachdem Rechnungsprüfer Günther Schmid der Versammlung erklärt hatte, dass er alle Unterlagen vollständig und übersichtlich vorgefunden habe, alles sachgerecht verbucht worden sei und die Verwendung der Mittel im Einklang mit der Satzung stehe, erteilten die Mitglieder dem Schatzmeister einstimmig die Entlastung.

Über die Aktivitäten der Jugendgruppe berichtete deren Leiterin Kathrin Hierstetter. Die Jugendgruppe trifft sich einmal im Monat und greift dabei verschiedene Themen aus wie zum Beispiel Aquarium, Vergleich „vegan/vegetarisch“, Nistkastenbau oder Kleintiere.

Ein Ausflug führte zum Gut Aiderbichl, ein anderer zu einem Straußenhof in Schnaitsee. Für den Verkauf am Christkindlmarkt wurde Vogelfutter gemischt und gebastelt.

Vorgestellt wurde das Buch „Fell – Feder – Herz“ von Evelyne Heimburg mit Tiergeschichten von 25 Autoren aus dem Chiemgau. Mit diesem Buch will sie den Tierschutz unterstützen. Darum geht der Verkaufserlös abzüglich der Druckkosten an das Tierheim in Trenkmoos.


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