14.03.2011, 19:42 Uhr

500 Teilnehmer bei der Anti-Atom-Mahnwache am Montag in Traunstein Klares Signal gegen die Atomkraft

Großen Zuspruch aus dem ganzen Landkreis fand der am Wochenende gestartete Aufruf zur Teilnahme an einer Anti-Atom-Mahnwache in Traunstein. Betroffen von den Katastrophen-Bildern aus Japan, forderten rund 500 Teilnehmer auf Transparenten, Schildern und Infotafeln auf dem Traunsteiner Stadtplatz ein Ende der Atomenergie und machten auf Sicherheitsmängel aufmerksam. Immer wieder wurde der Ausruf: „Abschalten!” von der Menge skandiert.

TRAUNSTEIN Eine Vielzahl von Initiativen aus dem Chiemgau hatte per Email und über Facebook-Aktionen zur Teilnahme an der Aktion aufgerufen: Die Greenpeace Gruppe Chiemgau, das Forum Besorgter Bürger E.V. , der ÖDP-Kreisverband Traunstein, die SPD-Kreisgruppe Traunstein, die Grünen-Kreisgruppe Traunstein, die Gruppe attac-Rupertiwinkel, die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Traunstein, der Umweltverband Alztal und andere.

„Es ist dringend notwenig, ein Zeichen zu setzen und Zivilcourage zu zeigen, damit wir die Zukunft unseres Planeten erhalten”, erklärte zum Beispiel Geschäftsmann Alexander Jäger von Frau Wolles Naturhaus in Traunstein. „Es ist höchste Zeit für den Ausstieg aus der Atomenergie.” Christiane Niedergünzel ist samt ihren drei Kindern und den Enkeln nach Traunstein gekommen, um friedlich zu demonstrieren. „Ich habe als junge Frau Tschernobyl und die schlimmen Folgen und Ängste miterlebt. Das ist jetzt 25 Jahre her, aber sicherheitstechnisch hat sich rein gar nichts geändert. Im Gegenteil: Viele Reaktoren sind jetzt nur noch älter. Was in Japan passiert und die Folgen daraus für die ganze Welt, das lässt sich noch gar nicht abschätzen. Es geht um Nachhaltigkeit, schon aus Rücksicht auf die Kinder. Mit einer Energie wie der Kernkraft, die ein so hohes Risiko birgt, dürfen wir nicht so leichtfertig umgehen.” 

Franz Angerer, Künstler aus Inzell: „Atomkraft ist eigentlich die dümmste Art, Wasser zum Kochen zu bringen und damit Energie zu erzeugen: Das haben schon weitaus klügere Leute erkannt. Mit der Förderung und dem Ausbau regenerativer Energien und dem geplanten Atomausstieg wären wir ja bereits auf einem guten Weg gewesen, aber der grobe Unfug hatte politisch Vorrang. Was mit dem ganzen Atommüll passieren soll, können uns bisher weder Politiker noch Wissenschaftler sagen. Was uns das Genick bricht, ist dieser maßlose Energiehunger, der endlich einem Umdenken weichen muss, sonst ist die Zukunft der Menscheit auf diesem Planeten fraglich. Die Bilder aus Japan sind unfassbar und muten fast surreal an, weil sie nicht aus einem Endzeit-Thriller stammen, sondern diesmal echt sind.” Hocherfreut über die engagierte Teilnahme vieler Bürger ist Edmund Halletz von der Greenpeace-Kreisgruppe Traunstein: „Es ist höchste Zeit, dass die Bürger der Politik in Sachen Atomkraft die rote Karte zeigen. Bundesweit gehen heute die Leute auf die Straße. Die zahlreiche Teilnahme und die vielen Kinder zeigen, dass das Thema die Menschen nicht kalt lässt.”

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler erklärte in einer Pressemitteilung: „Die heutige Mahnwache zum Atomausstieg auf dem Traunsteiner Stadtplatz unterstütze ich aus vollem Herzen, auch wenn ich persönlich leider nicht dabei sein kann. Unser tiefes Mitgefühl gehört heute den Menschen in Japan, die von drei unglaublichen Schicksalsschlägen getroffen wurden. Neben den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis bangt Japan jetzt vor weiteren dramatischen Ereignissen rund um die dortigen Atomkraftwerke.

Eins wird in diesen Tagen der ganzen Welt klar: Atomkraft ist nicht beherrschbar. Auch ohne Erdbeben oder Tsunamis gibt es bei uns in Bayern keine garantierte Sicherheit vor einer Katastrophe, wie wir sie derzeit in Japan erleben. Die Atomenergie ist und bleibt eine Gefahr für die Menschen. Und diese Gefahr ist umso größer, je älter und unsicherer die Kraftwerke sind.  Isar 1 zum Beispiel gehört zu den Siedewasserreaktoren der Baulinie 69, dem ältesten noch betriebenen Reaktortyp in Deutschland. Diese Baulinie weist deutliche Sicherheitsdefizite gegenüber den neueren Reaktortypen auf und ist für eine besondere Häufung von Störfällen bekannt. Deshalb hätte Isar 1 auch nach dem rot-grünen Atomkonsens dieses Jahr abgeschaltet werden müssen. Was muss denn noch passieren, bis die schwarz-gelbe Regierung endlich versteht, dass Hochrisiko-Kraftwerke bei uns keine Zukunft haben dürfen? Aus meiner Sicht gibt es nur eine Antwort: Fangt an, abzuschalten! Jetzt!”


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