21.08.2014, 08:39 Uhr

Ohne Handy ist es erst Urlaub

Foto: Rainer AuerFoto: Rainer Auer

Ständig online sein

Die schönste Zeit des Jahres – der Urlaub in den großen Ferien. Egal wohin es auch geht, nur nach Österreich, auf die Malediven oder gar nach Neuseeland oder sonst wo hin – immer dabei ist bei den meisten das Handy, das ja heute im Grunde mehr ein Computer, ein Fotoapparat, eine Videokamera, ein Datenspeicher, das Tor zum Internet und, manche der Jungen wissen das gar nicht mehr, auch ein Telefon ist.

Smartphone, schimpft die Branche diese geniale Erfindung – doch smart ist in diesem Zusammenhang wohl kaum noch etwas. Ich kann mich noch an Italienurlaube, vor vielen Jahren, erinnern, da klingelte am Strand ständig irgend so ein, damals noch klobiges, Ding und die Italiener schnatterten wie wild durcheinander in diese Knochen, die sie sich ans Ohr hielten. Das sieht man heute kaum mehr, vielmehr sitzen, stehen, liegen die Urlauber statt mit einem Pina Colada in der einen und einem Buch in der anderen Hand mit beiden Händen eben an einem Smartphone am Strand. Nichts scheint heute im täglichen Leben, also auch im Urlaub, präsenter als dieser Segen moderner Technik, der manchmal auch zum Fluch werden kann.

Wer kennt sie nicht, diese Ausreden; „muss nur mal kurz die Mails checken“ oder „nur schnell ein Bild hochladen“. Als ginge die Welt unter ohne die Spams über Penisverlängerung und die blauen Pillen. Sicher, die „Freunde“ auf Facebook können bestimmt nicht auf die verwackelten Bilder des abendlichen Buffets oder der schreienden Kinder verzichten und warten ohne Zweifel schon den ganzen Tag auf eben diese Bilder aus dem fernen Urlaubsort.

Und erst diese ewigen Knipsereien mit dem Handy, am besten noch am ausgestreckten Arm und das Smartphone auf einen selbst gerichtet. Selfies nennt man das heute und ist wohl die narzisstischste Unsitte, die das Smartphone der Welt beschert hat. Bei manchen dieser Zeitgenossen, die so bewaffnet die Touristenmeilen der Welt bevölkern, möchte man glauben, die Sehenswürdigkeiten, die sie besucht haben, werden sie wohl erst in ihren Online-Bildersammlungen betrachten können und sich ärgern, dass sie selbst es sind, die die Sicht auf den schiefen Turm von Pisa oder das Taj Mahal einschränken. Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, beim nächsten Urlaub, der schon bald ansteht, das Ding zwar mitzunehmen, aber eben nur selten bis gar nicht damit online zu gehen.

Das hat viele Vorteile, wie ich meine. Man spricht mehr mit dem Partner, man muss keine Angst haben, dass das Ding gestohlen oder feucht wird und man spart so ganz nebenbei auch noch eine Menge Geld, denn ganz so billig, wie es einem die Betreiber gerne verkaufen, ist der Spaß des ständigen Onlineseins auch nicht. Bei manch einem kann da schon ein weiterer Urlaub dabei rausspringen. Außerdem spare ich mir den Ärger mit den vielen Mails, die meist ja ohnehin nicht wichtig sind und nur Zeit und Nerven kosten – ohne diesen Stress wird es erst richtig „Urlaub“.


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