26.08.2013, 21:31 Uhr

Tourismus Die Weißwurst bekommt bei Zwiesel einen neuen Äquator

Foto: Rainer AuerFoto: Rainer Auer

Zwiesel wird um eine touristische Attraktion reicher – es geht dabei schlicht um die Wurst.

ZWIESEL Bei Touristen war Zwiesel ja schon immer sehr beliebt. Sei es das Glas oder der Nationalpark, der die Leute von überall in die Bayerwald-Stadt lockte. Schon bald wird Zwiesel mit einer weiteren Attraktion um die Gunst der Gäste buhlen können. Nach der Wahl der ersten Weißwurstkönigin am Sonntag, 6. Oktober, wird am Naturparkhaus Zwiesel eine Weltkugel mit einer Weißwurst als Zeichen für den 49. Breitengrad enthüllt, der genau an einem Stein verläuft und nun zum Weißwurstäquator wird. Bertl vo Zwiesl, alias Albert Fritz, hat die Skulptur bei einem Schlosser in Zwiesel in Auftrag gegeben, die diesem Breitengrad eine völlig neue Bedeutung gibt. Jetzt könnten manche unken, ups, dann gibt es in Regen noch eine Weißwurst und in Zwiesel, weil ein Stück weit nördlicher, schon die Bratwurst?

Weit gefehlt, schließlich ist das nur der Beginn des 49. Breitengrades, der sich noch 111 Kilometer nach Norden erstreckt, ehe er zum 50. wird. Albert Fritz sieht diese Linie als eine fließende „Kulturgrenze“, die niemanden ausgrenzen will, im Gegenteil. Auch Robert Kürzinger, Leiter der Touristinfo Zwiesel ist die Bedeutung dieser Linie alles andere als wurscht. „Warum sollten wir damit nicht werben, schließlich ist die Weißwurst eine bayerische Spezialität, die weit über die Grenzen von Bayern hinaus sehr beliebt ist“.

Der neue Schutzwall für die Weißwurst

Über den Weißwurstäquator wurde in der Vergangenheit viel spekuliert. Die einen sahen ihn in der Donaulinie, diese schließt allerdings Teile Niederbayerns, Oberbayerns und der Oberpfalz aus, was im Grunde genommen, so Fritz, „Unsinn ist“. Angeblich hat eine gewisse Emilie Müller, eine Politikerin, in einem Festakt, so Fritz, den sogenannten Donau-Weißwurstäquator als „Symbol der Abgrenzung von allen nördlich davon lebenden, feindlichen Preußen“ bezeichnet. „Damit spricht sie allen nördlich und östlich der Donau lebenden Bayern jeglichen Weißwurstverstand ab. Gott sei Dank muss man Politiker nicht immer ernst nehmen“, so der glühende Verfechter der Weißwurst, Fritz.

Auch die viel zitierte Mainlinie kommt für Fritz nicht mehr in Frage, „das liegt im tiefsten Franken, dort werden ,Wörschdla‘ gegessen“. Bleibt noch der 100 Kilometer-Radius um die Landeshauptstadt, doch darin sehen viele nur die großstädtische Arroganz und lehnen diese Demarkationslinie vehement ab. Für viele Genießer der Königin im Wurstrevier gibt es darum nur einen Weißwurst „Schutzwall“. Und dies ist nun einmal der 49. Breitengrad. Dieser verläuft auf der Linie Beilngries, Regensburg, St. Englmar, Zwiesel. Dieser Breitengrad wird dem Weißwurstäquator vollauf gerecht, da dieser in nördlicher Richtung bis etwa Höhe Marktredwitz, ins Fränkische ausläuft.

Weils eben nicht wurscht ist

Die Idee dazu hatte Albert Fritz gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Roswitha Nötzel. Derselben Meinung ist auch der bekannte Fernsehkoch Paul Enghofer. Die Tourismus-Referentin der Stadt Zwiesel, Elisabeth Pfeffer, meinte, „jede Idee, die weitere Touristen nach Zwiesel bringen kann, ist von Vorteil, auch ein Weißwurstäquator“.

Auch Bürgermeister Franz-Xaver Steininger sieht die Sache positiv und vor allem witzig. „Das hat eine Leichtigkeit und Spritzigkeit zumal das ja bayernweit auch einen Namen hat. Ich bin begeistert und finde den Standort dafür ideal“, so der Rathaus-Chef. Für Robert Kürzinger von der Touristinfo steht fest, „dieser Platz für das Symbol des Weißwurstäquators am Naturparkhaus ist ideal, hier kommen fast alle vorbei, die nach Zwiesel oder darüber hinaus wollen“. Ein Schandfleck ist für ihn allerdings das seit Jahren leer stehende Infohaus der Stadt Zwiesel. „Das sollte schnellstmöglich wieder belebt werden, so ist es sicherlich kein Aushängeschild für Zwiesel“.

Fehlt noch das passende Wirtshaus

„Ich könnte mir hier sehr gut eine Art Wirtshaus am Weißwurstäquator vorstellen. Bis Mittag gibt es Weißwürste und natürlich auch andere bayerische Spezialitäten“, so Fritz. Der Vorteil wäre, so Fritz und Kürzinger, dass Zwiesel dann auch wieder einen echten Biergarten hätte, „das Gelände hinter dem Haus wäre geradezu ideal dafür“, findet Kürzinger. Der Tourismus-Chef versprach, dass man sich das Thema bei der nächsten Ausschusssitzung vornehmen werde. Die feierliche Eröffnung des Weißwurstäquators, der auch am angrenzenden Radweg markiert werden wird, soll am Samstag, 23. Oktober, stattfinden. Natürlich mit leckeren Weißwürsten und Weißbier. Dann wird die Weltkugel mit der Weißwurst auf dem Stein platziert sein. Dabei sein werden auch die frisch gekürte Weißwurstkönigin, die Glaskönigin und andere Ehrengäste. Dann wäre der Streit um den Schutzwall für die Weißwurst wohl endlich geklärt, hier erwärmt man die Wurst in heißem Wasser, ab dem 50. Breitengrad kommt sie dann in die Pfanne oder auf den Rost.


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