22.04.2017, 08:04 Uhr

Todesfalle Das Braunkehlchen braucht unsere Hilfe

Foto: Josef BaumgartnerFoto: Josef Baumgartner

Eine Erfassung wiesenbrütender Vogelarten im Landkreis Regen in den Jahren 2014/15 zeigte einen massiven Einbruch des Braunkehlchenbestandes. Mit nur noch 7 (!) Nachweisen im ganzen Landkreis ist es um den ehemals häufigen Wiesenvogel nicht gut bestellt.

„Es ist nicht kurz vor zwölf, es ist drei Sekunden vor zwölf“ beschreibt der erfahrene Ornithologe Dr. Richard Schlemmer die Situation des Braunkehlchens im Landkreis. Aufgrund der besorgniserregenden Entwicklung hat das Landesamt für Umwelt das Projekt „Wiesenbrütermanagement sowie Entwicklung und Umsetzung eines Wiesenbrüterkonzepts für den Landkreis Regen“ ins Leben gerufen. Das Landschaftsarchitekturbüro Team Umwelt Landschaft aus Deggendorf entwickelt mit dem Ornithologen Dr. Richard Schlemmer und dem Agraringenieur Siegfried Pschibul-Markgraf ein Konzept um um das Verschwinden des Braunkehlchens im Landkreis Regen zu verhindern.

Das Braunkehlchen ist ein typischer Bewohner offener Landschaften. Wiesen, Weiden, Gräben, Brachflächen und Raine zählen zu seinem Lebensraum. Da sich das Braunkehlchen überwiegend von Insekten ernährt sind zudem arten- und blütenreiche Gras- und Krautfluren für die Nahrungssuche notwendig. V.a. aber benötigt diese wiesenbrütende Vogelart erhöhte Einzelstrukturen als Sitz- und Singwarten. Diese können in Form von höher stehenden Halmen, Stauden oder Einzelbüschen vorliegen, es werden aber auch Pfähle oder Zäune gerne angenommen. Das Nest wird in der Regel im Umkreis einer Sitz-/Singwarte versteckt in der Grasflur angelegt. Die erste Eiablage erfolgt Anfang Mai. Nach dem Schlüpfen der Jungen dauert die Nestlingszeit meist bis in den Juli hinein.

Dieser Entwicklungszyklus wird dem Braunkehlchen dabei zum Verhängnis. Die intensive Grünlandnutzung insbesondere das zu frühe und häufige Mähen von Grünflächen wird zur Todesfalle. Darüber hinaus wird durch die intensive Nutzung sowie dem Einsatz von Herbiziden das Aufkommen von blütenreichen Kräutern verhindert und somit geht dem Braunkehlchen die Nahrungsbasis verloren. Mit Hilfe des Projekts soll der Lebensraum des Braunkehlchens wieder attraktiver gestaltet werden und die Brutverluste sollen reduziert werden. Voraussetzung für einen Projekterfolg sind Engagement und Mitwirkungsbereitschaft der Landwirte. Am Freitag, 7. April, fand hierzu im Naturparkhaus Zwiesel eine gut besuchte Informationsveranstaltung statt. Dort wurde neben den Landwirten auch interessierten Bürgern ein Einblick in die Lebensraumansprüche gewährt sowie das Umsetzungskonzept vorgestellt. Über das Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) sowie über Kleinstmaßnahmen durch das Landratsamt werden den Landwirten Ausgleichszahlungen angeboten, falls sie ihre Flächen oder Teile der Flächen braunkehlchengerecht bewirtschaften. Das rege Interesse der Beteiligten stärkt die Hoffnung, dass die Uhr für den Braunkehlchenbestand im Landkreis Regen wieder einige Minuten zurück gedreht werden kann.

Haben Sie Fragen oder Interesse an einem Vertragsabschluss? Melden Sie sich bei Siegfried Pschibul-Markgraf, Tel. 0871/2763610!


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