09.01.2017, 12:01 Uhr

Besuch in Zwieseler Einrichtung Bezirkstagspräsident begeistert von Glasfachschule

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Schule ist Träger der regionalen Kultur und wichtig für Niederbayern

ZWIESEL Begeistert von der Glasfachschule in Zwiesel hat sich Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich gezeigt. Schulleiter Hans Wudy und sein Stellvertreter Erwin Donnerbauer führten ihn durch ihr Haus und berichteten vom Spagat, die Tradition der Schule zu bewahren und sie dennoch fit für die Zukunft zu machen. "Wir müssen immer am Ball bleiben", so Wudy. Bei der Besichtigung dabei war auch Michael Adam, Landrat des Landkreises Regen.

"Glas ist ein faszinierender Werkstoff und sehr bedeutend für unsere Region. Ich freue mich, dass wir hier die einzige Glasfachschule in Deutschland haben, die mit Weitblick in die Zukunft geführt wird und die junge Menschen aus ganz Deutschland, ja sogar Europa besuchen", so Dr. Heinrich. Landrat Michael Adam gab ihm recht und betonte, der Landkreis, der Sachaufwandsträger ist, sei stolz auf diese Einrichtung und wolle gemeinsam mit der Schulleitung alles tun, um sie attraktiv zu halten. So werde immer wieder kräftig in die Zukunft investiert, auch in neue Maschinen.

Dr. Heinrich macht sich ebenfalls für die Schule und den Werkstoff Glas stark: „Die Glasfachschule bietet eine faszinierende Bandbreite an Berufsausbildungen und besitzt Strahlkraft sogar in die Nachbarländer. Ich finde es richtig und wichtig, diese Einrichtung zu halten, weil hier Tradition mit Moderne eng verwoben sind. Die Geschichte des Bayerischen Waldes ist mit dem Werkstoff Glas verbunden. Jahrhundertelang waren die Glaszentren des Bayerischen Waldes Drehscheibe des internationalen Warenhandels. Die Schule ist für die Glasregion enorm wichtig. Und ich freue mich, dass manche Schüler von auswärts sogar in Niederbayern sesshaft werden." Der Bezirk Niederbayern fördert im Bayerischen Wald immer wieder Projekte und Symposium rund um den Werkstoff Glas, wie beispielsweise in diesem Jahr das Symposium mit dem Titel „Zwischenwelten in heißem Glas. Perspektiven des Graal-Glases“ sowie auch regelmäßig die Sommerakademie von Bild-Werk e.V. in Frauenau.

Wudy und Donnerbauer präsentierten den Gästen das moderne Ausbildungszentrum für Glas und Optik mit den Schwerpunkten Handwerk und Design. Die Einrichtung umfasst unter einem Dach sowohl die Berufsfachschule für Glas als auch die Berufsschule für Glas und Optik und die Fachschule (Technikerschule) für Glas und Optik. Vielfältige Ausbildungsberufe stehen zur Auswahl, darunter Glasmaler, Glasveredler, Glasbläser, Glasmacher, Produktdesigner, Glashüttentechniker und Optiker. Die Schule ist schulgeldfrei und beschäftigt derzeit rund 30 Lehrkräfte, die die rund 350 Schüler unterrichten. Auch das Fachabitur kann an der Schule gemacht werden.

Der Schulleiter unternahm mit seinen Gästen einen Ausflug in die Vergangenheit Zwiesels ins Jahr 1904, als die Glasfachschule gegründet wurde. Damals gab es zwei Brüder in Zwiesel: Anton Röck, der als Glashüttenbesitzer darauf erpicht war, gut ausgebildete Fachkräfte zu gewinnen und der sah, dass in Schulen in Tschechien dieser Nachwuchs ausgebildet wird. Und sein Bruder Josef Andreas Röck, der als amtierender Bürgermeister unbedingt wollte, dass Zwiesel zur Stadt erhoben wird. Beide sollten Erfolg haben: 1904 ging der Antrag durch, dass in Zwiesel eine Glasfachschule eröffnete. Gleichzeitig gab dies den Anstoß zur Stadterhebung, da dazu eine weiterführende Schule am Ort notwendig war, was mit der Glasfachschule ab sofort gegeben war. "Unsere Einrichtung war 50 Jahre lang die einzige weiterführende Schule zwischen Passau und Cham", blickte Wudy zurück. Auch junge Menschen, die nicht in die Glasbranche wollten, aber eine gute Ausbildung suchten, besuchten sie.

1974 wurde die Berufsschule angegliedert. "Wenn wir überleben wollen, dann geht dies nur mit den beiden Bereichen Glas und Optik", so der Schulleiter. Es sei wichtig, sich zu bemühen, die Schülerzahlen konstant zu halten: "Der Landkreis und das Kultusministerium halten zum Glück die schützende Hand über uns. Wir waren aber nie eine Schule der Region, wir waren immer eine nationale und sogar internationale Schule." Deshalb präsentiere sich die Einrichtung wo immer auch möglich: Die Teilnahme an großen Messen, um auf die Glasfachschule aufmerksam zu machen, sei keine Seltenheit. "Außerdem bemühen wir uns, einen guten Job zu machen, denn das ist die beste Werbung."

Bei der Führung durch die Schule blickte Dr. Heinrich zum Beispiel Glasmalern über die Schulter und er erfuhr, wie eine Glaskugel geblasen wird. Wudy berichtete von der eigenen Glashütte, die den Rohstoff liefert. Diese wird das ganze Jahr betrieben, da es viel zu aufwändig sei, sie zwischendurch stillzulegen. Besonderheit der Schule ist, dass hier auch produziert wird: "Durch den Verkauf unsere eigenen Kollektion können wir dem Landkreis auch wieder etwas zurück geben." Die Schule zu erhalten sei wichtig, denn sie sei Träger der regionalen Kultur: "Wir würden bei einer Schließung mehr verlieren als ein paar Klassenzimmer", so Wudy. Die Schönheit des Glases werde auch der Wirtschaft vermittelt: "Wir versuchen, auch Architekten und Innenarchitekten dazu zu bewegen, Glas mehr und mutiger einzusetzen."


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