14.12.2016, 12:42 Uhr

Zwiesel nach der Wahl Jetzt ist der Stadtrat gefragt

Foto: L.WandtnerFoto: L.Wandtner

55,4 Prozent für Franz Xaver Steininger - jetzt geht es um die Zukunft der Stadt Zwiesel

ZWIESEL Franz Xaver Steininger ist als Bürgermeister der Stadt Zwiesel wiedergewählt. Nach jahrelangen, harten, teils persönlichen Kämpfen im Stadtrat haben die Bürgerinnen und Bürger der Glasstadt entschieden: Sie wollen, dass der Bürgermeister weiterhin die Geschicke in Zwiesel leitet. Das ist zugleich eine Absage an alle jene, die der sachlichen Politik des Rathauschefs nur Prügel entgegenzusetzen hatten, die sie ihm zwischen die Beine geworfen haben.

Der Wahlabend im Rathaussaal war geprägt von Spannung – es war ruhiger als sonst. Man könnte sagen, es hat überall geknistert. Ein wenig Luft mag schon raus gewesen sein, als das erste Ergebnis feststand: Rabenstein votierte mit über 63 Prozent für Steininger. Dort war er schon im ersten Wahlgang besonders stark – bei der Stichwahl war es ein erster deutlicher Fingerzeig, wo es in den nächsten sechs Jahren hingehen soll.

Massiv wird Steininger seit sechs Jahren von einem Großteil des Stadtrates bekämpft, „die wollen mich einfach weghaben, weil ich nicht aus dem politischen System stamme“, sagte er selbst dazu einmal im Wahlkampf. Jetzt hofft Steininger darauf, dass die nächsten sechs Jahre mit ihm als Bürgermeister konstruktiver laufen werden, in der Zusammenarbeit. „Der Bürgerwille ist eindeutig“, sagte er nach der gewonnen Stichwahl. „Es ist ein Neuanfang für die Stadt Zwiesel, von dem ich hoffe, dass ihn auch die Stadträte annehmen, die bisher nichts mit mir anfangen konnten.“

Ins gleiche Horn stieß auch Stadtrat Alois Fuggenthaler von der PWG: „Die klaren Verlierer sind die Stadträte, die Steininger über sechs Jahre bekämpft haben. Sie müssen sich jetzt überlegen, ob sie auf eine sachliche Zusammenarbeit umschwenken. Das wäre für die Stadt und für das Klima im Stadtrat sehr wichtig. Die Bürger haben den Bürgermeister gewählt, das muss die entscheidende Grundlage für die Stadtratspolitik aller sein.“

Ob das allerdings tatsächlich so bei den angesprochenen Stadträten ankommt, scheint ungewiss. Elisabeth Pfeffer zeigte sich nach der verlorenen Stichwahl zögerlich: „Man muss jetzt schauen, ob von beiden Seiten Annäherungsbemühungen zu erkennen sind“, sagt sie. Ist also jetzt der Bürgermeister am Zug, für Harmonie im Stadtrat zu sorgen?

Der zurückliegende Wahlkampf spricht eine andere Sprache. Zwar wird gerne davon gesprochen, dieser sei „fair“ gewesen. Aber bei genauerer Betrachtung wurden Steininger Vorwürfe gemacht, die keiner Überprüfung standhalten können. Der Bierstreit rund ums Grenzlandfest zum Beispiel – es war nicht mehr, als ein Sturm im Maßkrug, der wohl nur angezettelt wurde, um im Wahlkampf gegen Steininger punkten zu können. Faktisch war aber nichts dahinter: 2017 wird es Pfeffer-Bier geben, so wie die Jahre zuvor auch. Warum also können sich weite Teile des Stadtrates nicht mit Steininger als Bürgermeister abfinden? Sicher, er ist parteilos, hat mit seiner Wahl vor knapp sechs Jahren das politische Gefüge in Zwiesel arg durcheinandergewirbelt. Das war für etablierte Parteien und Fraktionen erst einmal zu verarbeiten. Manche, so scheint es, haben diese Schmach bis heute nicht verwunden.

Da ist aber auch die Person Steininger, der als Politiker nicht immer in die alt hergebrachte Vorstellungswelt passen mag. Vielleicht ist er einerseits ein wenig sperrig, im Umgang mit Menschen. Er ist nicht der Grüßaugust, der händeschüttelnd durch seine Stadt marschiert und jedem ungefragt einen schönen Tag und viel Gesundheit wünscht.

Er ist aber auch keiner, der das Amt missbraucht, um seine Vorstellungswelt in Politik zu gießen. Es geht ihm nicht um seine persönlichen Befindlichkeiten – wie sonst hätte er diese erste Amtsperiode als Bürgermeister unbeschadet überstehen können, in der im Kampf mit dem Stadtrat kaum Luft zum Atmen blieb. Franz Xaver Steininger geht es immer um die Sache – eine Sachlichkeit, die er auch im zurückliegenden Wahlkampf immer wieder betonte.

Damit einher geht eine uneingeschränkte Ehrlichkeit: Was er denkt, das sagt er. Wenn ihm etwas nicht gefällt, beschönigt er nicht, sondern spricht es deutlich aus. Wenn er der Meinung ist, etwas tut der Stadt Zwiesel nicht gut, schadet ihr vielleicht sogar, lehnt er ab. Teilweise kompromisslos, nicht immer taktisch geschickt – aber verlässlich und erkennbar. Wenn er aber sachlich vom Gegenteil dessen überzeugt wird, was er bisher vertreten hat: Dann hat er die Größe, umzuschwenken, die Dinge neu zu denken.

Franz Xaver Steininger versteht seine Amtszeit als Bürgermeister in Projekten. Es gibt Ziele, die er sich gesetzt hat – und zwar nicht zu seinem Wohl und für sein Abschlusszeugnis, wenn er mal aus dem Amt scheiden wird. Sondern einzig für die Stadt. „Ich bin stolz auf die Zwieselerinnen und Zwieseler, dass sie das erkannt haben. In diesem Sinne werde ich meine Arbeit fortsetzen. Dabei hoffe ich, dass wir im Stadtrat eine neue, gemeinsame Basis finden werden.“


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