29.11.2016, 09:13 Uhr

Harter Kampf Steininger muss in die Stichwahl

Foto: Wandtner LotharFoto: Wandtner Lothar

Knapper Vorsprung von sieben Prozent auf Elisabeth Pfeffer.

ZWIESEL Die erste Runde ist absolviert – und endlich herrscht ein wenig Klarheit in Zwiesel. Bürgermeister Franz Xaver Steininger ist zwar Wahlsieger mit 43,3 Prozent, aber er muss in zwei Wochen noch einmal ran: Stichwahl gegen Elisabeth Pfeffer, die 36,58 Prozent erreichte. Für viele überraschend war das gute Abschneiden von Gloria Gray, die auf über 20 Prozent der Stimmen kam und damit Zwiesel ordentlich aufmischte.

Sie war es auch, der der Rummel am Wahlabend gehörte. Obwohl sie nur Außenseiter-Chancen hatte, waren die Kameras von Presse und Fernsehen hauptsächlich auf sie gerichtet: Wie sie das Rathaus betrat, wie sie das Rathaus wieder verließ und dazwischen jede Menge Mikrofone, Blitzlichter und Interviews. Fast schien es so, als sollte der entscheidende Wahlausgang, nämlich der um das Bürgermeisteramt, nur Nebensache sein.

20,12 Prozent also für die Frau, „die als Mann geboren wurde“, wie der Bayerische Rundfunk am nächsten Tag in den Nachrichten meldete. Die Kandidatin selbst zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden und begann ihr erstes Interview mit einer klaren Aussage: „Jetzt habe ich wieder sechs Jahre Zeit für mich selber. Wenn man sieht, was alles auf den Schultern eines Bürgermeisters lastet, kann ich nur sagen: Wer weiß, was mir erspart geblieben ist.“

Eine Wahlempfehlung an ihre Wählerinnen und Wähler für die Stichwahl wollte sie nicht aussprechen. „Ich bin jetzt raus, ich halte mich deshalb auch raus.“ Für sie sei es wichtig gewesen, positives Marketing für die Stadt Zwiesel zu machen, was ihr mit ihrer Kandidatur bestens gelungen sei. Jetzt sei es an den beiden verbliebenen Kandidaten, darauf später als Bürgermeister aufzubauen. „Vielleicht habe ich eine Welle ausgelöst, auf der man für die Stadt Zwiesel noch viel erreichen kann.“ Wie, ob und in welcher Form sie sich weiter in Zwiesel engagieren werde, ließ sie offen.

Jetzt sind ohnehin andere gefragt. Elisabeth Pfeffer zum Beispiel, die am 11. Dezember die zweite Chance hat, den Amtsinhaber aus dem Rathaus zu verdrängen. „Die Botschaft ist eindeutig: 56 Prozent der Zwieseler wollen einen Wechsel. Deshalb gehe ich davon aus, dass ich die Stichwahl gewinne“, gab sie sich am Wahlabend kämpferisch. Auf jeden Fall würden die Karten jetzt neu gemischt und sie werde mit Vollgas die letzten zwei Wochen Wahlkampf angehen.

CSU-Kreisvorsitzender Stefan Ebner (Viechtach) war voll des Lobes für die Kandidatin der CSU: „Sie ist eine tolle Wahlkämpferin“, sagte er. Für die CSU sei es sehr wichtig, den Bürgermeisterstuhl in Zwiesel zurück zu erobern. „Viel wichtiger ist das aber für die Stadt selbst, damit sie wieder positiv in die Zukunft schauen kann.“

Aufgeräumt und zufrieden zeigte sich auch Bürgermeister Franz Xaver Steininger, der sich natürlich einen Wahlsieg im ersten Durchgang gewünscht hätte, wie er offen zugab. „Aber angesichts der drei Kandidaten, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten, war mit einer Stichwahl zu rechnen.“ Insgesamt sei er nicht enttäuscht, denn vor allem die CSU habe einen Wahlkampf mit viel Kraft und auch finanziellem Aufwand betrieben, „so gesehen wäre für mich ein Sieg im ersten Wahlgang ein Riesenerfolg gewesen.“

Auch für ihn gilt jetzt: „Die nächsten zwei Wochen werde ich mein Profil stärker herausarbeiten. Ich habe bisher auf den großen Wahlkampf verzichtet, weil die Wahl mehr personenbezogen war, als dass es um Stadtpolitik ging.“ Doch gerade in der Sachpolitik sehe er seine Stärken, die er den Bürgerinnen und Bürgern vermitteln wolle. „Ich habe Erfolge vorzuweisen, die für die Zukunft der Stadt entscheidend sind.“ Mit ihm sei Verlässlichkeit in die Stadtpolitik gekommen, die vor seiner Zeit arg vermisst worden sei. „Egal wie ich in den einzelnen Fragen entscheide, ich mache das immer transparent und erkläre, warum ich für oder gegen etwas bin. Auf diese Klarheit kann sich jeder verlassen. Und nicht zuletzt habe ich die Stadt auch finanziell wieder auf Vordermann gebracht, indem ich alte Fehler korrigieren konnte.“

Zum Schluss bleiben auch nach dem ersten Wahlabend ein paar Fragen offen: So geht es um die Frage, ob die Wählerinnen und Wähler von Gloria Gray am 11. Dezember erneut zur Wahl gehen werden. Auch bleibt offen, wie sich die Stimmung in Zwiesel in diesen zwei Wochen entwickeln wird. Klar ist nur eines: Wer die Stichwahl gewinnen will, muss hart dafür kämpfen.


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