05.07.2016, 10:41 Uhr

Eilhandlung Ende Juni Steininger kündigt der Ferienregion

Foto: L.WandtnerFoto: L.Wandtner

Bürgermeister Franz Xaver Steininger will mit seiner Stadt der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald den Rücken kehren. Vergangenen Donnerstag erklärte er in einer Eilhandlung des Austritt zum Ende 2016

ZWIESEL  Die Differenzen zwischen der Stadt Zwiesel und der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald (FNBW) hat einen neuen, zwischenzeitlichen Höhepunkt erreicht: Bürgermeister Franz Xaver Steininger kündigte am vergangenen Donnerstag in einer Eilhandlung die Zusammenarbeit auf. Es war die letzte Gelegenheit, damit die Mitgliedschaft der Stadt zum 31. Dezember 2016 endet. Gegenüber dem Wochenblatt erklärt Steininger seinen Schritt mit einer ganzen Reihe von Argumenten: Zuallererst moniert er, dass bis dato die FNBW den entsprechenden Vertrag nicht an die Stadt zurück gesendet habe. „Bei der letzten Aufforderung haben wir eine Frist bis zum 28. Juni gesetzt, aber auch diese ist ergebnislos verstrichen“, so Steininger. „Das ist ein unseriöses Handeln und zeigt das mangelnde Interesse an einer kooperativen Zusammenarbeit.“ Auf der einen Seite wolle die FNBW zwar Geld von der Stadt, andererseits aber keine Leistung erbringen. Am 1. Juli sei der Vertrag dann doch noch im Rathaus eingetroffen.

Bezüglich des Vertrags gehen die Meinungen auseinander. FNBW-Vorsitzender Herbert Schreiner erklärt, dass die Stadt den Vertrag am 4. Mai erhalten habe. Unstimmigkeiten gebe es lediglich dahingehend, ob die Vertragsunterlagen vollständig an Zwiesel übergeben wurden. Steininger sagt nein, Schreiner sieht das anders. Ungeachtet dessen sieht Steininger die zukünftige Entwicklung der Stadt Zwiesel in Rahmen einer Zusammenarbeit mit der FNBW für gefährdet an. „Im Rahmen unseres Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (kurz: ISEK) untersuchen wir die Handlungsfelder Handel und Tourismus, die man nicht getrennt voneinander behandeln kann“, so Steininger. „Die Kooperation mit der FNBW würde aber bedeuten, dass der Tourismus völlig losgelöst von Handel, Kultur und Stadtmarketing betrachtet werden sol, das halte ich für weltfremd.“

Vielmehr müsse Zwiesel ein Konzept finden, dass alle Bereiche in einem Guss zusammenfasse, so Steininger weiter. Das betreffe auch das Personal: Die Stadtverwaltung habe ausgerechnet, dass der Verbleib bei der FNBW mehr Personal erfordern würde, als es nach einem Austritt der Fall wäre. „Ich musste kündigen, um umfangreichen Schaden von der Stadt Zwiesel abzuwenden“, so Steininger. Dies gelte vor allem, da die Stadtfinanzen zur Konsolidierung und Stabilisierung verpflichtet sind. Bis Ende des Jahres wird Zwiesel noch Mitglied sein. „Der Stadtrat, die Bürgerinnen und Bürger, wie auch die Vermietungsbetriebe können jetzt in Ruhe und besonnen denoptimalen touristischen Weg der STadt Zwiesel erarbeiten“, so Steininger. Dies soll im Rahmen des ISEK-Prozesses ergebnisoffen möglich sein. Bestätigt sieht sich der Bürgermeister zudem in der Forderung vieler Beherbungsbetriebe bestätigt, den Austritt voranzutreiben. Etwa 140000 Euro im Jahr zahlt Zwiesel in die FNBW, „das ist Geld, dass wir viel besser in Zwiesel investieren können. Ich bin froh, den ideellen Rückhalt dieser Betriebe zu haben“, so Steininger, „sie sind schließlich diejenigen, die vom Tourismus leben.“

Ob die Kündigung durch Steininger das letzte Kapitel in der Angelegenheit ist, bezweifelt FNBW-Vorsitzender Herbert Schreiner. „Es ist seine persönliche Entscheidung, ich weiß aber nicht, inwieweit danoch der Stadtrat dazu befragt werden muss“, so der Frauenauer Bürgermeister. Er wehrt sich ohnehin gegen die Vorwürfe, Zwiesel würde von der FNBW ignoriert: „Wir haben die Geschäfte in Zwiesel noch nicht übernommen, also können wir dort auch nichts tun.“ Damit trifft er aber genau ins Zentrum von Steiningers Ärger: Dieser bemängelt vor allem, dass Zwiesel keine Leistung der FNBW erhalte, andererseits aber immer wieder zur Kasse gebeten werde – zuletzt stellte die FNBW der Stadt Computer und Telefone in Rechnung, die ohne Absprache mit der Stadt im Rathaus installiert werden sollten. „Das zerstört das Vertrauen“, ist Steininger überzeugt, der fürchtet, die Stadt werde finanziell über den Tisch gezogen.

Tatsächlich ist die Stadt der größte Zahler im Verbund der Gemeinden in der FNBW. Deshalb bleibt die Frage, ob diese einen Austritt Zwiesels überhaupt verkraften könnte. Schreiner winkt ab: „Mit dieser Frage habe ich mich noch nicht beschäftigt, weil das bislang kein Thema war. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Region auch ohne Zwiesel gedeihlich zusammen arbeiten würde.“


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