09.12.2014, 14:48 Uhr

Er hat alle hereingelegt Burghauser seit 16 Jahren Lockvogel für Verstehen Sie Spaß?

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Ob Promi oder Normalbürger - keiner ist sicher vor Oliver Hiefinger, denn der 47-Jährige ist professioneller Lockvogel für die versteckte Kamera

BURGHAUSEN Er schlüpft in die verschiedensten Rollen, erzählt Lügengeschichten, konfrontiert ahnungslose Menschen mit den skurrilsten Situationen, um sie kurze Zeit später wieder in den Arm zu nehmen: Seit 16 Jahren ist Oliver Hiefinger (47, links im Bild) Lockvogel bei „Verstehen Sie Spaߓ (20.15 Uhr, ARD) und hat in dieser Zeit unzählige „normale Leute“ von der Straße, genauso wie Prominente aus Musik, Kino, TV und Sport hinters Licht geführt. Mit den Worten „Herzlich Willkommen in der Fernsehsendung Verstehen Sie Spaߓ werden diese dann im Rampenlicht begrüßt.

Der gebürtige Burghauser sieht sich in seinem Job selbst als farbloses Chamäleon und tatsächlich ist er enorm wandlungsfähig, wie die Fotos zeigen. Mal ist er ein smarter Geschäftsmann im Anzug, ein anderes Mal ein durchgeknallter Schlagerfan mit Mittelscheitel. Für eine Rolle ließ Oliver sich sogar eine Glatze rasieren und einen Schnauzbart stehen. Sein eigener Kameramann hat ihn nicht mehr wiedererkannt.

„Ich liebe es, in die verschiedensten Rollen zu schlüpfen, um die ahnungslosen Menschen auf die Schippe zu nehmen“, schmunzelt Oliver Hiefinger. „Habe ich jemanden am Haken, gilt es, das Gegenüber möglichst durchgehend zu beschäftigen. Das ist wichtig, damit der Dreh nicht auffliegt.“ Gedreht wird nämlich noch immer hauptsächlich mit den wuchtigen Fernsehkameras, die irgendwie versteckt werden müssen. Wer zu sehr auf seine Umgebung achtet, könnte sie entdecken.

Eine „Watsch´n“ hat sich der Lockvogel bisher von keinem seiner Opfer eingefangen. Das liegt daran, dass er bei seinem Gegenüber sehr genau auf Feinheiten achtet.

„Ich muss zwischen den Zeilen lesen, um für mich abzuwägen, wann ich den nächsten Schritt machen kann und wie weit ich überhaupt gehen darf“, verrät der 47-Jährige.

„Die Menschen sind nicht immer gleich gelaunt, stehen vielleicht unter Zeitdruck oder haben Beziehungsstress. Im Moment der Kontaktaufnahme habe ich davon ja keine Ahnung.“ Er müsse immer hellwach sein, um den Bogen nicht zu überspannen. Schließlich soll der Hereingelegte am Ende zusammen mit einem Millionenpublikum selbst über den Streich lachen können.

Oliver Hiefinger arbeitet aber nicht nur vor der Kamera, er tüftelt auch die teils aufwändigen Effekte aus und bereitet die Drehorte vor. Oft dauern die Vorarbeiten mehrere Wochen. Wenn sich sein Team beispielsweise überlegt hat, einen BMW Z4 in einer Pfütze verschwinden zu lassen — zusammen mit dem Lockvogel.

Hiefingers Team bekam den Comedypreis 2014

Die Qualität und Originalität der Kamerastreiche über den sagenhaften Zeitraum von 16 Jahren, hat auch die Fachjury überzeugt. So erhielten Hiefinger und sein Team den „Comedypreis 2014“.

Fragt man den Burghauser nach seinen Lieblingsgags, denn fallen ihm gleich drei ein (alle auf youtube zu sehen): „Als Semino Rossi zusehen musste, wie ich als Francesco Azzuro seine Lieder im ausverkauften Bregenzer Festspielhaus gesungen habe. Dass ihm ein dahergelaufener Sänger im wahrsten Sinne des Wortes die Show gestohlen hat. Oder als ich als Edelfan mit Oberlippenbart Helene Fischer bei einem Livekonzert vor Publikum einen Heiratsantrag machte. Technisch am Anspruchsvollsten war sicher der Gag mit dem verschwundenen Z4.“

Sehr interessant habe er die Zusammenarbeit mit dem Zauberkünstler Simon Pierro gefunden, bei der er sehr interessante Einblicke in die internationale Zaubererszene machen konnte.

Dass er gut im Veräppeln ist, merkte Oliver schon früh: „Ich war schon als Kind der Klassenclown“, verrät er. Ende der 80er verschlug es den gelernten Automechaniker in die Bavaria Filmstudios, wo er als Ausstatter arbeitete. Dort wurde Hiefinger als Schauspieler entdeckt und für die RTL-Show „Fischers“, (1997-1999) verpflichtet. Die Serie wurde von Ottfried Fischer moderiert und von Werner Kimmig produziert — und Kimmig Entertainment produziert auch heute noch „Verstehen Sie Spaߓ.

Übrigens gehört es für einen Lockvogel natürlich dazu, möglichst unerkannt zu bleiben und deshalb lässt sich der 47-Jährige auch gar nicht gerne ablichten. Für die Wochenblattleser hat Oliver Hiefinger aber eine Ausnahme gemacht ...


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