29.06.2010, 11:05 Uhr

Unglaublich aber wahr! Wasser für 25 Swimmingpools mal eben durchs Klo gerauscht?

Wohnungsbesitzer wehrt sich gegen eine Horror-Wasserrechnung und bekommt vor Gericht Recht

UNTERNEUKIRCHEN Wenn Herbert Micklei aus Unterneukirchen an den Moment zurückdenkt, als er den Umschlag mit der Wasser-Nachforderung geöffnet hat, muss er noch immer den Kopf schütteln. 2.762,91 Euro Nachzahlung forderte die Hausverwaltung von dem Bäckermeister im Ruhestand für eine Eigentumswohnung in Töging, die ihm und seiner Ex-Frau gehört. Im Jahr 2008 soll diese enorme Wassermenge buchstäblich durch das Klo der Wohnung gerauscht sein. Um zu verdeutlichen von welchen Mengen hier die Rede ist: 1.137 Kubikmeter Wasser wurde Herbert Micklei in Rechnung gestellt. Das entspricht der Wassermenge von 25 Swimmingpools (8 m x 4 m x 1,4 m Wassertiefe). Mit der gleichen Menge könnte man auch das große Becken im Altöttinger Kreishallenbad knapp drei Mal bis zum Rand auffüllen. Und all das soll durch einen defekten Wasserkasten entstanden sein, der über eine unbestimmte Zeit im Jahr 2008 „etwa eine Minute” nachgelaufen ist, wenn man die Spülung betätigt hat? Das schien Herbert Micklei doch ziemlich unwahrscheinlich, zumal seine Ex-Frau in der Wohnung lebte und es hätte merken müssen, wenn derartige Wassermengen durch den Lokus rauschen. Auch die Nachbarn hätten sich, so argumentiert Micklei, spätestens in der Nacht beschwert, wenn nebenan ein Wildbach durch die Wasserrohre rauscht. Wie kam die Hausverwaltung also darauf, dass die Klospülung der Mickleis der Übeltäter war? Die Stadt überprüfte den Zähler und der war in Ordnung. Man stellte aber fest, dass er beständig lief. Daraufhin überprüfte, laut Herbert Micklei, der Hausmeister alle 56 Wohnungen der Anlage, wobei die Wohnung des Unterneukirchners die einzige mit einer fehlerhaften Wasserspülung gewesen sei. Die Beweislage war für die Hausverwaltung ziemlich dürftig, dennoch schleifte sie den Unterneukirchner vor Gericht und ging – um bei dem Bild zu bleiben – dabei anständig baden. 4.325 Kubimeter Wasser haben alle 56 Wohnungen im Jahr 2008 verbraucht. Ein Viertel davon soll alleine in der Wohnung von Herbert Micklei angefallen sein. Das erschien auch der Richterin nicht sehr schlüssig. Sie rechnete einen täglichen Wasserverlust von 3.000 Liter aus. Nach ihrer Meinung könne eine defekte Toilettenspülung nicht die alleinige Ursache dafür sein. Andere Gründe für den erhöhten Wasserverbrauch sind laut dem Urteil vom Mai 2010 nicht auszuschließen. Die Klage der Hausverwaltung gegen den Rentner wurde abgewiesen. Herbert Micklei ging als Sieger aus der Verhandlung hervor. Deshalb sein Rat an alle, die in einer ähnlichen Klemme stecken: „Bloß nicht klein beigeben. Wenn man überzeugt ist, im Recht zu sein, dann soll man das auch durchfechten.”


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