26.03.2014, 09:18 Uhr

Messerscharfes Hobby Red, Hot & Sharp: Garchinger mit Schwerthunger

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Nicht nachmachen! Davor warnt Franz Huber aus Garching – und schluckt trotzdem seine Schwerter ...

GARCHING Gelernt hat er es hauptsächlich übers Internet: Vor gut einem Jahr begann Franz Huber, sich für die Schwertschluckerei zu interessieren. Während die meisten mehrere Jahre Training brauchen, hat es der 33-Jährige in beachtlich kurzer Zeit geschafft und mit seinen gefährlichen Kunststückchen Bühnenreife erlangt. Halsschmerzen, so verrät der sympathische junge Mann, der als Elektriker eigentlich einen ganz seriösen Beruf ausübt, gehören zum Training eines Schwertschluckers schon mal dazu, wenn man Zentimeter um Zentimeter versucht, sich lange, spitze Dinge in den Rachen zu schieben. „Man muss über die Zunge am Zäpfchen vorbei, wo der erste Würgereiz zu überwinden ist. Dann heißt es, den richtigen Winkel zu treffen, um nicht Richtung Lunge, sondern in die Speiseröhre zu gelangen. Der Adamsapfel ist der zweite Würgereiz-Punkt, bevor es hinterm Brustbein und zwischen den Lungenflügeln weitergeht. Der am Schwert deutlich fühlbare Puls verrät, wie nahe man seinem Herz kommt. Am Mageneingang muss man den Muskel entspannen und öffnen, um schließlich im Magen bis zur unteren Magenwand vorzudringen“, beschreibt der Garchinger den „anatomischen“ Teil der Schwertschluckerei.

Dass dabei immer wieder schlimme Verletzungen und sogar Todesfälle auftreten, verwundert den Laien nicht. Vielmehr fragt man sich, warum Franz Huber sich das antut. „Zum einen fasziniert es mich, was man mit seinem Körper mit Konzentration und Selbstbeherrschung zu leisten imstande ist. Zum anderen hat das Schwertschlucken eine 4000 Jahre alte Tradition und noch immer einen besonderen Unterhaltungswert“, erklärt der 33-Jährige – und fügt mit breitem Grinsen hinzu: „Außerdem gefällt es mir, wenn´s die Leute gruselt ...“ Im Showteil seiner bierzelterprobten Band „Postamt-Trio“ sorgt Franz Huber als Feuerspucker bzw. -schlucker und neuerdings eben auch als Schwertschlucker für dieses schaurig-schöne Grusel-Entertainment.

47 Zentimeter – von Unterlippe zum Magen

Bis zu 47 Zentimeter kann er sich seine Schwerter und Degen einverleiben – und erfüllt damit die Aufnahmekriterien der Sword Swallowers Association International (SSAI), in der Schwertschlucker weltweit zusammengeschlossen sind. So viele gibt es davon gar nicht, weltweit nur ein paar Dutzend und in Deutschland – inklusive Franz Huber – sollen es gar nur drei sein. „Durch den Verein wurde ich auf eine Veranstaltung aufmerksam, an der ich unbedingt teilnehmen wollte: den Internationalen Tag der Schwertschlucker. Dieser findet immer am dritten Samstag im Februar statt – und zwar bei Ripley´s „Believe it or not“. Das sind Museen, in denen Kuriositäten vorgestellt werden, wie der größte Mann der Welt o.ä. Diese Museen gibt es in vielen Ländern“, erklärt Franz Huber.

Großer Auftritt beim Big Swallow in Florida

Und so ist er im Februar mit seinen Schwertern nach Florida geflogen, um bei Ripley´s in St. Augustine aufzutreten. „Zum SSAI-Präsidenten Dan Meyer hatte ich schon guten Kontakt. In Florida habe ich ihn und andere SchwertschluckerInnen, darunter die jüngste Schwertschluckerin Haley Hall (15 Jahre), persönlich kennengelernt. Das war wie eine richtige Familie“, erzählt der Garchinger begeistert. In voller bayerischer Montur mit Wadlstrümpf und Lederhos´n konnte der Bayer das amerikanische Publikum natürlich gleich für sich gewinnen. Einen Eintrag in der Liste der Weltweit aktiven und bekannten Schwertschlucker (www.swordswallow.com) hat ihm dieser Auftritt ebenso beschert wie die Genugtuung, an einem neuen Rekord mitgewirkt zu haben: „Hatten 2013 noch 44 Teilnehmer, 78 Schwerter mit einer Gesamtlänge von 148 Feet geschluckt, waren wir heuer 45 Teilnehmer, die 88 Schwerter mit einer Länge von 153 Feet geschafft haben“, freut sich Huber. Er ist mittlerweile sogar der offizielle deutsche Repräsentant der SSAI und schildert entsprechend motiviert das Anliegen des Tages der Schwertschlucker: „Die Trickbetrüger sind natürlich ein Problem für uns Schwertschlucker. Wir wollen zeigen, dass unsere Kunststücke wirklich echt sind. Außerdem kommen die Einnahmen aus dem Event verletzten Schwertschluckern zugute, zumal es in Amerika ja keine Krankenkasse gibt.“ Apropos krank – wer hätte das gedacht: Schwertschlucker haben auch schon viel zum medizinischen Fortschritt beigetragen, weiß Franz Huber zu berichten: „1868 hat Dr. Kussmaul bei einem Schwertschlucker die ersten endoskopischen Untersuchungen gemacht, denn der brauchte ja keine Betäubung ...“ Nicht unbedingt im Dienste der Wissenschaft, aber zumindest für besonderen Unterhaltungswert für Dr. Hartmann und sein Team am Mühldorfer Krankenhaus hat der 33-Jährige schon gesorgt: „Dort habe ich Röntgenaufnahmen während des Schwertschluckens machen lassen, was fürs Personal der Röntgenabteilung eine ganz neue Erfahrung war“, lacht er.

Unterhalten will er künftig sein Publikum mit einer anspruchsvollen Schwertschlucker-Show, die je nach Anlass verschiedenste Elemente enthalten soll: „Unter dem Titel ,Red - Hot & Sharp-Entertainment‘ kann man mich demnächst für verschiedenste Veranstaltungen engagieren.“ Der Garchinger Firma Kapsalis ist er dabei dankbar, dass sie ihm u.a. die Herstellung seiner Schwerter ermöglicht. „Es ist reizvoll, immer neue Ideen für die Show zu kreieren und ich halte im Alltag ständig die Augen offen nach Dingen, die ich schlucken könnte“, schmunzelt der junge Mann. Eines aber stellt er voller Ernst klar: „Ich habe höchsten Respekt vor dieser Kunst, die man nur mit voller Konzentration ausüben kann.“

Kontakt zu Franz Huber per E-Mail an RHSE@web.de


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