05.12.2011, 13:52 Uhr

Vertragsabschluss in trockenen Tüchern: Zukünftig wärmt unsere Erde die Kirchweidacher

Geothermiekraftwerk: Ab 2013 steht nicht nur ökologischer Strom, sondern auch Wärme zur Verfügung

KIRCHWEIDACH Am Dienstag hat die GEOenergie Kirchweidach GmbH mit der Gemeinde einen Vertrag unterzeichnet, der die Heizenergieversorgung in Kirchweidach nach der Fertigstellung des Kraftwerks ökologischer machen wird. „Mit dem Vertrag sichern wir der Gemeinde zu, ihr nach Inbetriebnahme des Kraftwerks im Jahr 2013 die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme zur Verfügung stellen zu können“, erklärt Bernhard Gubo, Geschäftsführer der GEOenergie Kirchweidach GmbH. „Mit dieser Wärme kann die Gemeinde, nachdem die notwendigen Planungen erfolgt sind, in Zukunft ein Fernwärmenetz beschicken“, freut sich Gubo. Die ausgekoppelte Wärme könnte somit den kompletten Wärmebedarf der Gemeinde decken. Nach der Inbetriebnahme wäre es möglich, dass alle Bewohner Kirchweidachs mit umweltfreundlicher, unabhängig von Klima und Wetter jederzeit verfügbarer Fernwärme versorgt werden – ebenso wie Unternehmen, die sich hier ansiedeln möchten.

Weitere Details über das Thema Geothermie verriet Matthias Hiegl, zweiter Geschäftsführer der GEOenergie:

Wie günstig ist die Fernwärme im Vergleich?

Im Vergleich zu den Öl- und Gaspreisen ist die Fernwärme des Geothermie-Kraftwerks günstiger und bietet vor allem eine langfristige Versorgungssicherheit.

Wie ist das für den einzelnen Hausbesitzer realisierbar? Sind dazu teure Umbauarbeiten an der bisherigen Heizanlage notwendig?

Aus heutiger Sicht erscheinen teure Umbauten nicht notwendig zu sein. Es kommt allerdings ganz auf das Versorgungskonzept an. Die Entscheidung, ob ein Fernwärmenetz mit einer hohen Vorlauftemperatur oder eines mit geringen Vorlauftemperaturen gebaut wird, muss noch gefällt werden. Diese Vorlauftemperatur entscheidet maßgeblich die Nutzung der Wärme in den Privathaushalten.

Gibt es auch die Möglichkeit, Betriebe oder Häuser in weiterer Entfernung zu versorgen?

Diese Möglichkeit besteht. Wir arbeiten derzeit an einem Konzept für mobile Wärmespeicher, damit auch abgelegene Häuser versorgt werden können. Das macht immer dann Sinn, wenn mindestens zehn Einfamilienhäuser eine Art Einkaufsgemeinschaften bilden können, um die Logistikkosten in einem akzeptablen Rahmen zu halten.

Wird auch der erzeugte Strom den Kirchweidachern zu Gute kommen?

Indirekt ja – vor allem, wenn man eine paar Jahre weiter denkt. Der im Kraftwerk erzeugte Strom wird zwar ins öffentliche Netz eingespeist und da abgerufen, wo er gerade gebraucht wird. Aber alle sprechen von Netzauslastung und von Verlusten durch lange Wegstrecken. Wenn man das Thema dezentrale Energieversorgung ernst nimmt, wird es in Zukunft dazu führen müssen, dass regional erzeugter Strom auch vor Ort verbraucht wird. Bei Photovoltaik wird dieser Schritt bereits vollzogen: Die auf dem Hausdach erzeugte Energie wird zuvorderst durch den Haushalt selbst verbraucht. Alles was dann noch übrig ist, wird in das öffentliche Netz eingespeist.

Mehrere Unternehmen signalisierten bereits Interesse, sich in direkter Umgebung des Kraftwerks anzusiedeln, um die Abwärme zu nutzen, die bei der Stromerzeugung mit dem bis zu 130 Grad heißen Thermalwasser entsteht. Auf einer Fläche von 16 Hektar sollen beispielsweise Gewächshäuser zur Tomatenproduktion entstehen. Allein der Investor für die Gewächshäuser will bis zu 100 neue Arbeitsstellen in Kirchweidach schaffen.

Auf dem Foto der Vertragsunterzeichnung sind zu sehen (v.l.).: Matthias Hiegl, 2. Geschäftsführer GEOenergie Kirchweidach GmbH, Bernhard Gubo, Geschäftsführer GEOenergie Kirchweidach GmbH, Johann Krumbachner, Bürgermeister Kirchweidach, und Florian Fritsch, Geschäftsführer FG.de Unternehmensgruppe und Fröschl Geothermie GmbH.

INFO Geothermie

Die Geothermie (Erdwärme) ist die in der Erdkruste gespeicherte Wärme, die direkt oder zur Erzeugung von elektrischem Strom genutzt werden kann. Mit dem Geothermie-Kraftwerk in Kirchweidach wird ein Stück Energiewende Wirklichkeit: Die geplante Kraftwerksanlage wird eine jährliche elektrische Leistung von bis zu 7,5 Megawatt erreichen. Bei der Stromerzeugung mit dem bis zu 130 Grad heißen Thermalwasser entsteht Abwärme, die privat und gewerblich genutzt werden kann.

Die mögliche Wärmeauskopplung beträgt rund 13.000 Megawattstunden pro Jahr.

Der Betreiber stellt die Wärme, die entsteht, der Gemeinde zur Verfügung, um damit ein Fernwärmenetz zu beschicken So können nach der Fertigstellung des Kraftwerks im Jahr 2013 private Haushalte ebenso umweltfreundlich geheizt werden, wie auch Unternehmen, die sich im Gemeindegebiet Kirchweidach ansiedeln möchten. Über 100 neue Arbeitsstellen könnten entstehen.


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