Gaspipeline Der Metallwurm hat sich 36 km durch den Landkreis Altötting gefressen

Von Mike Schmitzer, 08.03.2018, 11:38 Uhr
Wie eine Autobahn erstrecken sich die Grabungsarbeiten für die Gaspipeline durch den Landkreis. Am Ende wird man nichts mehr davon sehen. (Foto: Klaus Vierlinger)

Das stählerne Ungetüm ist eines der ehrgeizigen Projekte der letzten Jahre

LANDKREIS ALTÖTTING. 88 Kilometer ist die volle Länge der Gaspipeline, die in Haiming startet und in Finsing, im Landkreis Erding, endet. Etwa die Hälfte der Strecke - rund 40 Kilometer - verläuft durch den Landkreis Altötting.

Der Durchmesser des Ungetüms beträgt 1,20 Meter - ein Kind könnte aufrecht darin stehen - und die Wandstärke liegt bei rund 2,5 Zentimeter.

Dieses Ding zu verlegen ist ein Mammutakt und gleich einer Walze arbeitet sich der Bautrupp auf Autobahnbreite über die Wiesen und Felder und durch die Wälder des Landkreises. Unter den Flüssen und Kanälen wird das Rohr mit kraftvollen Hydraulikgeräten durchgepresst.

Auch wenn nur noch vier Kilometer im Landkreis Altötting fehlen, so ist das „Projekt Monaco“ noch einige Monate davon entfernt, abgeschlossen zu sein.

Ein wichtiger Part ist die Festigkeitsprüfung der etwa 5.000 Schweißstellen, mit denen die Rohre verbunden werden.

Verantwortlich für alle, so genannten „zerstörungsfreien Prüfungen“ sind die Spezialisten der Firma „Metal Check“, die in Burgkirchen ihre Zelte - oder besser: Bürocontainer „aufgeschlagen“ haben.

Die Ingenieure Peter J. Frank und Alexander Wienerroither und deren Team sorgen dafür, dass im wahrsten Wortsinne „alles dicht“ ist.

Ganz ungefährlich ist das nicht, denn im vergangenen Jahr ist in Österreich bei einer Festigkeitsprüfung eine Gasexplosion entstanden. Ein TÜV-Mitarbeiter wurde dabei leider getötet.

„Dort wurde mit Gas die Festigkeit geprüft“, beschwichtigt Wienerroither. „Unsere Auftraggeber nehmen dafür Wasser. Bei einem Leck oder einem Bersten der Leitung spritzt höchstens etwas Wasser heraus.“ Wenn die Schweißnähte von den „Metal Check“-Spezialisten sowie vom TÜV überprüft wurden, und die Pipeline in ihrem etwa vier Meter tiefen „Grab“ ruht, dann soll sie mindestens für 50 Jahre dicht sein. Das versprechen die Experten.

Mit 90 Bar (im Autoreifen beträgt der Druck nur etwa 2,3 Bar) wird dann das russische Gas durch die Pipeline von Haiming nach Finsing strömen. Unterwegs gibt es einige Anschlussstellen für Abnehmer. Auch die OMV könnte für ein eventuelles Gaskraftwerk die Pipeline „anzapfen“.

Und wenn die Bauarbeiten letztlich abgeschlossen sind, wird nichts mehr an die Pipeline erinnern. Dafür sorgen Geologen, die dafür engagiert wurden, alles wieder in den Ursprungszustand zu versetzen.

Sehen Sie nicht den vollständigen Artikel? Klicken Sie hier für die erweiterte Darstellung. »