30.01.2018, 09:57 Uhr

Unglaublich Lieber soll der Freund sterben, bevor der Notarzt gerufen wird

Erst wurde der junge Mann bewusstlos gespritzt und dann versuchten die drei Kameraden diesen mit allen Mitteln wieder wach zu bekommen. (Foto: 123rf)Erst wurde der junge Mann bewusstlos gespritzt und dann versuchten die drei Kameraden diesen mit allen Mitteln wieder wach zu bekommen. (Foto: 123rf)

Drei Burghauser müssen sich wegen eines Mordversuchs an einem Kameraden verantworten

BURGHAUSEN/TRAUNSTEIN Der Vorfall, der sich im April 2017 ereignet hat, könnte aus einem Horrorfilm stammen, war aber bittere Realität.

Drei junge Männer, ein Deutscher, ein gebürtiger Russe und ein Kasache, alle wohnhaft in Burghausen, haben einen Kameraden erst bewusstlos gespritzt und dann brutal versucht, ihn wieder zurückzuholen. Dabei erlitt der Bewusstlose unter anderem einen Bruch des Augenhöhlenbodens und ein Lungenversagen. Es bestand konkrete Todesgefahr. Dennoch verzichteten die Täter bewusst darauf, den Notarzt zu holen und bedrohten sogar andere, die dies tun wollten.

Am Tattag hatten sich die Männer in der Wohnung einer Bekannten getroffen und dort spritzte einer der drei Angeklagten dem Geschädigten eine „zentral dämpfende Substanz“.

Kurz danach kam es zu einem Atemversagen und der Mann verlor das Bewusstsein.

Die drei Männer versetzten dem Bewusstlosen nun Schläge ins Gesicht, injizierten ihm selbst hergestellte Salzlösungen und versuchten stümperhaft eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchzuführen.

Die Wohnungsbesitzerin erkannte mit ihrem medizinischen Vorwissen den Ernst der Lage und wollte den Notarzt rufen. Mit Schlägen ins Gesicht hielten die drei Männer die Frau davon ab, und ihren Versuch, selbst Erste Hilfe zu leisten, vereitelten sie ebenfalls mit einer Ohrfeige.

Auch ein weiterer Mann, der sich in der Wohnung aufhielt, wurde von den Dreien körperlich bedroht, als er den Notarzt rufen wollte.

Er war es, der trotz der Drohungen später doch zum Telefon griff und damit vermutlich das Leben des Bewusstlosen rettete.

Das Martyrium dauerte knapp zwei Stunden

Knapp zwei Stunden dauerte das Martyrium des Mannes. Nachdem die Schläge ins Gesicht, die Injektionen und die Mund-zu-Mund-Beatmung nichts gebracht hatten, setzten sie ihn in die Badewanne und übergossen ihn mit kaltem Wasser, bis er unterkühlt war, wie eine Blaufärbung seines Gesichts zeigte. Als der heimlich alarmierte Notarzt eintraf, war der Bewusstlose in einem sehr schlechten Zustand. Seine Körpertemperatur war schon auf 28,5 Grad gesunken (normal ist 36,5 bis 37,4). Durch die Schläge war eine Gesichtshälfte geschwollen. Der Bruch des Augenhöhlenbodens (Orbitabodenfraktur) hatte eine starke Blutung ausgelöst, die durch die stümperhaften Versuche der Beatmung zu einem Bluteinfluss in die Lunge geführt hatten.

Laut Anklageschrift wäre ohne ärztliche Hilfe mit einem Tod des Mannes innerhalb einer Stunde zu rechnen gewesen.

Die drei Peiniger hatten sich übrigens beim Eintreffen des Notarztfahrzeugs aus dem Staub gemacht.

Wochenblatt-Informationen zufolge, existiert auch ein Handyvideo. Offenbar hat einer der Beteiligten einen Teil der Misshandlungen mitgefilmt. Die drei Burghauser müssen sich seit Dienstag in Traunstein wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung gegenüber dem Geschädigten verantworten. Angeklagt sind auch sechs Fälle von Körperverletzung gegenüber der Wohnungsinhaberin, die versucht hatte, zu helfen, beziehungsweise den Notarzt zu rufen.

Der dritte Anklagepunkt bezieht sich auf die Drohungen gegenüber dem Mann, der schließlich den Notarzt verständigte. Hier lautet der Vorwurf „gemeinschaftliche Nötigung“.

Die drei Angeklagten müssen bei einer Verurteilung mit langen Haftstrafen rechnen.

Wir berichten online aktuell über den Prozess unter: www.wochenblatt.de/altoetting und natürlich in der nächsten Printausgabe.


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