07.12.2017, 13:46 Uhr

Fragen an einen Anlagespezialisten Was ist eigentlich ein BitCoin?


Die digitale Währung hat auch bei uns eine Art Goldgräberstimmung ausgelöst.

ALTÖTTING Der BitCoin ist in aller Munde. Viele versprechen sich von der digitalen Währung den schnellen Euro und tatsächlich ist dessen Wert in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Aber ist es eine gute Idee, jetzt noch auf den Zug aufzuspringen, oder ist hier eine Blase entstanden, die jederzeit zerplatzen könnte, so wie damals beim „Neuen Markt“ im Aktienbereich?

Fragen an den Anlagespezialisten der VR - meine Raiffeisenbank Thomas Grötzinger.

Herr Grötzinger, was halten Sie vom BitCoin?

Ich persönlich halte wenig davon. Es handelt sich um eine virtuelle Währung, die nicht für den regulären Zahlungsverkehr bestimmt ist und teils für anonyme und dubiose Geschäfte verwendet wird. Schließlich können Transaktionen an Regierungen und Banken vorbei abgewickelt werden.

Sie würden also keine BitCoins kaufen?

Nein, das würde ich nicht.

Erklären Sie uns doch bitte, was der BitCoin genau ist, und wie er entstanden ist.

Es handelt sich um eine sogenannte Kryptowährung. Es gibt inzwischen mehrere solche digitale Währungen, aber der BitCoin ist die größte am Markt. Entwickelt wurde der BitCoin im Jahr 2008 von einem oder mehreren Programmierern unter dem Namen „Satoshi Nakamoto“, bei dem man davon ausgeht, dass es sich nur um ein Pseudonym handelt. Anders als die herkömmlichen Währungen wird der BitCoin nicht von den Zentralbanken anerkannt und benutzt, sondern von einem BitCoin-Netzwerk verwaltet.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Wert

Wie wurde der Wert des BitCoin festgelegt?

2010 wurden die ersten Wechselkurse durch die Personen in dem BitCoin-Netzwerk festgelegt. Bis Mitte 2011 kostete ein BitCoin etwa 10 US-Dollar. Nach diversen Schwankungen ist der BitCoin 2017 sehr stark angestiegen. Am 29. November war ein BitCoin sogar ca. 11.400 US-Dollar wert, verlor aber kurz darauf wieder 20 Prozent. Mittlerweile erreichte der Kurs wieder neue Höchststände. Die Schwankungsintensität ist aktuell enorm.

Der Wert wird grundsätzlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Die maximale Geldmenge ist auf 21 Millionen Einheiten festgelegt und kann nicht durch einzelne Teilnehmer beeinflusst werden.

Was kann ich als Privatmann mit den BitCoins anfangen, außer damit zu spekulieren?

Es ist in erster Linie eine Spielweise von Leuten, die glauben, sie können das schnelle Geld verdienen. Es gibt aber auch begrenzte Möglichkeiten, den BitCoin online als Zahlungsmittel zu verwenden. Wegen der Anonymität werden jedoch immer wieder Befürchtungen laut, dass der BitCoin auch zur Geldwäsche verwendet wird, ebenso für Waffenkäufe, Pornografie oder Drogen.

Wie sicher oder besser unsicher schätzen Sie eine Investition in BitCoins ein, denn letztlich gibt man dafür reales Geld aus?

Wenn Sie zum Beispiel für 1.000 Euro BitCoins gekauft haben und der Wert sinkt um 20 Prozent, dann haben sie beim Wiederverkauf 200 Euro Ihres echten Geldes verloren. Es handelt sich, im Gegensatz zu Unternehmensaktien, hier um eine virtuelle Währung, bei der kein echter Wert dahinter steckt. Der zuletzt kräftig gestiegene Kurs weckt bei manchen Leuten die Begehrlichkeit, auf diese Art das schnelle Geld zu verdienen. Das treibt die Preise in die Höhe und die Vergangenheit hat uns gezeigt, das kann hinsichtlich eines Kursrutsches sehr gefährlich sein. Deshalb ist das Risiko sehr groß. Ob uns nun eine Blase bevorsteht, die platzt und den Kurs in den Keller sausen lässt, kann ich nicht sagen. Aber die Bundesbank spricht eine klare Warnung vor dem BitCoin aus und äußert zudem, dass Kryptowährungen in einem vorhersehbaren Zeitraum für sie keine realistische Option darstellen.

Es ist also wie im Spielcasino: Gewinnen oder verlieren?

Genau so ist es.


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