01.03.2017, 15:47 Uhr

Die etwas andere Kolumne von Mike Schmitzer Der Briefkasten

Foto: 123rf (Foto:Schmid)Foto: 123rf (Foto:Schmid)

Der Kampf mit dem Briefkasten

Folgende Situation: Im Briefkasten liegt ein wichtig aussehender Brief, wie ich durch den Schlitz erkennen kann. Dummerweise komme ich nicht ran, weil der einzige Briefkastenschlüssel am Schlüsselbund meiner Frau hängt und die unterwegs auf einer Städtereise ist. Ich warte schon seit mehreren Tagen auf einen ganz besonderen Brief und der da im Briefkasten könnte es sein. Nein, er muss es sein. Der Briefkastenschlitz ist etwa zwei Zentimeter breit und ich schiebe meine Hand so weit hinein, wie es irgendwie geht. Leider sind meine Finger zu kurz. Ich kann zwar mit dem Mittelfinger den Brief berühren, bekomme ihn aber nicht zu fassen. Verflixt, ich muss das Ding irgendwie herausbekommen, aber wie? Einer plötzlichen Eingebung folgend, stürze ich in die Küche, reiße die Besteckschublade auf und fische eine Küchenzange heraus. Mit dem Ding wendet meine Frau immer die Schnitzel in der Pfanne. Ich nutze die Küchenzange wie eine überdimensionale Pinzette und versuche, durch den Schlitz den wichtig aussehenden Brief heraus zu fischen. Mit einem dumpfen „Klonk“ verschwindet die Zange im Bauch des Briefkastens. „Du Drecksding“, schreie ich den Briefkasten an. Der blickt mich nur amüsiert durch sein Schlüssellochauge an. „Na warte, aber jetzt ...“ Erneut reiße ich die Küchenschublade auf, diesmal so schwungvoll, dass das Besteck scheppert. „Hm was nehme ich jetzt“, frage ich mich selbst. Ich fische die Steakgabel heraus, mit der ich im Sommer beim Grillen immer die Fleischstücke auf den Rost wuchte. Um in den engen Schlitz hineinzukommen, halte ich die Gabel zwischen Daumen und Zeigefinger. Es gelingt mir, den Brief „aufzugabeln“ aber kurz bevor der Umschlag den Schlitz erreicht macht es wieder „Klonk“ und auch die Steakgabel ist in den Tiefen des Briefkastens verschwunden. „Oh neiiiinnn!“ Ich rufe meinen Sohn Fabi zu Hilfe. Mit seinen 14 Jahren hat er noch kleinere Hände als ich. „Papa ich komme nicht an den Brief ran“, ächzt er, die Finger im Briefkastenschlitz. Fabi verschwindet kurz, ich höre die Küchenschublade scheppern, und als er zurückkommt, hat er eine lange Reibe in der Hand. Ich glaube, meine Frau reibt damit den Parmesan auf. Um meine Nerven zu schonen, setze ich mich in meinen Lieblingssessel im Wohnzimmer und lasse Fabi mit der Reibe den Briefkasten bearbeiten. „Also die Küchenzange habe ich erwischt“, schmunzelt er. „Den Brief leider nicht.“ Ich fische mein Handy aus der Hosentasche und schreibe meiner Frau resigniert eine Nachricht: „Kann es sein, dass Du den einzigen Briefkastenschlüssel dabei hast?“ Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Ich habe Dir doch gesagt, dass mein Schlüssel auf dem Küchenschrank über der Mikrowelle liegt. Hast Du wieder nicht aufgepasst?“ Es war nicht der von mir erwartete wichtige Brief, sondern eine Einladung des Gartenbauvereins. Trotzdem gut, dass ich den Schlüssel noch gefunden habe (räusper) sonst wären uns möglicherweise die Küchenutensilien ausgegangen ... Mike Schmitzer


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