01.03.2017, 15:53 Uhr

Die etwas andere Kolumne von Mike Schmitzer Die ich rief, die Geister ...

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Tu doch endlich mal das Handy weg!

Die ich rief, die Geister ... werde ich nun nicht mehr los. Kennt ihr das Zitat aus „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe? Ihr habt wahrscheinlich genau so wie ich in der Schule gefehlt, als dieses Gedicht dran war.

Jedenfalls muss ich immer an diesen Satz denken, wenn meine Frau ihr Smartphone in der Hand hält. „Die ich rief, die Geister ...“ Blättern wir doch mal ein paar Jahre zurück in die - aus heutiger Sicht gesehen - gute alte Zeit.

Vor zwei Jahren besaß meine Frau noch ein Steinzeithandy und war glücklich damit. Ihr kennt ja diese Dinger mit daumennagelgroßem Display, mit denen man nur telefonieren und SMS schreiben kann. 2015 war ich schon acht Jahre mit dem Smartphone unterwegs und ein glühender Verfechter dieser Hightech-Geräte.

Aus dem Bekanntenkreis wusste ich, dass die Frauen die abgetragenen Handys der Männer erhalten, mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Männer kein so schlechtes Gewissen dabei haben, wenn sie sich jedes Jahr die neuesten Modelle bestellen.

Vor zwei Jahren konnte ich endlich meine Frau bequatschen, ihr Primitivhandy gegen mein „abgetragenes“ Smartphone einzutauschen. Anfangs war sie natürlich erschlagen von den vielen Möglichkeiten, aber sie fand sich erstaunlich schnell damit zurecht.

Plötzlich war sie aktiv auf Facebook, gründete mit ihren Freundinnen „WhatsApp“-Gruppen und zeigte mir stolz ihre Smartphone-Fotos. Der Zauberlehrling, also ich, beobachtete zufrieden die Entwicklung des beschworenen Geistes und ermutigte ihn sogar noch zur intensiveren Nutzung des Smartphones.

Wie im Zauberlehrling gerieten die Geister - in meinem Fall ist es ja nur einer - aber irgendwann völlig außer Kontrolle. Fernsehabend im Hause Schmitzer:

Ich: „Sag mal, musst Du eigentlich die ganze Zeit in Dein Handy reinschauen?“

Sie: „Was stört Dich denn daran?“

„Irgendwie sehe ich aus den Augenwinkeln immer das Licht des Displays.“

„Ich hab das Handy doch eh schon dunkler eingestellt.“

„Und außerdem nervt es mich, wenn Du ständig das Ding in der Hand hast.“

„Das ist aber nicht mein Problem. Schau doch einfach nach vorne zum Fernseher, dann musst Du Dich nicht aufregen.“

„Was machst Du denn damit bloß die ganze Zeit?“

„Ich muss noch Sabine bei WhatsApp antworten und dann spiele ich mein Spiel weiter.“

Ihr müsst wissen, sie ist regelrecht süchtig nach diesen Match-3-Puzzlespielen. Ich: „Warum schauen wir überhaupt einen Film? Du bekommst doch überhaupt nichts davon mit.“

Sie: „Doch ich kann nämlich beides, mit dem Handy spielen und Film gucken.“

„Aha, dann erklär mir doch mal, was eben passiert ist ...“

Sie erklärt korrekt die Handlung und benennt dabei sogar die Filmcharaktere. Ein Kunststück, das mir trotz vollster Konzentration auf den Film selten gelingt.

Ich: „Mein Gott, dann schau doch weiter in das blöde Ding.“

Sie: „Keine Sorge, das mache ich schon ...“ Der alte Goethe hätte vermutlich seine Freude an uns gehabt ...

Mike Schmitzer


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