01.03.2017, 15:24 Uhr

Die etwas andere Kolumne von Mike Schmitzer Sind Sie nicht ... ?

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Der Miekä oder?

„Ich kenne Sie doch aus der Zeitung. Sind sie nicht dieser Miekä, der jede Woche so lustige Geschichten schreibt. Miekä Schmitzer, das sind Sie doch?“ Die ältere Dame sieht mich erwartungsvoll aus blitzenden blauen Äuglein an. „Stimmt, das freut mich aber, dass Sie meine Geschichten gerne lesen.“ Wer würde sich da nicht freuen? Obwohl ich gestehen muss, dass ich mich in solchen Situationen auch ein bisschen geniere. Ganz seltsam fühlt es sich für mich an, wenn ich jemandem mein Buch signieren soll. Schaut mir die Person dann auch noch dabei zu, wird es schwierig. Ich schreibe langsam Buchstabe für Buchstabe, um nur ja keinen zu vergessen, und meine Unterschrift verunglückt zuweilen bis zur Unkenntlichkeit. Ich denke das liegt daran, dass ich zwar stolz auf das bin, was ich mache, aber nicht finde, dass es eine große Sache ist. Wenn man rund 300 Kolumnen geschrieben hat, Woche für Woche, und immer auf Seite 4, dann ist die Chance groß, dass sie auch gelesen werden. Nicht weil sie so unheimlich gut sind, sondern weil so etwas wie der „Tagesschau-Effekt“ eintritt. Die Schmitzer-Kolumne gehört eben einfach irgendwann dazu. Das ist so etwas wie ein Fixpunkt im Leben. Und dann die Sache mit dem Buch. Es ist schon irgendwie toll, ein richtiges Buch in den Händen zu halten, mit dem eigenen Namen vorne drauf. Aber mit dem Buch kamen auch die Anfragen nach Lesungen. Viele Anfragen. Eine sogar aus dem Ruhrpott. Fragt mich nicht, wie die auf mein Buch gekommen sind. Ich entschuldige mich bei dieser Gelegenheit offiziell bei der Bücherei-Leiterin meines Heimatorts, die mich schon mehrmals gefragt hat und die ich immer wieder vertröstet habe. Die Wahrheit ist: Der Gedanke an eine Autorenlesung fühlt sich für mich einfach total seltsam an. Mich vor Publikum hinzusetzen und meine eigenen Geschichten vorzulesen, das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Ich glaube, ich wäre schrecklich nervös. Nun wissen einige von euch, dass ich früher beim Rundfunk gearbeitet habe. Da drängt sich natürlich die Frage auf: Wie schafft man es, problemlos vor tausenden Menschen zu moderieren, bekommt aber den Flattermann bei dem Gedanken an eine Lesung vor ein paar Dutzend Leuten? Nun, beim Radio sieht man ja nur das Mikrofon vor sich und stellt sich einen einzelnen Hörer stellvertretend für alle anderen vor. Und dem erzählt man dann alles. Wenn ich meine Kolumnen schreibe, stelle ich mir auch immer nur einen einzelnen Leser vor, dem ich meine Geschichten erzähle. Ich denke, ihr versteht jetzt, warum es keine Lesungen mit mir gibt. Und wenn ihr mich irgendwo laufen seht, sprecht mich gerne an. Ich freue mich. Aber behandelt mich bitte wie einen ganz normalen Menschen, okay?

Mike Schmitzer


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