18.03.2015, 14:06 Uhr

Start zur Burghauser Jazzwoche 7. europäische Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis 2015

Die Sieger des Nachwuchspreises bei der Burghauser Jazzwoche, die Gruppe  "Malstrom" mit (von links) Axel Zajac, Jo Beyer und Salim Javaid. (Foto: Robert Piffer) Foto: Robert PifferDie Sieger des Nachwuchspreises bei der Burghauser Jazzwoche, die Gruppe "Malstrom" mit (von links) Axel Zajac, Jo Beyer und Salim Javaid. (Foto: Robert Piffer) Foto: Robert Piffer

Die Entscheidung fiel einstimmig: Der 7. europäische Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis 2015 ging am Dienstagabend im Burghauser Stadtsaal an das deutsch-tschechische Trio "Malstrom".

BURGHAUSEN Die Jury würdigte damit die Kreativität und Extravaganz  der Band, die so gar nicht dem entsprach, was man üblicherweise von einem Jazztrio erwartet. Das von vielen im Stadtsaal favorisierte "klassische" Klaviertrio  "Holon" mit Musikern aus Schweden, Dänemark und Deutschland landete auf Platz zwei. Die Entscheidung der IG Jazz, nach dem übergroßen Andrang 2014 den Nachwuchswettbewerb diesmal für die Besucher nicht mehr zum Nulltarif anzubieten, hat der in der Vergangenheit immer wieder zu den Highlights der Jazzwoche zählenden Veranstaltung keinen Abbruch getan. Der Stadtsaal war am Dienstagabend ausverkauft. Dass sich das musikalische Angebot der Nachwuchsjazzer diesmal etwas anders präsentieren würde, zeigt bereits die Auswahl der Gruppen, die es in das Finale geschafft hatten: Drei Gitarren-Trios, dazu ein Quartett, das ebenfalls von einem Gitarristen dominiert wurde und mit dem "Holon-Trio" eine einzige klassische Jazzformation. Sanfte und lyrische Töne wechselten sich ab mit rockigen, teilweise orkanartigen Klanggewittern. Die über 600 Zuhörer zollten den Akteuren auf der Bühne immer wieder begeisterten Applaus. Was die Jury nicht immer mitbekam, weil Joe Viera,  BR-Musikredakteur Roland Spiegel, und die Musikjournalisten Ralf Dombrowski (SZ) und Reinhard Köchl (Jazzthing) jeweils nach exakt 20 Minuten den Saal verließen, um so jedem Wettbewerber die gleiche Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen. Viel später als im vergangenen Jahr, nämlich erst um 23.15 Uhr, gab die Jury schließlich ihre Entscheidung bekannt. Ein einstimmiges Votum habe es gegeben, versicherte Reinhard Köchl, Schwierigkeiten habe es allenfalls bereitet, die Entscheidung zu begründen. Schließlich sei "Malstrom" schon eine sehr ungewöhnliche Band. Da steckte Saxofonist Salim Javaid schon mal einen Plastikbecher in sein Instrument oder entfernte  das Mundstück, um wie mit einer Flöte auf dem Saxofon zu spielen. Und Gitarrist Axel Zajac, der mit seinem roten Rauschebart daher kam wie eine Mischung aus Rumpelstilzchen und Rübezahl bearbeitete eine Gitarre mit viel zu viel Saiten, eine Sonderanfertigung mit extrabreitem Griffbrett. Und auch wenn sich die Jury, Köchl zufolge, die Frage gestellt  hatte: "Was haben die genommen?", am Ende habe "Malstrom" den besten Auftritt des Abends hingelegt. Belohnt wurde das von Bürgermeister Hans Steindl mit einem Scheck über 10 000 Euro. Zudem zeichnete Steindl auf Vorschlag der Jury den Gitarristen Marius Peters mit dem mit 1000 Euro dotierten Solistenpreis aus. Weil die Vergabe dieses Preises nicht vorgesehen war, konnte Peters auf der Stadtsaalbühne keinen Scheck entgegen nehmen. er musste sich das Preisgeld am Mittwoch im Büro des Bürgermeisters abholen. Für das "Holon-Trio", das den zweiten Platz belegte, gab es kein Preisgeld. Der schwedische Pianist Povel Widestrand, Bassist Hoigaard Jensen aus Dänemark und der Kölner Schlagzeuger Lukas Akintaya dürfen dafür im Herbst im Birdland-Club in Neuburg an der Donau auftreten und das dortige Konzert wird live vom Bayerischen Rundfunk übertragen. Böse Zungen behaupteten nach der Preisverleihung im Stadtsaal das "Holon-Trio" sei deswegen auf Platz zwei gesetzt worden, weil dessen Musik rundfunktauglicher sei als die von "Malstrom". Die Jury hat diesem Gerücht aber vehement widersprochen.


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