«Tianzhou 2»

Probleme verzögern Chinas Cargoflug zu Raummodul

20.05.2021 | Stand 30.05.2021, 14:39 Uhr

Guo Wenbin/Xinhua/dpa

Komplikationen beim Start des Raumschiffes «Tianzhou 2» erhöhen den Druck auf Chinas Raumfahrtprogramm. Satelliten, Raumstation sowie Rover auf Mond und Mars - die Techniker haben alle Hände voll zu tun.

Technische Probleme verzögern weiter den Flug des unbemannten Raumschiffes «Tianzhou 2» mit Fracht für das Kernstück der zukünftigen chinesischen Raumstation.

Nachdem der Start am Vortag schon in letzter Minute verschoben werden musste, verzichtete Chinas Raumfahrtprogramm am Donnerstag darauf, einen zweiten Anlauf zu unternehmen. Die Rakete vom Typ «Langer Marsch 7» stand weiter auf dem Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan, während die nicht näher beschriebenen Probleme gelöst werden mussten.

Raumfahrtexperten hatten zunächst einen möglichen neuen Startversuch für Donnerstag um 19.09 Uhr MESZ erwartet. Auch verhängte die Polizei die für einen Start üblichen Verkehrsbeschränkungen um den Raumfahrtbahnhof. Anders als am Vortag hielt sich das chinesische Raumfahrtprogramm jedoch mit Vorhersagen zurück, ob ein neuer Startversuch möglich sein wird.

Bei der Verschiebung am Vortag hatte das Raumfahrtprogramm lediglich von «technischen Gründen» gesprochen. Ein neuer Starttermin solle «zu gegebener Zeit» entschieden werden. «Tianzhou 2» (Himmlisches Schiff) soll Versorgungsgüter und Treibstoff zu dem «Tianhe» (Himmlische Harmonie) genannten Hauptteil der Raumstation bringen, die bis Ende des nächsten Jahres fertiggestellt werden soll.

Der Flug ist die Voraussetzung für die - nach unbestätigten US-Berichten zumindest bisher für den 10. Juni geplante - Mission von drei Astronauten mit «Shenzhou 12» zu dem Kernmodul. Sie sollen drei Monate bleiben. Der Frachtflug soll dafür neben Versorgungsgütern auch zwei Raumanzüge für Weltraumspaziergänge und Ausrüstung für den Bau der Raumstation transportieren. Ob es ein Problem mit der Rakete oder dem Raumschiff gibt, war unklar.

Die zweistufige Trägerrakete «Langer Marsch 7 Y3» ist in dieser Variante bereits zweimal geflogen - zuletzt vor zehn Monaten mit «Tianzhou 1». In einer anderen Konfiguration (7A) gab es mit diesem Raketentyp im März 2020 Komplikationen, als ein Satellit wegen eines Problems mit der ersten Raketenstufe nicht in die vorbestimmte Umlaufbahn gebracht werden konnte. Die 7er-Raketen gehören zu einer neuen Familie von «Langer Marsch»-Raketen, die die alten 2er, 3er und 4er Serien langsam ersetzen sollen.

Welche anderen Verzögerungen sich durch die unbestimmte Verschiebung des Fluges ergeben, ist unklar. Die Frachtmissionen mit den «Tianzhou»-Raumschiffen sind wichtiger Teil der Pläne für den Bau der Raumstation, die bis Ende nächsten Jahres fertiggestellt werden soll. Wegen anfänglicher Probleme mit dem leistungsfähigen neuen Raketentyp «Langer Marsch 5B» ist das Flugprogramm dafür ohnehin längst dichter gedrängt als vor Jahren noch vorgesehen.

Verantwortliche hatten zu erkennen gegeben, dass der Druck groß ist. So soll nach dem Flug der drei Astronauten im Juni schon im September eine weitere Frachtmission starten. Im Oktober sollen drei weitere Astronauten folgen. Nächstes Jahr sollen zwei jeweils gut 20 Tonnen schwere Labormodule ins All gebracht werden, die T-förmig an das Kernmodul anmontiert werden. 2022 sind zusätzlich zwei Frachtflüge sowie zwei bemannte Missionen geplant.

Klappt alles mit dem Bau der Raumstation, wäre China die einzige Nation, die noch einen ständigen Außenposten im All betreibt, wenn die internationale Raumstation ISS in den nächsten Jahren wie geplant ihren Dienst einstellen wird. Es verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm. Erst am Samstag war China als zweite Nation nach den USA eine erfolgreiche Landung auf dem Mars gelungen, wo ein Rover zum Einsatz kam. Am Mittwoch wurde ein weiterer Satellit zur Meeresbeobachtung ins All gebracht. Auch betreibt China gegenwärtig einen Rover auf der erdabgewandten Seite des Mondes.