Verbraucherpreise

Inflation erstmals seit zwei Jahren wieder bei 2 Prozent

12.05.2021 | Stand 12.05.2021, 15:26 Uhr

Fabian Sommer/dpa

Fürs Tanken und Heizen müssen die Menschen in Deutschland im April deutlich mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Das hat Folgen für die Verbraucherpreise insgesamt.

Überdurchschnittlich stark gestiegene Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im April auf den höchsten Stand seit zwei Jahren getrieben. Das Statistische Bundesamt errechnete für den Monat eine jährliche Teuerungsrate von 2,0 Prozent.

Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit am Mittwoch vorläufige Daten. Eine so hohe Rate hatte es zuletzt im April 2019 gegeben. Seit dem Auslaufen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung Ende 2020 sind die Verbraucherpreise damit den vierten Monat in Folge gestiegen.

Angetrieben wurde die Inflation vor allem von den Energiepreisen (plus 7,9 Prozent). Dabei schlugen die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe und der Preisrückgang bei Energieprodukten vor einem Jahr durch. Zu Beginn der Pandemie 2020 waren die Rohölpreise wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt eingebrochen.

Besonders tief in die Tasche greifen mussten Verbraucher im April im Vergleich zum Vorjahresmonat für Sprit (plus 23,3 Prozent) und Heizöl (plus 21,1 Prozent). Seit Anfang 2021 ist eine Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Das lässt die Preise fürs Heizen und Tanken klettern. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflationsrate bei 1,4 Prozent gelegen, ohne Heizöl und Sprit nur bei 1,2 Prozent.

Nahrungsmittel verteuerten sich binnen eines Jahres um 1,9 Prozent. Deutlich mehr zahlen mussten Verbraucher unter anderem auch für den Friseurbesuch und für Körperpflege (plus 6,1 Prozent). Friseure, Kosmetik- oder Nagelstudios leiden besonders stark unter den Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und haben zusätzliche Kosten durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen.

Von März auf April 2021 stiegen die Verbraucherpreise insgesamt um 0,7 Prozent.

Die Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank strebt für den gesamten Euroraum mit seinen 19 Ländern mittelfristig eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das kann die Wirtschaft bremsen.

In Deutschland lag der für die EZB-Geldpolitik maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI dem Bundesamt zufolge im April 2,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats und 0,5 Prozent über dem Stand von März 2021. Im Euroraum insgesamt stiegen die Verbraucherpreise nach jüngsten Daten des Statistikamtes Eurostat im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,6 Prozent.

Nach Einschätzung von Volkswirten werden die Verbraucherpreise sowohl in Deutschland als auch im Euroraum in diesem Jahr weiter anziehen. EZB-Direktorin Isabel Schnabel geht davon aus, dass die Rate in Deutschland bald 3 Prozent übersteigen könnte. 2020 sei die Inflation in der Corona-Pandemie bis in den negativen Bereich eingebrochen und 2021 dann kräftig gestiegen. Diese Entwicklung setze sich fort.

Konsequenzen für die EZB-Geldpolitik hätte auch eine Inflationsrate von 3 Prozent aber zunächst nicht, sagte Schnabel jüngst in einem Interview. «Unsere geldpolitische Strategie ist mittelfristig ausgerichtet, und das bedeutet, dass wir durch all diese kurzfristigen Schwankungen hindurchschauen.»