DFB-Pokal

Nagelsmann will Titel-Abschied aus Leipzig

01.05.2021 | Stand 11.05.2021, 17:12 Uhr

Carmen Jaspersen/dpa

Leipzig zieht nach einem Pokalkrimi in Bremen ins Endspiel ein. Nach dem zuvor beschlossenen Abgang von Trainer Nagelsmann war die Erleichterung allen anzumerken. Sogar der strenge Chef lächelte.

Vorstandschef Oliver Mintzlaff kündigte euphorisch eine Rennrad-Tour zum Pokalfinale an, Trainer Julian Nagelsmann bedankte sich in emotionalen Worten bei seiner Mannschaft.

Der nervenaufreibende Einzug ins Endspiel von Berlin bedeutete für RB Leipzig nach einer turbulenten Woche vor allem eines: maximalen Druckabfall. «Der Titel würde sehr viel bedeuten, um die Arbeit der letzten zwei Jahre zu krönen. Ich würde den Jungs gern das zurückgeben, was sie auch für mich tun», sagte Nagelsmann nach dem 2:1 nach Verlängerung bei Werder Bremen.

Im Finale am 13. Mai soll gegen Borussia Dortmund die Krönung von Nagelsmanns Amtszeit her, der sich nur zu gern mit dem Pokal zum FC Bayern München verabschieden würde. «Wir hatten viele emotionale Momente in den zwei Jahren, haben viele Erfolge gefeiert. Der Titel wäre das I-Tüpfelchen», sagte der 33-Jährige. Vom Dortmunder 5:0 im Halbfinale gegen Kiel zeigte er sich beeindruckt: «Die Fußballfans können sich auf ein offenes und spannendes Pokalfinale freuen.»

An dessen Ende soll im noch dünnen Geschichtsbuch des Clubs der erste Titel stehen. Es soll anders ausgehen als noch vor zwei Jahren, als man sich nach starker Anfangsphase den Bayern 0:3 geschlagen geben musste. Der Spielplan der Fußball-Bundesliga will es zudem so, dass Leipzig schon am 8. Mai (15.30 Uhr/Sky) beim BVB antreten muss. Nagelsmanns Bilanz ist bisher nicht berauschend, mit Hoffenheim und RB gewann er von zehn Spielen nur eins gegen Dortmund.

Es wird ein Kraftakt am Ende einer langen Saison. Das gilt selbstredend auch für Mintzlaff, der an Christi Himmelfahrt ordentlich Druck auf der Pedale braucht. Der 45-Jährige dürfte der erste Vereinschef sein, der zum Pokalfinale seiner Mannschaft mit dem Fahrrad anreist. «Ich bin jetzt kein Rennradfahrer, daher ist das für mich eine kleine Herausforderung», sagte Mintzlaff.

Schuld ist übrigens eine Wette mit einem Sponsor. Und Mintzlaff verbindet die Tortur durch die sanften Hügel Brandenburgs und Sachsen-Anhalts gleich mit einem guten Zweck. Für jeden gefahrenen Kilometer werden der Club sowie der mitfahrende Sponsor eine noch festzulegende Summe einzahlen, von der am Ende Fußbälle und Fahrräder an Kinder aus benachteiligten Familien und Wohngruppen in und um Leipzig gespendet werden. Mintzlaff, einst Langstrecken- und Crossläufer sitzt privat viel auf dem Rad und sollte die gut 170 Kilometer ohne Sauerstoffzelt bewältigen können.

Nagelsmann wird am 13. Mai vermutlich deutlich frischer als sein Chef im Berliner Olympiastadion stehen. Die Ansprüche werden aber dieselben sein. Nach der Bekanntgabe seines Wechsels zu Bayern München im Sommer hatte Mintzlaff den Titel quasi zur Bedingung für einen guten Abgang von Nagelsmann gemacht. Dass es den Coach zum großen Rivalen zieht, hat seine Sympathiewerte in Leipzig nicht unbedingt steigen lassen. Was Nagelsmann in Bremen spitz anmerkte: «Der eine oder andere hätte sich sicher gefreut, wenn es nicht geklappt hätte.»

Dass es am Ende geklappt hat, lag an einem Mann, der es unter Nagelsmann nicht immer leicht hatte. Auch in Bremen ließ der Leipziger Trainer Emil Forsberg zunächst auf der Bank, was dieser wenig lustig fand. Doch wie schon so oft in der Vergangenheit schaffte es der Schwede, seine Unzufriedenheit in einen wichtigen Treffer umzumünzen. In der Nachspielzeit der Verlängerung war Forsberg auf artistische Art und Weise zur Stelle und sorgte für ekstatischen Jubel bei allen Leipzigern. «Wir kämpfen für den Trainer, wir kämpfen für die Mannschaft, wir kämpfen für die Stadt und für die Fans», sagte Forsberg. Eigentlich hatte Nagelsmann ihn nach den Toren von Hee-chan Hwang und Leonardo Bittencourt als sicheren Elfmeterschützen eingewechselt.