DFB-Pokalfinale

«Es tut weh»: Nagelsmann geht ohne Titel nach München

14.05.2021 | Stand 14.06.2021, 21:25 Uhr

Martin Rose/Getty-Pool/dpa

Kein Titel. Kein glorreicher Abschied. Julian Nagelsmann wird Leipzig nicht als Pokalsieger zum FC Bayern verlassen. Um so wichtiger ist es für ihn, wenigstens die beste Saison der Clubgeschichte zu spielen.

Für den in Leipzig unvollendeten Julian Nagelsmann soll vor dem Wechsel zum FC Bayern München nun wenigstens ein Clubrekord als Trostpreis her.

Nach der krachenden Pleite im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund muss der Trainer am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg liefern, um bei RB Leipzig die von ihm angestrebten Fußstapfen zu hinterlassen. Käme RB am Ende der Bundesliga-Saison auf mehr als 67 Punkte, wäre dies immerhin eine interne Bestmarke.

Wie angefasst der titellose Nagelsmann von der Situation ist, zeigte die staubtrockene Antwort auf die Frage, was seine Ziele für die letzten beiden Spiele mit RB sind: «Zweimal verlieren.» Erreicht Nagelsmann dieses natürlich nicht ernst gemeinte Ziel, verpasst er praktisch beide Ziele, die ihm Vorstandschef Oliver Mintzlaff nach der Freigabe für einen Wechsel nach München vor zwei Wochen mit auf den Weg gegeben hatte. Und dann müsste man sich tatsächlich die Frage stellen, was langfristig von dem gehypten Coach bleibt.

Nagelsmann war nach dem 1:4 gegen Dortmund daran gelegen, sich selbst aus dem Scheinwerferlicht zu nehmen. Verständlich, aber in der aktuellen Konstellation sicherlich nicht mehr als ein blauäugiger Wunsch. «Es geht nicht um meine Person, sondern um den Club. Der hat es zum zweiten Mal in drei Jahren nicht geschafft, den Pokal zu gewinnen. Das ist ein schmerzhafter Moment», betonte Nagelsmann. «Ich hätte den Titel gern gewonnen, auch wenn ich hier noch 28 Jahre Trainer geblieben wäre. Das hat nichts mit meinem Weggehen zu tun.»

Und so blieb es im Nachgang des tristen Abends im Berliner Olympiastadion bei Aussagen, bei denen einige Fans die Augen verdrehen dürften. «Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen», tat Vorstandschef Oliver Mintzlaff kund. Die Frage lautet folglich: Wem dann? Auf der Suche nach einer Antwort landet man zwangsläufig bei Nagelsmann. Der hat gegen Dortmund eine Aufstellung mit Hee-chan Hwang und Alexander Sörloth im Angriff überrascht, die komplett verpuffte.

Einen Unterschied, der das deutliche Ergebnis rechtfertigte, sah Nagelsmann erstaunlicherweise nicht. «Wir waren nicht schlechter als der Gegner», sagte der 33-Jährige und führte den hohen Ballbesitzanteil und die vielen Torschüsse der Leipziger an. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der BVB Leipzig den Ball nach der frühen Führung zwangsläufig gern überließ. Und von den 22 Torschüssen gingen genau drei auch auf das Tor.

Unter seinem Nachfolger Jesse Marsch dürfte sich das wieder ändern. Der US-Amerikaner wird in Leipzig wieder RB-Fußball mit rasanten Kontern statt hohem Ballbesitz spielen lassen. Wie viel von Nagelsmanns Spielsystem und Stil dann noch übrig bleiben will, ist völlig offen. Deshalb dürfte dem Coach daran gelegen sein, den Punkterekord von bisher 67 Zählern zu verbessern und ein anspruchsvolles Erbe zu hinterlassen. Vor den letzten beiden Saisonspielen hat RB 64 Punkte auf dem Konto.

Mit etwas mehr Abstand zum Schlusspfiff hatte sich Nagelsmann auch wieder gefangen und sagte mit Blick auf die verbleibenden Bundesliga-Spiele das, was man eben sagen sollte. «Wir haben den Anspruch, die letzten beiden Spiele erfolgreich zu gestalten. Wir wollen einen fairen Wettbewerb bieten.»