In Impfzentrum in Friesland

Kochsalzlösung statt Biontech: Mitarbeiterin gesteht Austausch

25.04.2021 | Stand 25.04.2021, 15:28 Uhr

−Symbolbild: Sina Schuldt/dpa

Eine Mitarbeiterin des Impfzentrums Friesland hat eingeräumt, sechs Spritzen statt mit Biontech-Impfstoff nur mit Kochsalzlösung gefüllt zu haben.

Nach Behördenangaben war ihr beim Anmischen des Vakzins ein Fläschchen mit Biontech heruntergefallen, was sie vertuschen wollte. Für die sechs Betroffenen besteht nach Behördenangaben keine Gesundheitsgefährdung. Die Kochsalzlösung diene zum Verdünnen des eigentlichen Impfstoffes und sei als Substanz unschädlich, sagte am Sonntag der Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz.



Landrat: „Niemand wird mehr mit Impfstoff allein gelassen“

Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) sagte, der Fall sei für ihn zutiefst schockierend. Nach dem Bekanntwerden am Samstag sei sofort das Vier-Augen-Prinzip eingeführt worden. „Niemand wird mehr mit einem Impfstoff allein gelassen, dass solche Vertuschungen nicht mehr möglich sind.“ Die Beschuldigte ist examiniere Krankenschwester im Alter von etwa 40 Jahren und war beim DRK-Kreisverband Jeverland angestellt. Nach DRK-Angaben ist ihre Kündigung auf dem Weg. Die Polizei nahm in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Oldenburg Ermittlungen wegen eines möglichen Körperverletzungsdelikts auf.

Die Frau hatte am Samstag einer Kollegin im Vertrauen von dem drei Tage zurückliegenden Vorfall erzählt. Sie war in der Frühschicht für das Vorbereiten der Spritzen zuständig, impfte aber nicht selbst. Die Kollegin informierte sofort ihre Vorgesetzten. Die Beschuldigte habe vollständig ausgesagt, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, Heiko von Deetzen. „Sie wirkte sehr authentisch und sehr betroffen.“ Die Ermittler gehen derzeit von einem Einzelfall aus.

Gesundheitsministerin „fassungslos und erschüttert“

„Ich bin fassungslos und erschüttert über die Handlungen dieser Frau. Es handelt sich um ein schweres Vergehen“, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). Das Land unterstütze den Landkreis bei der Aufklärung. Der Leiter des Impfzentrums Friesland, Uwe Nitsche, geht davon aus, dass der Beschuldigten am Mittwoch kurz vor 8 Uhr die Ampulle herunterfiel. Um sicherzugehen, sollen alle 200 Personen, die am 21. April bis 13 Uhr geimpft wurden, einen Antikörpertest erhalten. Mit dem Antikörpertest am 5. Mai kann geklärt werden, wer kein Biontech erhielt und bei wem die Impfung deshalb am 12. Mai nachgeholt werden muss.

Das Impfzentrum Friesland befindet sich in einer ehemaligen Schule in Roffhausen, das zur Gemeinde Schortens gehört. Wenn die Frau ihr Missgeschick sofort gemeldet hätte, wäre dies kein Problem gewesen, betonte Nitsche. Es hätten keine Impfberechtigte nach Hause geschickt werden müssen, weil es immer kurzfristige Stornierungen gebe.

Keine Meldepflicht für heruntergefallene Impfstoff-Dosen

„Grundsätzlich gehen die Impfzentren sehr verantwortungsbewusst mit den Impfstoffen um“, sagte die Sprecherin des Gesundheitsministerium, Stefanie Geisler, der Deutschen Presse-Agentur. Sie seien an hohe Auflagen und Qualitätsstandards gebunden. Besondere Vorkommnisse müssten dem Land gemeldet werden. Es gebe aber keine Meldepflicht, wenn Ampullen mit Impfstoff herunterfallen oder zerbrechen. „Wir werden diesen Vorfall noch einmal zum Anlass nehmen und mit den Impfzentren die Prozesse, auch mit dem besonderen Hinweis auf das Vier-Augen-Prinzip in der Anmischung der Impfstoffe, durchleuchten“, sagte die Sprecherin.

− dpa