Klage angekündigt

Corona-Eklat um Tennis-Star: Australien schickt Djokovic nach Hause

06.01.2022 | Stand 06.01.2022, 8:25 Uhr

Novak Djokovic bei seinem letzten Erfolg bei den Australian Open im Februar 2021. −Foto: afp

Trotz seiner umstrittenen medizinischen Ausnahmegenehmigung für den Start bei den Australian Open haben Grenzschützer dem wohl ungeimpften Tennis-Star Novak Djokovic die Einreise verweigert. Der geht nun gerichtlich dagegen vor.

Das stundenlange Warten im Flughafen von Melbourne endete für Novak Djokovic mit einer bitteren Enttäuschung. Noch am Donnerstag muss der 34 Jahre alte Serbe die Heimreise antreten. „Das Visum für Novak Djokovic wurde gecancelt“, bestätigte Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt am Donnerstagmorgen (Ortszeit). Damit darf der Weltranglisten-Erste nicht einreisen, um bei den Australian Open auf Rekordjagd zu gehen.



Umstrittene Ausnahmegenehmigung

Trotz einer zuvor erteilten - und höchst umstrittenen - medizischen Ausnahmegenehmigung habe die australischen Grenzschutzbehörde die Einreise untersagt, berichtete die australische Nachrichtenagentur AAP. Djokovic habe keine geeigneten Beweise zur Erfüllung der Einreisebestimmungen vorgelegt, daher sei „das Visum anschließend storniert“ worden, hieß es in der Erklärung der Grenzschutzbehörde.

Mehrere Stunden am Flughafen verhört

Am Flughafen von Melbourne war Djokovic zuvor mehrere Stunden lang von den Beamten wegen offenkundiger Unstimmigkeiten mit seinem Visum verhört worden. Die Dokumente, die Djokovic vorgelegt hatte, sahen Medien zufolge medizinische Ausnahmen für Ungeimpfte gar nicht vor. Die Behörden des australischen Bundesstaats Victoria wurden deshalb eingeschaltet - und verweigerten ihm die Unterstützung. In australischen Medien wurde darüber spekuliert, dass sich Djokovic offenbar auf die Genesung von einer früheren Corona-Infektion berufen und so ohne die eigentlich vorgeschriebene Impfung ins Land kommen wollte.

„Niemand steht über diesen Regeln“

Wer nach Australien einreise, müsse sicherstellen, dass er dazu auch berechtigt sei und dies nachweisen könne, sagte Premierminister Scott Morrison. Dafür brauche es den Nachweis einer doppelten Impfung oder eine gültige medizinische Ausnahmegenehmigung. „Wenn man sich nicht an die Regeln hält, wird der Grenzschutz seinen Job machen - und sie haben ihren Job gemacht.“ Daran ändere auch das Intervenieren der serbischen Botschaft in Australien nichts. „Regeln sind Regeln, vor allem, wenn es um unsere Grenzen geht“, schrieb Morrison auf Twitter. „Niemand steht über diesen Regeln.“

Der Tross des Sportlers reagierte mit Unverständnis und Frust. Sein Sohn sei in einem bewachten Raum festgehalten worden, wurde Vater Srdjan Djokovic in serbischen Medien zitiert. Medienberichten zufolge wurde der weltbekannte Sportler gut zehn Stunden nach der Landung am Flughafen schließlich in ein bewachtes Quarantäne-Hotel gebracht, wo er bis zu seiner Ausreise bleiben sollte. Er will nun gerichtlich gegen seine Ausweisung aus Australien vorgehen. Gerichtsangaben zufolge wollte ein Richter um 16 Uhr (6.00 Uhr MEZ) über dessen Einspruch gegen die drohende Abschiebung verhandeln.

Impfstatus noch nicht öffentlich gemacht

Am Dienstag hatte Djokovic nach wochenlangem Schweigen mitgeteilt, er werde dank einer solchen Ausnahmegenehmigung nach Australien fliegen. Seinen Impfstatus hat er noch immer nicht öffentlich gemacht. Wäre er geimpft, bräuchte er aber auch keine Ausnahmegenehmigung. In Australien hatte der Eindruck einer Vorzugsbehandlung für den populären Sportler Wut und Empörung ausgelöst - zumal selbst zahlreiche im Ausland lebende Australier während der Pandemie aufgrund drastischer Infektionsschutzregeln lange nicht zurück in ihre Heimat reisen durften.

Djokovic hat die Australian Open bereits neunmal gewonnen und wollte als Titelverteidiger auch diesmal unbedingt antreten. Bei einem Sieg hätte er seine Konkurrenten Roger Federer und Rafael Nadal mit Grand-Slam-Triumph Nummer 21 hinter sich gelassen.

dpa