Vorwurf der Kinderpornographie

30 Jahre später: Ex-Babymodel vom Nirvana-Cover zieht vor Gericht

25.08.2021 | Stand 25.08.2021, 16:41 Uhr

Klassiker der Musikgeschichte: Nirvanas Album „Nevermind“ verkaufte sich seit seiner Veröffentlichung 1991 über 30 Millionen Mal und zählt zu den erfolgreichsten der Musikgeschichte. −Foto: Unsplash

Von Uwe Ziegler

Es gibt einige Plattencover, die man fraglos als ikonisch bezeichnen darf. Auch Nirvanas "Nevermind" zählt dazu. Ziemlich genau 30 Jahre nach Erscheinen des Albums zieht Spencer Elden, der damals als nacktes Baby unter Wasser das Cover zierte, vor Gericht.

Sein Vorwurf: Kinderpornographie. Elden war damals vier Monate alt. Das Foto schoss Kirk Weddle, ein Freund seines Vaters. Zu sehen ist ein Baby unter Wasser, davor eine an einem Angelhaken befestigte Dollarnote, die nachträglich zu dem Foto hinzugefügt wurde. Eldens Eltern erhielten 200 US-Dollar für das Foto, das nach 15 Sekunden im Kasten war.

Die Plattenfirma Geffen Records ließ vorsichtshalber ein alternatives Cover anfertigen aus Sorge darüber, dass der gut sichtbare Penis des Babys zu Unmut in der Öffentlichkeit führen könnte. Kurt Cobain, Songwriter und Sänger der Band, bot einen Kompromiss an. Er schlug einen Aufkleber über dem Geschlechtsteil des Babys vor. Auf dem Sticker wollte er eine Botschaft, das jene der Phädophilie bezichtigen sollte, die an dem Foto Anstoß nähmen. Am Ende entschied sich Geffen Records für das unzensierte Bild.



„Nevermind“ verkaufte sich über 30 Millionen Mal

Nirvana waren damals nur in Grunge-Kreisen bekannt, "Nevermind" ihr zweiter Longplayer. Es geriet, vor allem dank der Single-Auskopplung „Smells Like Teen Spirit“, zum Bestseller und verkaufte sich bis heute über 30 Millionen Mal. Das Plattencover kennt jeder Musikfan. Das Musikmagazin „Rolling Stone“ führt das Album auf Platz 17 der 500 besten Alben aller Zeiten. Spencer Elden ließ sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals im Zusammenhang mit dem Albumcover fotografieren. Zuletzt 2016 zum 25-jährigen Jubiläum des Albums in derselben Pose unter Wasser, diesmal mit Badeshorts. Fotograf John Chapple zahlte ihm denselben Betrag, den ein Vierteljahrhundert vorher seine Eltern erhalten hatten: 200 US-Dollar.

Elden identifizierte sich auch darüber hinaus mit dem Album: Seine Brust ziert ein Tattoo mit der Aufschrift "Nevermind". Dennoch konnte er seinen Groll schon vor fünf Jahren nicht verbergen. Es fühle sich dumm an, Interviews über das Cover zu geben, sagte er damals der "Time", „weil ich nichts damit zu tun hatte, und doch auch eine Menge“. Jeder, der an dem Album involviert gewesen sei, hätte "Tonnen und Tonnen von Geld" verdient, argumentierte er. Er hingegen fühle sich, als sei er das letzte kleine Stück des Grunge Rock. "Ich lebe im Haus meiner Mutter und fahre einen Honda Civic." Versuche, die verbliebenen beiden Musiker von Nirvana zu kontaktieren, seien fehlgeschlagen. Cobain und seine Frau Courtney Love hatten nach dem Fotoshooting 1991 eingewilligt, mit Spencer Elden essen zu gehen, sobald dieser alt genug sei. Dazu sollte es jedoch nie kommen – Cobain beging im April 1994 Suizid.



Verstoß gegen die US-Gesetze

Jetzt, 30 Jahre nach Erscheinen des Albums, hat der 30-Jährige die Band verklagt und fordert Schadenersatz. Die Nacktdarstellung sei Kinderpornografie und verstoße gegen US-Gesetze, argumentiert er. Der US-Sender CBS berichtet, dass seine Eltern der Veröffentlichung des Bildes niemals schriftlich zugestimmt hätten. Im Raum stehen laut dem Magazin "Variety" mindestens 150.000 US-Dollar, die Elden von jedem Beklagten angeblich fordert. Das sind die noch lebenden Bandmitglieder Dave Grohl (heute bei den Foo Fighters) und Krist Novoselic, Kurt Cobains Witwe Courtney Love, Fotograf Kirk Weddle und Geffen Records.

Von Geffen Records und den beiden noch verbliebenen Bandmitglieder von Nirvana liegt bislang keine Stellungnahme zu den Vorwürfen vor.

− DK