Zwei Tage Streik: Zahlreiche Zugausfälle in Bayern erwartet

20.08.2021 | Stand 21.08.2021, 16:31 Uhr

Ein Fahrgast wartet am Bahngleis in der Haupthalle des Münchner Hauptbahnhofs.- Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Keine zwei Wochen nach dem letzten Streik legen Bahnangestellte erneut die Arbeit nieder. Viele Pendler und Reisende im Freistaat werden sich am Montag und Dienstag nach Alternativen umsehen müssen.

Pendler und Reisende müssen sich am Montag und Dienstag auch in Bayern auf Zugausfälle wegen des Lokführerstreiks einstellen. «Es gab ja keinerlei Angebote "Schwarz auf Weiß" auf Papier, nur Absichtserklärungen vor Mikrofonen und Kameras», sagte der bayerische Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Uwe Böhm, am Freitag mit Blick auf die erneuten Streiks. Die GDL hat ihre Mitglieder aufgerufen, im Personenverkehr von Montag, 2.00 Uhr, bis Mittwoch, 2.00 Uhr, ihre Arbeit niederzulegen. Im Güterverkehr soll der Ausstand schon am Samstagnachmittag um 17.00 Uhr beginnen.

Die Streiks betreffen den Freistaat genauso wie den Rest Deutschlands. Die Deutsche Bahn teilte mit, es komme voraussichtlich zu zahlreichen Zugausfällen. Man biete dennoch ein verlässliches Grundangebot. Die GDL hatte bereits in der vergangenen Woche den Fern- und Nahverkehr bei der Deutschen Bahn bestreikt. Der Konzern Bahn richtete einen Notfahrplan ein, musste den größten Teil der Fahrten aber streichen.

Die Ersatzfahrpläne für Fern- und Regionalverkehr würden noch erstellt, sagte eine Sprecherin des Münchner Regionalbüros der Deutschen Bahn am Freitag. Voraussichtlich fährt an den zwei Tagen noch ein Viertel der Fernzüge, im Regionalverkehr und bei S-Bahnen peilt die Bahn im Schnitt 40 Prozent an. Die Bahn kündigte an, die Auswirkungen des Streiks so gering wie möglich zu halten. Tickets für Fahrten, die von dem Streik am Montag und Dienstag betroffen sind, sollen auch schon ab diesem Wochenende bis einschließlich zum 4. September genutzt werden können.

Betroffen sind demnach auch die S-Bahnen in Nürnberg und München. In Nürnberg ist an den Streiktagen ein Stundentakt auf allen Linien geplant. In München gilt ein Ersatzfahrplan, nach dem alle Linien mindestens im Stundentakt verkehren. Auf stadtnahen Abschnitten werden Bahnen im 20- bis 40-Minuten-Takt unterwegs sein. Wo immer möglich sollten Langzüge eingesetzt werden, sagte ein Bahnsprecher.

Privatbahnen wie Agilis, Länderbahn, Bayerische Oberlandbahn oder Bayerische Regiobahn sind laut GDL nicht direkt betroffen. «Unsere Züge fahren ganz normal fahrplanmäßig», sagte eine Sprecherin der Bayerischen Regiobahn. Ähnlich äußerte sich eine Agilis-Sprecherin. Es könne aber zu Verzögerungen kommen, etwa wenn sich Fahrdienstleiter am Streik beteiligten. Neben Lokführern, Zugbegleitern und Servicepersonal würden auch Fahrdienstleiter ihre Arbeit niederlegen, es könne das ein oder andere Stellwerk betroffen sein, sagte GDL-Sprecher Erik Großmann.

Die GDL kämpft unter anderem für eine bessere Bezahlung und fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Die Deutsche Bahn hatte der GDL zwar 3,2 Prozent angeboten, die Erhöhung soll jedoch später greifen als gefordert. Auch bei der Laufzeit liegen die Vorstellungen auseinander. Die GDL will mit den neuen Streiks den Druck erhöhen. Die Mitglieder «streiken für mehr Löhne, für den Schutz ihrer Rente», sagte der Vorsitzende Claus Weselsky am Freitag in Berlin. Die Wut unter den Mitgliedern auf das Management sei groß.