Wirecard: Ermittler klagt über mangelnde Behördenkooperation

14.04.2021 | Stand 16.04.2021, 5:14 Uhr

Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Deutsche Sicherheitsbehörden kooperieren nach Ansicht von Sonderermittler Wolfgang Wieland bei der Aufklärung des Wirecard-Skandals nicht ausreichend mit dem Untersuchungsausschuss des Bundestags. Eigentlich solle er sich als «Scout» durch Akten und Dateien wühlen - «an solcher Materialfülle fehlte es hier», schreibt der vom Ausschuss eingesetzte Ermittlungsbeauftragte in seinem zehnseitigen Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den am Mittwoch auch «Spiegel» und SWR berichteten. Viele Antworten seien geschwärzt oder wegen strafrechtlicher Ermittlungen gesperrt worden. Wichtige Fragen seien daher ungeklärt geblieben.

Trotzdem kommt Wieland etwa zu dem Ergebnis, dass das Bundeskriminalamt bei mehreren Projekten mit Wirecard zusammenarbeitete und dabei «sicher ahnungslos den Bock zum Gärtner» machte. Das BKA müsse sich die Frage gefallen lassen, «ob sie nicht als Instanz zur Bekämpfung von Geldwäsche und Organisierter Kriminalität ihre Partner kritischer hätte unter die Lupe nehmen müssen».

Offen bleibt die Frage, ob Wirecard-Vorstand Jan Marsalek, der auf der Flucht ist, in die Arbeit von Geheimdiensten verwickelt war. Die Spionageabwehr des Bundesamtes für Verfassungsschutz habe bisher keine Belege, dass Marsalek an russische Nachrichtendienste angebunden gewesen sei. «Sie sucht weiter», schreibt Wieland.

Der ehemalige Berliner Justizsenator und Grünenpolitiker will seinen Bericht am Donnerstag im Untersuchungsausschuss vortragen. Direkt danach sollen zwei ehemalige Geheimdienstkoordinatoren der Bundesregierung aussagen. Unter anderem geht es dabei Lobbyismus für Wirecard und ein Treffen mit Marsalek.