Wirecard: Anti-Geldwäsche-Behörde weist Vorwürfe zurück

08.06.2021 | Stand 09.06.2021, 22:36 Uhr

Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Bei der Aufarbeitung des Wirecard-Skandals hat der Chef der Anti-Geldwäsche-Einheit des Bundes (FIU) Vorwürfe zurückgewiesen, Fehler gemacht zu haben. Im Untersuchungsausschuss des Bundestags sagte FIU-Chef Christof Schulte am Dienstag, er bleibe bei seiner Aussage vom Januar. Damals hatte er gesagt, dass die FIU ihrem gesetzlichen Auftrag vollumfänglich nachgekommen sei.

Der «Bayerische Rundfunk» hatte vor kurzem berichtet, die Commerzbank habe die FIU im Februar 2019 detaillierter über mögliche Unregelmäßigkeiten bei Wirecard informiert als bisher bekannt und eine Verdachtsmeldung «auf dem Silbertablett» serviert. Die FIU habe diese aber bis nach der Wirecard-Insolvenz liegen lassen.

Schulte wies diese Darstellung zurück. Verfolgungsmöglichkeiten in Deutschland hätten damals erkennbar nicht vorgelegen.

Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar hatte der FIU vorgeworfen, von der Commerzbank einen «perfekten Hinweis» auf Geldwäsche erhalten und nichts weiter veranlasst zu haben. Deswegen müsse Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bei der Behörde und im Ministerium Konsequenzen ziehen. So müsse Finanz-Staatssekretär Rolf Bösinger entlassen werden. Bösinger wurde am Dienstag im Untersuchungsausschuss als Zeuge erwartet.

Linke-Obmann Fabio De Masi hatte gesagt, der Milliardenbetrug bei Wirecard hätte bereits 2019 aufgedeckt und Kleinanleger besser geschützt werden können. Die Commerzbank habe eine «idiotensichere Ausarbeitung» über Geldwäscheverdachtsmeldungen bei Wirecard 2019 an die FIU geliefert.

Der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard hatte im Sommer 2020 eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro aus der Bilanz nicht aufzufinden waren. Die Ermittler gehen davon aus, dass der ehemalige Dax-Konzern über Jahre seine Abschlüsse fälschte.