Rekordzahl neuer Wohnungen: Dennoch Ziel verfehlt

14.04.2021 | Stand 16.04.2021, 5:25 Uhr

Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Trotz Corona-Pandemie sind in Bayern im vergangenen Jahr so viele neue Wohnungen gebaut worden wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Mit exakt 64 013 fertiggestellten Wohnungen wurde das von der Staatsregierung formulierte Ziel 70 000 neuer Wohnungen pro Jahr aber ein weiteres Mal verfehlt. Im Vergleich zu 2019 jedoch waren das gut 4200 Wohnungen mehr, ein Plus von 7,1 Prozent, wie das Statistische Landesamt am Mittwoch mitteilte.

Über ganz Bayern verteilt ist damit quasi eine neue Stadt von der Größe Ingolstadts hinzu gekommen, der zu Beginn der Corona-Krise befürchtete Einbruch ausgeblieben. Die Baubranche hatte im Lauf des vergangenen Jahres sowohl mit Lieferschwierigkeiten als auch mit fehlenden Bauarbeitern und Handwerkern aus Tschechien und osteuropäischen Ländern zu kämpfen. Lieferschwierigkeiten bei Baumaterialien machen sich seit Jahresbeginn wieder verstärkt bemerkbar.

Mehr neue Wohnungen hatte das Landesamt zuletzt im Jahr 2000 gezählt, damals waren es fast 73 000. Anschließend folgte eine jahrelange Flaute, die Hauptursache des heutigen Wohnungsmangels in Bayerns Städten. Der Tiefpunkt war das Jahr 2009 mit nur knapp 31 000 Wohnungen. «Die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen ist nach wie vor riesig und wird sich durch die Corona-Pandemie sicher noch vergrößern», sagte Hans Maier, der Direktor des Verbands der bayerischen Wohnungswirtschaft (vdw). «Wir brauchen Vorfahrt für den Wohnungsbau auf allen politischen Ebenen.»

Auch die aktuellen Zahlen deuten darauf hin, dass in Bayerns Städten gemessen am Bedarf nach wie vor zu wenig gebaut wird. 30 980 Wohnungen entstanden in neuen Mehrfamilienhäusern, Wohnheime mitgezählt. Knapp 25 000 Wohnungen wurden in Form von Ein- und Zweifamilienhäusern gebaut, wie sie auf dem Lande üblich sind. In den ländlichen Regionen ist der Wohnungsmangel weit weniger ausgeprägt. Die restlichen Wohnungen entstanden durch Umbau bestehender Gebäude oder in Gewerbe- und Bürogebäuden.

An der Spitze lag Oberbayern mit 24 809 Wohnungen; im Vergleich zu 2019 war das sogar ein leichter Rückgang um 0,1 Prozent. Den stärksten Zuwachs verzeichnete Niederbayern mit 1 244 Wohnungen, ein Plus von fast 20 Prozent.