Prozessfinanzierer sammelt Zehntausende Wirecard-Klagen

24.05.2021 | Stand 26.05.2021, 22:28 Uhr

Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Im Wirecard-Skandal nimmt die Klagewelle geprellter Gläubiger und wütender Aktionäre immer größere Formen an. Der britische Prozessfinanzierer Litfin hat mittlerweile die Ansprüche von 20.000 Wirecard-Geschädigten gesammelt und bereitet Klagen vor, «überwiegend» gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte. Litfin prüft demnach auch Klagen gegen die Wirecard AG und deren ehemalige Vorstände. Beauftragt ist die internationale Großkanzlei Pinsent Masons.

EY hatte die mutmaßlich seit etlichen Jahren gefälschten Wirecard-Bilanzen geprüft. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht bei Wirecard von «bandenmäßigem Betrug» aus und beziffert den mutmaßlichen Schaden auf über drei Milliarden Euro.

Ein Prozessfinanzierer streckt Gerichts- und Anwaltskosten vor. Bei erfolgreichen Klagen verlangen die Finanzierer eine hohe Provision, üblich sind 30 Prozent.

Die Prozessfinanzierung gilt als Wachstumsbranche, etablierte Anwaltskanzleien warnen vor schwarzen Schafen. «Geschädigte Anleger müssen vorsichtig sein und genau hinsehen, ob die Prozessfinanzierungsgesellschaft überhaupt genügend Kapital hat, Prozesse zu bezahlen», sagt der Münchner Anwalt Peter Mattil, der selbst Wirecard-Anleger vertritt.

Im Wirecard-Skandal hat auch die Anlegergemeinschaft SdK ihren Mitgliedern den Weg über Litfin empfohlen. «Litfin waren die einzigen, die auch Kleinanlegerklagen finanzieren», sagt der SdK-Vorsitzende Daniel Bauer.