Physiotherapeut wegen Vergewaltigung bei Massage verurteilt

29.04.2021 | Stand 01.05.2021, 8:10 Uhr

Sven Hoppe/dpa

Im Münchner Prozess gegen einen Physiotherapeuten wegen Vergewaltigungen hat das Gericht nun ein Urteil gesprochen. Dabei ließ es sich von der Geschichte des Angeklagten nicht beeindrucken.

Ein Physiotherapeut ist wegen Vergewaltigung seiner Patientinnen am Donnerstag zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht München I sah es als erwiesen an, dass er drei Frauen während der Behandlung missbrauchte. Für die Dauer von fünf Jahren wurde es ihm außerdem untersagt, als Physiotherapeut, Krankengymnast, Masseur oder Fitnesstrainer mit Patientinnen zu arbeiten, wie das Gericht mitteilte.

Die Verteidigung hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren gefordert, die Staatsanwaltschaft sieben Jahre. Sie hatte dem Mann vorgeworfen, zwei Patientinnen und eine Kollegin bei therapeutischen Behandlungen im Intimbereich angefasst und sie vergewaltigt zu haben.

Nach Gerichtsangaben ist der Angeklagte wegen ähnlicher Fälle bereits einschlägig vorbestraft. Das wirkte sich strafverschärfend aus - ebenso die Tatsache, dass er das Vertrauensverhältnis mit den Patientinnen ausnutzte.

Er soll sie am ganzen Körper berührt haben, obwohl sie sich nur wegen einer Sprunggelenks- oder Knieverletzung behandeln lassen wollten.

Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses bestritten, die Frauen vergewaltigt zu haben. Die Berührungen seiner Patientinnen begründete er mit medizinischer Notwendigkeit. Er habe eine «ganzheitliche Methode» verfolgt und lediglich «lange Muskelketten aktivieren» wollen.

Er habe seine Patientinnen in der Praxis in Unterhaching bei München gewarnt, dass er sie bei der Massage im Bereich des empfindlichen Beckenbodens berühren werde. Deutlicher habe er nicht werden wollen, um keine «Fantasie» anzuregen oder Bedenken bei den Frauen auszulösen. «Sonst fragen die noch: Was will der mit meiner Klitoris machen?», sagte er vor Gericht. «Eine berechtigte Frage», entgegnete der Vorsitzende Richter. Und so folgte das Gericht der Argumentation des Angeklagten nicht. Im Laufe des Verfahrens hatten sich nach Angaben eines Gerichtssprechers noch zwei weitere Frauen gemeldet, die ihm ähnliche Taten vorwerfen.