Romance Scam

Niederbayerin fällt auf falschen Arzt herein und verliert 50.000 Euro

20.07.2021 | Stand 20.07.2021, 13:20 Uhr

−Symbolbild: picture alliance/dpa

Zwei Frauen aus Bayern hatten sich online offenbar in den gleichen falschen Arzt verliebt und je zehntausende Euro an ihn verloren. Eine Betroffene stammt laut Polizei aus Niederbayern.

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Die Betrugsmasche ist inzwischen als „Romance Scam“ bekannt. Dabei bauen Betrüger in Online-Partnerbörsen oder auch in sozialen Netzwerken eine Beziehung zu ihren Opfern auf. Wenn eine entsprechende Vertrauensbasis vorhanden ist, folgt oftmals eine Bitte nach Geld.



In den aktuellen Fällen gab sich der Betrüger als Arzt aus dem Ausland aus, wie die Polizei berichtet. Er wolle nach Deutschland reisen und habe hierfür bereits Gepäck vorgeschickt. Das Gepäck wäre jedoch aufgrund eines wertvollen Inhalts mehrfach bei Zollbehörden angehalten worden. Deswegen müssten seine Opfer finanziell aushelfen, um das Gepäck wieder freigeben zu können.

„Bei einer 57-jährigen Frau aus Niederbayern häufte sich so ein Vermögensschaden von fast 50.000 Euro an“, heißt es im Bericht der Polizei. Eine 60-Jährige aus Unterfranken fiel offenbar auf den gleichen Betrüger herein, sie wurde um 100.000 Euro betrogen. Die Überweisungen gingen an verschiedene Konten im Ausland, unter anderem in die Türkei, nach Schweden und Griechenland. „Die beiden Frauen konnten Kontakt zueinander herstellen und so dem Betrug auf die Schliche kommen“, so die Polizei.

Tipps der Polizei: Romance- oder Love-Scammer erkennen

Anlässlich dieser Betrugsfälle hat das Polizeipräsidium Niederbayern einige Tipps veröffentlich, woran man Romance- oder Love-Scammer erkennen kann:

An der Kontaktaufnahme: Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Scammer an Mailadressen. Eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat dient als Lockmittel. „Da die Betrüger oft mit deutschen Mail-Adressen arbeiten, ist selten ersichtlich, dass sich hinter den netten Zeilen ein Scammer verbirgt“, so die Polizei.

An der Sprache: Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Insider gehen davon aus, dass rund 95 Prozent der englisch sprechenden Kontakte auf deutschen Dating-Seiten Romance- oder Love-Scammer sind. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.

An den Bildern: Frauen locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind, während Männer häufig Fotos von uniformierten Männern nutzen. Sie geben sich gerne als Ärzte oder Soldaten aus.

Am Inhalt der Mails: Scammer überhäufen ihre Opfer schon nach dem ersten Kontakt mit ellenlangen Briefen voller schwülstiger Liebesschwüre. An den überbordenden Liebeserklärungen und Liebesbekundungen sind sie leicht zu erkennen.

An Verbindungen nach Westafrika/Russland/Südostasien: Ob Geschäftsreise, Militäreinsatz oder familiäre Probleme, es gibt vielfältige Gründe für eine Verbindung nach Nigeria, Ghana usw. Frauen hingegen leben oft in osteuropäischen / südostasiatischen / südamerikanischen Ländern.

An Bitten um Geld/Visum/Päckchen- oder Briefversand/gemeinsames Konto: Es gibt viele Gründe, das Opfer um Geld zu bitten. Weigert es sich, Geld zu schicken, finden Betrüger andere Wege. Gefälschte Schecks, die in Deutschland eingezahlt werden sollen, gehören dazu. Momentan sehr stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einer Einladung nach Deutschland. Oft geben die Betrüger vor, ein gemeinsames Konto mit dem Opfer eröffnen zu wollen und bitten um Kopien von Ausweisen. Die Daten werden für Fälschungen von Pässen genutzt.

Polizei warnt: „Sie können sich auch selbst strafbar machen!“

Zudem warnt die Polizei: „Sie können sich auch selbst strafbar machen!“ Immer öfter nutzen die Betrüger die aufgebaute Vertrauensbasis, um ihre Opfer dazu zu bewegen, Finanzgeschäfte zu erledigen. Unter dem Phänomen „Finanzagenten“ werden Opfer von Betrugstaten unter Umständen selbst zu Tätern, weil sie leichtfertig Teil einer Geldwäsche-Kette werden können. Um die Herkunft widerrechtlich erlangter Vermögenswerte zu verschleiern, erhalten Finanzagenten Überweisungen auf ihr Konto, die sie dann meist per Bargeldversand oder über Finanztransferdienstleister an eine im Ausland befindliche Person überweisen, was unter Umständen den Straftatbestand der Geldwäsche erfüllen kann.

− cav