Maikäferplage: Landwirte suchen nach Lösungen

07.06.2021 | Stand 08.06.2021, 23:01 Uhr

Matthias Balk/dpa/Archivbild

Im Bayerischen Wald bereiten in diesem Jahr die Maikäfer vielen Milchbauern Sorgen. Die dicken braunen Tierchen breiten sich rasant aus. Ihre Larven fressen die Graswurzeln in den Wiesen, die dann kaputt gehen - weswegen Landwirte Futter für die Kühe kaufen müssen.

In ihrem Kampf gegen die Maikäfer-Plage im Bayerischen Wald wollen Landwirte zunächst mit einer Zählung von Engerlingen in ihren Wiesen beginnen. Bei einem Fachgespräch kamen Vertreter von Bayerischem Bauernverband (BBV), Bund Naturschutz (BN), Landwirtschaftsministerium und der Landesanstalt für Landwirtschaft am Montag überein, im Spätsommer ein Monitoring durchzuführen.

Die Zahl der Engerlinge - Maikäfer-Larven - im Boden zeige an, wie stark das nächste Maikäfer-Flugjahr 2024 ausfallen dürfte, sagte Siegfried Jäger, Kreisobmann beim Bayerischen Bauernverband (BBV) im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau.

Im August oder September sollen stichprobenartige Grabungen stattfinden. Bis dahin würden Landwirte und Behördenvertreter das genaue Vorgehen festlegen. Als Schadschwelle seien 40 Engerlinge je Quadratmeter vereinbart worden. Der Schaden, den bis zu 40 Larven je Quadratmeter Wiese anrichten, sei noch zu verkraften.

Maikäfer-Weibchen legen bis zu 200 Eier, so dass die Zahl der Tiere von Flugjahr zu Flugjahr deutlich wächst. Im Bayerischen Wald habe sich die Maikäfer-Population in den vergangenen 20 Jahren für die Landwirte zu einem ernsthaften Problem entwickelt, sagte Jäger.

Für die Landwirte, in deren Wiesen bei dem Monitoring zu viele Engerlinge gefunden werden, soll es weitere Möglichkeiten geben. So sollen sie die Umwidmung von Wiesen in Ackerland beantragen oder sogenannte Pilzgerste als Deckfrucht anpflanzen dürfen. Letzteres werde beispielsweise in Österreich praktiziert. Pilzgerste gilt als biologisches Bekämpfungsmittel. Kommen die Engerlinge damit in Kontakt, werden sie von dem Pilz infiziert und verenden.

Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz von biologischem Fraßmittel, das im nächsten Flugjahr auf die Bäume gesprüht würde, wo es die Maikäfer aufnehmen und dadurch unfruchtbar gemacht würden, sagte Jäger. Im Zuge des neuen Artenschutzgesetzes dürfte diese Variante aber schwer durchsetzbar sein. Es müssten dann zumindest gezielt nur die Bäume - wie Buchen oder Ahorn - besprüht werden, in denen die Maikäfer gerne säßen.

Enttäuscht ist BBV-Obmann Jäger insofern, als dass es für Schäden durch Schädlingsbefall keine Ausgleichszahlungen für die Landwirte gebe - anders als bei Schäden durch Sturm oder Dürre beispielsweise.

2021 ist im Bayerischen Wald ein Maikäfer-Flugjahr. Im dreijährlichen Zyklus tauchen die Tiere dort in großer Zahl auf. Die ausgewachsenen Käfer graben sich im Mai und Juni aus dem Boden aus. Sie leben einige Wochen, in denen sie in Bäumen sitzen, sich von Blättern ernähren und sich paaren. Die Weibchen legen ihre Eier in Wiesen ab, wo sich im Boden die Larven drei Jahre lang entwickeln und von Graswurzeln ernähren, ehe sie sich verpuppen und als Käfer ausgraben. Dann beginnt der Zyklus neu.

Für Landwirte bedeutet die Maikäfer-Saison ab dem folgenden Jahr einen massiven Ernteausfall, weil sich die Engerlinge durch das Wurzelwerk der Wiesen fressen, die dann großflächig absterben. Milchbauern müssen für ihre Kühe dann Futter zukaufen.